Rezension zu „Von Norden rollt ein Donner“ von Markus Thielemann
Meine Bewertung:

Details:
Titel: Von Norden rollt ein Donner
Autor: Markus Thielemann
Verlag: C.H. Beck
Seiten: 290
Kauflink: Amazon
Preis: 23,00 € (D) Gebunden; 17,99 € (D) E-Book
Klappentext:
Täglich treiben der 19-jährige Jannes und seine Familie die Schafe über die Flächen der Lüneburger Heide. Doch es herrscht eine gärende Unruhe in der Gegend, der Wolf ist zurück. Es mehren sich Schafsrisse und mit ihnen Konflikte im Dorf, die schnell politisch werden. Während völkische Siedler versuchen, das Thema für ihre Zwecke in Beschlag zu nehmen, die Situation sich zuspitzt und in Selbstjustiz der Bevölkerung zu eskalieren droht, flüchtet sich Jannes zu seinen Schafen in die Heide. Doch dort wird durch eine gespenstische Begegnung plötzlich die düstere Ortsgeschichte aufgefächert, die ihren langen Schatten in die Gegenwart wirft. Markus Thielemann schreibt mit seinem Anti-Heimatroman das Psychogramm einer Sehnsuchtslandschaft und zeigt auf ebenso subtile wie fesselnde Weise, wie sich ein Idyll in sein Gegenteil verkehren kann.

Meine Meinung:
Jannes und seine Familie sind Schäfer in der Lüneburger Heide. Täglich treibt Jannes die Schafe dort über die karge Landschaft, während er sich gleichzeitig Sorgen um eine scheinbar dementielle Erkrankung seines Vaters machen muss und dann ist der Wolf in die Gegend zurückgekehrt. Die Situation spitzt sich zu und Jannes findet durch übernatürliche Begegnungen mehr über die Ortsgeschichte heraus.
Ein Buch, welches zunächst wie ein Heimatroman anmutet, dann aber doch eher das Gegenteil davon ist. Thematisch hat mich „Von Norden rollt ein Donner“ sehr angesprochen und da war vieles in dem Buch, das mir gefallen hat. Es geht hier stark um das Leben von Jannes und seiner Familie. Die Arbeit als Schäfer ist einsam, hart und wird doch von vielen auf eine Weise verklärt, welche Jannes unangenehm ist. Wie dieses Leben ist, hat der Autor hier wunderbar und authentisch eingefangen – insbesondere, wenn die Charaktere miteinander reden, dann ist das so real dargestellt und mit einem Dialekt versehen, der genauso in diesen Regionen gesprochen wird.
Es geht auch viel darum, dass die Heide selbst in der deutschen Geschichte oft verklärt dargestellt und als natürliche Landschaft angesehen wird. Dabei ist sie eine Kulturlandschaft, die aktiv in dieser Form gehalten wird – und ihre Verklärung hängt durchaus eng mit dem Nationalsozialismus zusammen. Ich habe in dieser Hinsicht selbst einiges vom Buch gelernt und mich seitdem auch weitergehend mit dem Thema beschäftigt, weil ich es interessant finde.
Leider muss ich aber auch sagen, dass die vielen interessanten Themen des Buches nicht so wirklich zusammenfinden. Die Krankheit des Vaters, die Situation der Großmutter, die nationalsozialistisch belastete Geschichte, die völkische Ideologie, die auch heute noch verstärkt dort existiert, der harte Lebensalltag – all diese Punkte sind interessant, werden aber nie so wirklich zu einer Einheit. Es wirkt eher wie viele einzelne Themen, die zusammengeworfen wurden. Insbesondere die Thematik der heutigen völkischen Ideologie kam für meinen Geschmack viel zu kurz und wurde nie wirklich aufgelöst.
Ebenfalls nicht wirklich passend für einen Roman dieser Art fand ich die fantastischen Elemente. Als hauptsächliche Fantasy-Leserin haben mich dabei nicht die Elemente an sich gestört, sondern eher, dass diese in einem zeitgenössischen Roman zur Anwendung kamen – und dann auch noch ohne weitergehende Erklärung. Auf mich machte dies einen faulen Eindruck. Statt einen Weg zu finden, wie Jannes diese Informationen tatsächlich hätte finden können, werden sie ihm von einem übernatürlichen Wesen gezeigt.

Fazit:
„Von Norden rollt ein Donner“ behandelt viele interessante Themen, schafft es dabei aber nie, diese so zu verknüpfen, dass ein zufriedenstellendes Ganzes entsteht. Dazu störten mich die übernatürlichen Elemente des Buches.


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