Rezension zu „Töchter der Freiheit“ von Theresa Jeßberger
Meine Bewertung:

Details:
Titel: Töchter der Freiheit
Autorin: Theresa Jeßberger
Verlag: Fischer Verlag
Seiten: 448
Kauflink: Amazon
Preis: 13,00 € (D) Taschenbuch; 9,99 € (D) E-Book
Worum geht es?
„Schöne Kleider tragen und lächeln – das ist alles, was Elodeas Leben noch ausmacht. Denn Elodea war Teil einer Widerstandsgruppe aus Studentinnen, die sich gegen die Tyrannenherrschaft in Avendúr gewehrt hat und deren Mitglieder nun getrennt voneinander an den Adelshöfen des Landes auf Linie gebracht werden sollen. Doch plötzlich bekommen sie eine neue Chance, für ihre Ideen zu kämpfen.
Gleichzeitig suchen auch andere im Kampf der Ideologien ihren Weg: Avian, der von seinem Vater in das Amt des Vorsitzenden der Kirche gezwungen wurde, obwohl er als Atheist nichts vom Glauben hält, unterstützt aus Angst um seine Familie die Herrschenden und wird dafür von seiner Schwester verachtet. Lyonel, der verschollene Bruder der Königin, der aufgrund einer Behinderung von seiner Familie versteckt wurde, will sich mithilfe der Rebellen im Untergrund seinen Thron zurückerobern. Isobel, die als Gräfin in den Adelsstand geboren wurde, im Herzen aber eigentlich Demokratin ist, schmiedet heimlich Bündnisse für einen Umsturz.
Während Avendúrs psychisch labile Königin unbeirrbar ihre Ideologie der Herrschaft des Stärkeren verfolgt und das Land in einen Krieg führen will, verstricken sich die Rebellen immer mehr in einem Netz aus Schuld, Lüge und Verrat. Sie müssen sich entscheiden: Sind sie bereit, für ihre Ideale zu sterben?“

Zitat:
„Das ist die eigentliche Tragik am Sterben. Nicht der Tod, sondern das Weiterleben. Leben in einer Welt, die noch genau die gleiche ist. Obwohl sich alles verändert hat.“ – Elodea
Meine Meinung:
In meinem Artikel zu den spannendsten Neuerscheinungen des Jahres hatte ich diesen Roman genannt und geschrieben, dass ich hohe Erwartungen an ihn habe. Wenn ihr wissen wollt, welche Neuerscheinungen dieses Jahr noch den Weg auf meinen Blog finden werden, dann schaut gerne im entsprechenden Artikel nach!
Die Geschichte:
Das Buch beginnt damit, dass die Magistra Loreba Elgyn zum Tode verurteilt wurde, da sie ihre Meinung über die Schreckensherrschaft der Königin öffentlich kundgetan hat. Ihre Vertrauten, die Aurenen – Töchter der Freiheit – wie sie sich nennen, wurden bei verschiedenen Grafen im Königreich untergebracht. Dort sollen sie wieder zu folgsamen jungen Damen erzogen werden. Unter ihnen ist auch Elodea, Lorebas Schülerin. Sie wird zu ihrer Meisterin gebracht, einen Tag vor deren Hinrichtung. Es ist ein emotionales Widersehen in dem Glauben, dass es die letzten gemeinsamen Stunden sind, doch dann werden die beiden vom Widerstand befreit.
Bis zu diesem Zeitpunkt hat mir das Buch noch insgesamt gefallen, auch wenn es einige Schwächen gab, etwa, dass erzählt wurde, dass die Königin subtil darin sei, ihre Macht auszuweiten, während gezeigt wird, wie sie öffentlich Leute hinrichten und Bücher verbrennen lässt. Leider beginnt, nach der Rettung, der sehr langatmige Mittelteil des Buches. Die Charaktere, von denen es mehr als genug gibt, reden, reden, reden und reden. Die Dialoge klingen dabei verkrampft und gestelzt.
Die Handlungen, die folgen, sind oftmals sprunghaft, unüberlegt und man hat beinahe das Gefühl, die Hauptpersonen wollen gerne sterben (natürlich geschieht ihnen aber nie etwas, wodurch die Spannung des Buches völlig zusammenbricht). Beispielsweise verstecken sich die Aurenen für einige Wochen. Irgendwann fällt ihnen verständlicherweise die Decke auf den Kopf und sie beschließen, einen Ausflug zu machen. An diesem Tag ist jedoch ein religiöses Fest, weshalb viele Menschen auf den Straßen sind. Sie gehen trotzdem hinaus – statt einfach noch einen weiteren Tag zu warten (ich sagte doch, sie wollen scheinbar sterben), aber natürlich treffen sie dann doch keine einzige Person auf der Straße.
Daneben gibt es so viele kleine Unstimmigkeiten, die normalerweise nicht viel ausmachen würden, aber zusammen mit allem anderen dafür sorgen, dass es mir extrem schwer fiel, das Buch zu Ende zu lesen. Da sind das 11 jährige Mädchen, welches von Konzepten redet, die nicht mal ausgebildete Magier verstehen, die ganzen Leute, die einfach nur böse sind, um böse zu sein, die Tatsache, dass alle emotionalen Probleme mit einem einzigen positiven Erlebnis verschwunden sind und so vieles mehr.
Ein Problem, das allerdings eher subjektiv ist, hatte ich mit den vielen Ortsnamen. Gerade am Anfang werden diese einfach genannt, ohne Kontext. Ich wusste anfangs nicht, was nun eine Stadt, eine Provinz, oder etwas anderes sein sollte. Eine Karte wäre für dieses Buch mehr als angebracht gewesen.
Insgesamt versucht das Buch sehr viel. Es werden so viele Themen angesprochen, vor allem natürlich, wie Unterdrückung funktioniert, welche Arten von Widerstand es gibt, wieso manche Menschen Angst haben Widerstand zu leisten, Religion in Zeiten von Schreckensherrschaften usw. Leider kommt keines dieser Themen dabei wirklich auf seine Kosten. Es wäre vielleicht sinnvoller gewesen, sich auf eine dieser Thematiken zu fokussieren und den Rest nur nebenbei einfließen zu lassen, oder sogar rauszustreichen.
Die Charaktere:
Die Autorin erzählt einem gerade bei den Hauptcharakteren sehr genau, welche Charaktereigenschaften diese haben. Positiv war dabei jedoch, dass man diese Eigenschaften auch im Verhalten wiedererkennen konnte. Die Hauptcharaktere, Elodea und Loreba, sind auch größtenteils glaubhafte Charaktere (abgesehen davon, dass negative Erlebnisse scheinbar sofort wieder vergessen sind).
Die Nebencharaktere des Buches dagegen sind ziemlich zweidimensional. Viele haben nur ein oder zwei Eigenschaften, nach welchen sie handeln. Besonders bei den anderen Aurenen fällt dies sehr auf, da diese doch recht oft vorkommen. Um dem entgegenzuwirken hat die Autorin für jede eine kleine Hintergrundgeschichte geschrieben. Leider ist hier nur wieder das Problem, von dem ich eben geredet habe: Es ist zu viel im Buch. Diese Hintergrundgeschichten ändern nichts an der Gesamtgeschichte, sie geben den Charakteren meiner Meinung nach auch nicht mehr Tiefe, sie existieren einfach. Es wäre, meiner Meinung nach, vermutlich eine gute Idee gewesen, einige der Charaktere aus dem Buch zu streichen. Es gibt so viele, die nur auf wenigen Seiten vorkommen und nichts zur Handlung beitragen.

Fazit:
Leider konnte „Töchter der Freiheit“ meine Erwartungen gar nicht erfüllen. Die Handlung war meiner Meinung nach unlogisch, sprunghaft und nicht nachvollziehbar. Hinzu kamen zu viele Themen, zu viele Charaktere und zu viele Nebenhandlungen, von denen das Buch erzählen wollte. Die meisten Charaktere blieben flach und unglaubhaft. Abgesehen vom Anfang konnte mich „Töchter der Freiheit“ leider gar nicht überzeugen, was ich sehr schade finde, da ich mich sehr auf dieses Buch gefreut hatte.


