Cover "Wo ich wohne, ist der Mond ganz nah" neben "Kim Jiyoung, geboren 1982"
Politisch Zeitgenössisch

Wo ich wohne, ist der Mond ganz nah

Rezension zu „Wo ich wohne, ist der Mond ganz nah“ von Cho Nam-Joo

Meine Bewertung:
3 Sterne von 5

Details:
Titel: Wo ich wohne, ist der Mond ganz nah
Originaltitel: 고마네치를 위하여
Autorin: Cho Nam-Joo
Übersetzung: Jan Henrik Dirks
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
Seiten: 290
Kauflink: Amazon
Preis: 23,00 € (D) Gebunden; 19,99 € (D) E-Book

Klappentext:

Manis Familie lebt in einem der ärmsten Stadtteile von Seoul. Ihr Vater arbeitet in einem Imbiss und ihre Mutter ist erwerbslos. Als kleines Mädchen träumte Mani davon, rhythmische Sportgymnastin zu werden, inspiriert durch Fernsehbilder der Olympischen Spiele 1988 in Seoul. Als Kind fängt sie mit dem Turnen an, muss aber schnell einsehen, dass sie im Vergleich zu anderen kein Talent hat. Sie wird ein einfaches, unerfülltes Leben führen, auch geprägt von der Demütigung, mit Mitte dreißig noch keine eigene Familie zu haben.
Die Nachricht von der Stadtteilsanierung lässt die Immobilienpreise in die Höhe schießen, gleichzeitig erfährt Manis Familie zufällig, dass die Sanierung abgeblasen werden solle. Als ein Fremder ihr Haus kaufen will, ist die Familie uneins darüber, ob sie diesem gutmütigen Mann die Wahrheit sagen oder ihn täuschen soll. Ihr ganzes Leben lang haben sie sich an das Prinzip der Ehrlichkeit gehalten. Welche Entscheidung werden sie treffen, wenn sie vor dem größten Dilemma ihres Lebens stehen?

Klappentext Wo ich wohne ist der Mond ganz nah
Meine Meinung:

Mani wollte immer rhythmische Sportgymnastin werden. Obwohl ihre Eltern arm sind, bemühen sie sich ihr diesen Traum zu ermöglichen, auch wenn Mani kein besonderes Talent dafür zeigt. Mit Mitte dreißig fühlt sie sich unerfüllt, hat keinen besonderen Beruf und ist nicht verheiratet. Die Familie wohnt noch immer in dem ärmlichen Haus in einem der ärmeren Stadtteile Seouls. Da erhalten sie die Nachricht einer Stadtsanierung und erhalten die Chance, ihr Haus gewinnbringend zu verkaufen – dafür müssen sie jedoch ihre Karten richtig ausspielen und die Wahrheit verschweigen.

Ich habe von der Autorin im letzten Jahr „Kim Jiyoung, geboren 1982“ gelesen und fand es unglaublich gut. Aus diesem Grund habe ich mich nun auf dieses neue Buch von ihr gefreut. Doch auch wenn dieses einige interessante Aspekte bietet, bin ich doch leider nicht davon überzeugt.

„Wo ich wohne, ist der Mond ganz nah“ zeigt insbesondere den Alltag der von Armut betroffenen Menschen in Südkorea. Manis Eltern versuchen, ihrer Tochter ihre Träume zu ermöglichen, doch es scheitert immer wieder daran, dass entweder zu wenig Geld vorhanden ist oder Mani dies nicht mit dem nötigen Talent kompensieren kann. Während reichere Kinder etwa bereits in jungen Jahren die nötige Förderung für eine gymnastische Laufbahn erhalten, kann Mani diese erst deutlich später wahrnehmen und schafft es auch nicht, diesen Rückschritt wieder auszugleichen.

Auch dass die Familie später zwar die Möglichkeit hat, aus ihrer wirtschaftlichen Lage auszubrechen, dies jedoch nur möglich ist, indem sie jemand anderen täuschen, ist ein interessantes ethisches Dilemma und zeigt die Schwierigkeiten dabei, aus der Armut auszubrechen.

Das alles hätte ein sehr gutes, gesellschaftskritisches Buch ergeben können. Leider habe ich die Umsetzung als eher schwach empfunden. Die Erzählung wechselt immer wieder zwischen Gegenwart und Vergangenheit, oft ohne dies erkennbar zu machen. Ich war davon mehrfach verwirrt und nicht sicher, in welcher Zeitebene sich die Handlung befand. Auch generell folgte die Handlung eher einem ungeordneten Gedankenstrom und plätscherte dadurch manchmal ohne erkennbares Ziel vor sich hin.

Generell blieben insbesondere die Charaktere eher distanziert und ich fand es sehr schwer, diese zu greifen. Regelmäßig war ich nicht sicher, welche Motive hinter ihren Handlungen steckte.

Insbesondere am Ende des Buches fehlte mir ein klarer Abschluss. Es wirkte eher so, als würde die Handlung weiterplätschern und die Autorin hatte einfach entschieden, an diesem Punkt nicht weiterzuschreiben. Ich denke, ein Abschluss, der etwa noch einmal die Botschaften des Buches auf den Punkt gebracht hätte, hätte das Ganze besser abgerundet.

Fazit:

„Wo ich wohne, ist der Mond ganz nah“ enthält einige interessante, gesellschaftskritische Botschaften. Leider kommen diese aufgrund der vor sich hinplätschernden Erzählweise nicht so gut rüber, wie ich mir dies gewünscht hätte.

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