Cover "Und alle so still"
Feministisch Politisch Zeitgenössisch

Und alle so still

Rezension zu „Und alle so still“ von Mareike Fallwickl

Meine Bewertung:
3 Sterne von 5

Details:
Titel: Und alle so still
Autorin: Mareike Fallwickl
Verlag: Rowohlt
Seiten: 368
Kauflink: Amazon
Preis: 23,00 € (D) Taschenbuch; 19,99 € (D) E-Book

Klappentext:

An einem Sonntag im Juni gerät die Welt aus dem Takt: Frauen liegen auf der Straße. Reglos, in stillem Protest. Hier kreuzen sich die Wege von Elin, Nuri und Ruth. Elin, Anfang zwanzig, eine erfolgreiche Influencerin, der etwas zugestoßen ist, von dem sie nicht weiß, ob es Gewalt war. Nuri, neunzehn Jahre, der die Schule abgebrochen hat und versucht, sich als Fahrradkurier, Bettenschubser und Barkeeper über Wasser zu halten. Ruth, Mitte fünfzig, die als Pflegefachkraft im Krankenhaus arbeitet und deren Pflichtgefühl unerschöpflich scheint.
Es ist der Beginn einer Revolte, bei der Frauen nicht mehr das tun, was sie immer getan haben. Plötzlich steht alles infrage, worauf unser System fußt. Ergreifen Elin, Nuri und Ruth die Chance auf Veränderung?

Klappentext "Und alle so still"
Meine Meinung:

„Und alle so still“ wurde mir freundlicherweise vom Rowohlt Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Auf meine Meinung hat dies keine Auswirkungen.

Ruth ist Pflegefachkraft in einem Krankenhaus und arbeitet oft bis zur Erschöpfung. Nuri hält sich mit mehreren Jobs über Wasser. Die Schule hat er abgebrochen und seine Zukunft scheint verbaut zu sein. Elin ist Influencerin und versucht zu verarbeiten, dass ihr vor kurzem Gewalt angetan wurde. Die Wege dieser drei unterschiedlichen Menschen kreuzen sich, als plötzlich die Frauen beginnen, sich einfach auf den Boden zu legen im stillen Protest. Sie hören auf zu arbeiten und die Care Arbeit zu übernehmen und plötzlich steht die Welt kurz vor dem Zusammenbruch.

Ich habe im letzten Jahr „Die Wut, die bleibt“ von der Autorin gelesen und war restlos begeistert. Dies war eines der besten Bücher meines gesamten Jahres. An „Und alle so still“ hatte ich dementsprechend hohe Erwartungen, die leider so gar nicht erfüllt wurden.

Die Idee hinter dem Buch hat mich eigentlich sehr angesprochen. Es ist ein Gedankenexperiment – was, wenn alle Frauen einfach aufhören würden, die Dinge zu tun, die von ihnen erwartet werden? Was, wenn sich alle Frauen einfach hinlegen und nichts fordern, sondern einfach aufhören?

Leider hatte ich das Gefühl, dass die Geschichte sehr unfokussiert war. Dies begann bei den Charakteren. Ruth passte perfekt zu der Prämisse des Buches und ihr gesamter Handlungsbogen war in meinen Augen auch der stärkste. Insbesondere die Szenen im Krankenhaus, die zeigten, wie überlastet die Mitarbeitenden dort sind, waren einfach unglaublich realistisch und wichtig. Die beiden anderen Charaktere schienen dagegen so gar nicht zu der hier erzählten Geschichte zu passen.

Elin als Influencerin hatte mit Sorgearbeit zu Beginn gar nichts am Hut. Trotzdem wird sie sofort Teil der Bewegung und scheint sogar eine Art Vorreiterposition einzunehmen. Ich fand dies so gar nicht glaubhaft. Nuris Geschichte behandelte eher Klassenunterschiede und wie einige Menschen eigentlich keine wirkliche Chancengleichheit haben. Wie man in der Armut gefangen ist. Diese Thematik wurde dann jedoch im Verlauf des Buches fallengelassen – im Gegenteil, Nuri konzentrierte sich darauf zu zeigen, wie schlecht es den Frauen geht. An sich war es eine gute Idee hier zu zeigen, dass eben auch Männer von Gleichberechtigung profitieren würden, aber zum einen war dies für mich charakterlich unglaubwürdig und zum anderen kam dies insbesondere in der Interaktion zwischen Nuri und Elin nicht sehr glaubhaft rüber.

Ich hätte mir auch generell eine nuancierte Darstellung von Männern gewünscht. Abgesehen von Nuri waren diese allesamt entweder Idioten, grausam oder beides. Durch diese eindimensionale Darstellung hatte ich das Gefühl, dass dies das Gewicht, welches die Geschehnisse haben sollten, schmälerte.

Trotz allem war ich in diesem Buch wieder begeistert von der rohen Art, mit der die Autorin alles beschreibt. Auch wenn mich diese Geschichte nicht ganz überzeugen konnte, bin ich doch auf alles weitere gespannt, was sie noch herausbringen wird!

Fazit:

„Und alle so still“ hat eine unglaublich gute und spannende Prämisse und ich mochte die rohe Art der Autorin Dinge zu beschreiben. Dennoch passte für mich vieles innerhalb des Buches nicht zusammen, insbesondere zwei der Charaktere schienen einfach nicht zur Handlung zu passen.

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