Cover "Vox"
Dystopie Feministisch Politisch Zeitgenössisch

Vox

Rezension zu „Vox“ von Christina Dalcher

Meine Bewertung:
4 Sterne von 5

Details:
Titel: Vox
Originaltitel: Vox
Autorin: Christina Dalcher
Übersetzung: Susanne Aeckerle, Marion Balkenhol
Verlag: S. Fischer
Seiten: 400
Kauflink: Amazon
Preis: 20,00 € (D) Hardcover; 12,00 € (D) Taschenbuch; 9,99 € (D) E-Book

Worum geht es?

„Als die neue Regierung anordnet, dass Frauen ab sofort nicht mehr als hundert Wörter am Tag sprechen dürfen, will Jean McClellan diese wahnwitzige Nachricht nicht wahrhaben – das kann nicht passieren. Nicht im 21. Jahrhundert. Nicht in Amerika. Nicht ihr.
Das ist der Anfang.
Schon bald kann Jean ihren Beruf als Wissenschaftlerin nicht länger ausüben. Schon bald wird ihrer Tochter Sonia in der Schule nicht länger Lesen und Schreiben beigebracht. Sie und alle Mädchen und Frauen werden ihres Stimmrechts, ihres Lebensmuts, ihrer Träume beraubt.
Aber das ist nicht das Ende.
Für Sonia und alle entmündigten Frauen will Jean sich ihre Stimme zurückerkämpfen.“

Klappentext "Vox"
Zitat:

„Ich könnte ihnen erzählen, was sie wissen wollen: Vor den Klassen stehen nur noch männliche Lehrkräfte. Frontalunterricht. Lehrer reden. Schüler hören zu. Das würde mich vierzehn Wörter kosten. Ich habe noch fünf übrig.“

Meine Meinung:

In „Vox“ wird eine erschreckende dystopische Zukunft gezeichnet, in der eine konservative, stark religiöse Regierung die Macht erringt und Frauen unterdrückt. Jede erhält einen Wortzähler, welche nach hundert gesprochenen Wörtern Stromstöße aussendet. Die Wissenschaftlerin Jean, die an einer seltenen Form der Aphasie geforscht hat, muss ihren Job und ihre Stimme aufgeben und dabei zusehen, wie ihre Kinder in diesem System aufwachsen.

Die dargestellte Zukunft ist erschreckend und etwas, das man durchaus ernst nehmen sollte. Auch heute werden Frauen weltweit zum Schweigen gebracht. Nicht mit einem Wortzähler, auch nicht immer mit Gewalt. Manchmal ist es allein die Tatsache, dass von Frauen gesprochene Worte weniger ernst genommen werden. Vox ist somit sowohl als Sinnbild für das, was schon ist, als auch als Mahnung dafür, dass es noch schlimmer werden könnte, wenn wir nichts tun, zu sehen.

Das Buch spielt gleichzeitig in der Gegenwart und der Vergangenheit. Meistens liegt zwischen diesen beiden Ebenen nicht mal ein Absatz und das kann ab und zu verwirrend sein. Man gewöhnt sich jedoch schnell an diese Wechsel.

In der Vergangenheit wird erzählt, wie die Einschränkungen für Frauen zustande kamen. Jean ist dabei eine normale Frau, die ihre „hysterische“ Feministinnen-Freundin nicht sonderlich ernst nimmt. Die internalisierte Misogynie von Jean und anderen Frauen zeigt sich in ihren kleinen Kommentaren, aber auch darin, dass sie oft nicht weiß, wie sie ihren Kindern erklären soll, dass es keinen biologischen Grund dafür gibt, dass Frauen besser für den Haushalt geeignet sind. Als ihr Sohn ihr diese These darstellt bringt sie kaum ein Wort der Erklärung heraus, wieso dies nicht richtig ist und sie tut es als unwichtig ab.

Alltagssexismus und Indoktrinierung der Kinder machen es der gewählten Regierung leicht, ihre Maßnahmen durchzusetzen. Gut wird auch gezeigt, wie Männer, die nur danebenstehen und nichts tun später sagen können, dass sie ja nichts dafür können. Auch dies ist ein wunderbares Sinnbild für Situationen, die auch heute immer wieder geschehen.

Die Geschichte wird in einer sehr wissenschaftlichen, emotionsarmen Sprache erzählt. Manchmal war dies für mich etwas ungewohnt, jedoch passte es meiner Meinung nach sehr gut zum Buch. Allerdings ließen die räumlichen Beschreibungen doch etwas zu wünschen übrig. Am Ende gab es etwa eine Szene, in der ich nicht verstanden habe, was genau passiert ist, da die Beschreibungen so ungenau waren.

Auch wenn die Geschichte mich sehr bewegt hat, muss ich gestehen, dass ich vom Ende alles andere als begeistert war. Vieles was hier geschieht ist schon ziemlich praktisch und eigentlich nur durch die Logik zu erklären, dass alle „bösen“ Männer Idioten sind, während alle „guten“ Menschen übermäßig intelligent sind. Ein größeres Problem hatte ich allerdings damit, dass die Frauen am Ende eigentlich fast nur zugucken, wie die Männer sie retten. In einem Buch, in dem es um Unterdrückung und Befreiung von Frauen geht, fand ich dieses Ende einfach nur fehl am Platz.

Fazit:

Abgesehen von seinem nicht ganz passenden Ende ist „Vox“ ein extrem starkes Werk, mit einer wichtigen Nachricht, die leider nicht nur Mahnung ist, sondern auch aufzeigt, welche Probleme wir auch heute noch in der Gleichstellung haben.

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