Rezension zu „Xenogenesis“ von Octavia E. Butler
Meine Bewertung:

Details:
Titel: Xenogenesis
Originaltitel: Lilith’s Brood
Reihe: Xenogenesis; Band 1-3
Autorin: Octavia E. Butler
Übersetzung: Barbara Heidkamp
Verlag: Heyne
Seiten: 976
Kauflink: Amazon
Preis: 19,00 € (D) Taschenbuch; 12,99 € (D) E-Book
Klappentext:
Die ferne Zukunft. Ein Atomkrieg hat die Erde fast vollständig zerstört. Nur einige wenige Menschen wurden von den Oankali, einer geheimnisvollen außerirdischen Spezies, gerettet. Jetzt sollen sie auf ihren Heimatplaneten zurückkehren. Aber die Hilfe der Oankali hat ihren Preis …

Meine Meinung:
Die Menschheit hat sich in einem Atomkrieg fast vollständig selbst vernichtet, doch einige Überlebende wurden von der Alienspezies der Oankali gerettet. Eine der Überlebenden ist Lilith. Sie wurde als eine der ersten aus einer Art Kryoschlaf aufgeweckt, damit sie dabei helfen soll, die restlichen Menschen zu überzeugen mit den Oankali zusammenzuarbeiten. Denn deren Hilfe hat einen Preis: Die Oankali fordern, dass die Menschen sich mit ihnen verbinden sollen. Ihre Kinder wären keine Menschen mehr.
„Xenogenesis“ beinhaltet alle drei Bände der gleichnamigen Trilogie. Im ersten Band geht es um Lilith. Sie muss die Oankali kennenlernen und ihre Abscheu ihnen gegenüber überwinden. Außerdem muss sie sich entscheiden, welchen Weg sie und die Menschheit allgemein gehen soll. In den beiden Folgebänden folgen wir dann jeweils einem von Liliths Kindern. Diese ersten Konstruierten, welche sowohl Menschen als auch Oankali sind, müssen mit ihren widersprüchlichen Instinkten klarkommen und einen neuen Weg für beide Spezies finden.
Die Bücher behandeln ganz verschiedene Themen, zentral steht jedoch die Frage, was es bedeutet, Mensch zu sein. Dies ist eine sehr spannende Frage und insbesondere im Kontrast zu den Oankali, die so anders sind, dass es oft abstoßend ist, könnte dies sehr spannend sein. Die Darstellung dieser Alienspezies ist der Autorin sehr gelungen. Vieles was für diese völlig normal war, löste bei mir großes Unbehagen und Unverständnis aus. Ebenso konnten die Oankali Menschen nur sehr bedingt verstehen und verhielten sich oft genug eher, wie Eltern oder Tierbesitzer ihnen gegenüber, obwohl sie es eigentlich nur gut meinten.
Dennoch habe ich die zentrale Frage darüber, was Menschlichkeit ausmacht als nicht ausreichend behandelt empfunden. Die Autorin fokussiert sich durchgehend auf die Biologie und was diese mit Menschen macht. Zu Beginn war dies verständlich, denn für die Oankali ist dies der einzig relevante Blick auf ein Wesen. Doch ich fand diesen biologischen Essenzialismus als extrem reduktionistisch, insbesondere wenn es um Genderthemen ging. Männer können gar nicht anders, als mit möglichst vielen Frauen zu schlafen und mit Gewalt ihre Männlichkeit zu beweisen, während Frauen beschützt werden wollen. Menschen generell können nicht anders als hierarchisch zu leben und sich irgendwann selbst zu vernichten. Das sind die Aussagen, die immer wieder über sie getroffen werden und es gibt keine Anzeichen, die den Oankali beweisen könnten, dass diese Aussagen falsch sein könnten. Um darüber zu reflektieren, was Menschlichkeit bedeutet, hätte ich mir gewünscht, dass es auch um die menschliche Psyche gehen würde, aber dafür hätte der Text menschliche Charaktere gebraucht, die sich auch wie echte Menschen verhalten würden. Abgesehen von Lilith in der ersten Hälfte des ersten Bandes war davon leider nichts zu finden. Die meisten menschlichen Charaktere waren flacher als Pappe und legten alle ihre tiefsten Überzeugungen bei dem kleinsten Kontakt mit Pheromonen ab. Ich will nicht bezweifeln, dass dies nicht passieren könnte, aber dieses Verhalten wurde schnell repetitiv, langweilig und bewies wieder und wieder, dass die Oankali eigentlich Recht haben mit ihren Annahmen.
In der ersten Hälfte des ersten Bandes war es tatsächlich noch interessant, Liliths innerem Kampf zuzusehen. Sie musste sich zunächst überwinden, mit den Oankali überhaupt interagieren zu können und dann erhielt sie erst nach und nach die wichtigsten Informationen. Ihre Gefühle und ihr Widerstand waren hier sehr verständlich, allerdings kam es dann zu einem kurzen Zeitsprung, nach dem sie wie ausgewechselt war. Ihr Verhältnis zu den Oankali veränderte sich außerhalb des Textes komplett und ab dann habe ich keinen neuen Zugang zu irgendeinem menschlichen Charakter finden können.
Später gab es sicher einige interessante Momente, in denen etwa Konstruierte mit ihren widersprüchlichen Gefühlen kämpfen mussten, aber es blieb leider bei Momenten. Die meisten Themen des Textes waren meiner Meinung nach einfach nicht gut ausgearbeitet, die meisten Charaktere blieben flach und auch wenn der Plot immer wieder interessante Szenen bereithielt, reichten diese einfach nicht aus, um mich für das Buch zu begeistern. Ich hatte hier definitiv etwas anderes erwartet.
Fazit:
„Xenogenesis“ hatte zwar eine interessante Prämisse und eine hervorragend gestaltete Alienspezies, leider war aber meiner Meinung nach das zentrale Thema nicht gut herausgearbeitet und auch andere Themen blieben ebenso blass, wie die meisten Charaktere.

