Cover "Yellowface"
Englisches Buch Lesetipp Politisch Zeitgenössisch

Yellowface

Rezension zu „Yellowface“ von Rebecca F. Kuang

Meine Bewertung:
4 1/2 Sterne von 5

Details:
Titel: Yellowface
Originaltitel: Yellowface
Autorin: Rebecca F. Kuang
Übersetzung: Jasmin Humburg
Verlag: Eichborn
Seiten: 384
Kauflink: Amazon
Preis: 24,00 € (D) Gebunden; 23,99 € (D) E-Book
Die auf den Fotos abgebildete Version ist eine Exklusivausgabe der Illumicrate. Sie ist in dieser Form nicht mehr im Handel erhältlich.

Klappentext:

June Hayward und Athena Liu könnten beide aufstrebende Stars der Literaturszene sein. Doch während die chinesisch-amerikanische Autorin Athena für ihre Romane gefeiert wird, fristet June ein Dasein im Abseits. Niemand interessiert sich für Geschichten “ganz normaler” weißer Mädchen, so sieht es June zumindest.
Als June Zeugin wird, wie Athena bei einem Unfall stirbt, stiehlt sie im Affekt Athenas neuestes, gerade vollendetes Manuskript, einen Roman über die Heldentaten chinesischer Arbeiter während des Ersten Weltkriegs.
June überarbeitet das Werk und veröffentlicht es unter ihrem neuen Künstlernamen Juniper Song. Denn verdient es dieses Stück Geschichte nicht, erzählt zu werden, und zwar egal von wem? Aber nun muss June ihr Geheimnis hüten. Und herausfinden, wie weit sie dafür gehen will.

Klappentext "Yellowface"
Meine Meinung:

Athena Liu ist der Star der Literaturszene, während ihrer scheinbar einzige Freundin June Hayward bisher nicht der Durchbruch gelungen ist. Als Athena bei einem Unfall stirbt, stiehlt June das Manuskript ihres neuen Romans und beginnt, diesen selbst zu überarbeiten. Unter dem neuen Künstlernamen Juniper Song und mit einem ethnisch unklaren Foto von ihr wird das Werk über chinesische Arbeiter im ersten Weltkrieg veröffentlicht. Doch bald werden erste Vorwürfe laut.

„Yellowface“ ist eine Satire, die aufzeigt, was in der Buchbranche so alles schiefläuft, insbesondere in Bezug auf PoC-Autor*innen. Zwischen Mikroaggressionen und offenem Rassismus wird hier den verschiedenen Bereichen der Spiegel vorgehalten. Angefangen bei Verlagen, die nicht mehr als eine kleine Handvoll PoC Autor*innen fördern wollen, über Personen, die der Meinung sind, weiße Autor*innen hätten keine Chancen mehr auf dem Buchmarkt, bis hin zum Twitterdiskurs. Und gerade um letzteren dreht sich das Buch ganz stark – dazu aber später mehr.

Das Buch war temporeich und ließ sich sehr leicht und angenehm lesen, trotz des Themas. Der Schreibstil war im Vergleich zum letzten Buch der Autorin, Babel, eher einfach gehalten – der Fokus des Buches liegt definitiv nicht hier, sondern auf der Nachricht. Ähnlich, wie in ihren vorherigen Büchern, muss ich hier sagen, dass diese alles andere als subtil rübergebracht wird. Dies passt hier aber auch zum allgemeinen Stil.

Als Satire war dieses Buch definitiv gelungen und ich denke, es gehört zu diesen Büchern, die für alle Menschen in der Buchbranche interessant sein sollten – und zwar sowohl für diejenigen, die in der Branche arbeiten, als auch für Hobbyblogger*innen.

Ein starker Fokus des Buches liegt auf Twitter-Shirstorms, mit welchen die Protagonistin June über das Buch hinweg immer wieder konfrontiert wurde. Dies in ein solches Buch zu integrieren war meiner Meinung nach wichtig, wenn man betrachtet, wie relevant dieses Medium für Autor*innen insbesondere im englischsprachigen Raum ist und wie Diskussionen dort geführt werden. Ich muss allerdings auch sagen, dass sich gerade deswegen das letzte Drittel des Buches meiner Meinung nach etwas sehr zog. Ich habe mich irgendwann gefragt, was gewisse Twitterdiskussionen dem Buch noch gebracht haben.

Ein etwas seltsames Gefühl ließ bei mir auch die eigene Darstellung der Autorin zurück. Informiert man sich ein wenig über ihren Hintergrund, so ist ziemlich klar, dass die Ähnlichkeiten zu dem Charakter Athena mehr als stark sind. Athena erhält auch viele Kritikpunkte, welchen sich Kuang im Laufe der Jahre stellen musste – einige davon absurd, andere dagegen durchaus valide. Dadurch, dass diese jedoch durch einen Charakter, wie June kommen, wirken diese im Buch durchweg irrelevant oder sogar lächerlich. Die Youtuberin withcindy hat dies in ihrem Video besser zusammengefasst, als ich es hier könnte, daher möchte ich an dieser Stelle darauf hinweisen.

Illumicrate Ausgabe von Yellowface
Fazit:

Diese temporeiche Satire ist ein Must-read für alle Personen, die irgendwie mit der Buchbranche zu tun haben. Es zeigt die verschiedenen Arten von Rassismus auf, welchen PoC-Autor*innen auch heute noch ausgesetzt sind.

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