Rezension zu „The Will of the Many” von James Islington
Meine Bewertung:

Details:
Titel: The Will of the Many
Originaltitel: The Will of the Many
Reihe: Hierarchy; Band 1
Autor: James Islington
Verlag: Adrian Verlag
Seiten: 944
Kauflink: Amazon
Preis: 24,95 € (D); 14,99 € (D) Taschenbuch; 9,99 € (D) E-Book
Klappentext:
AUDI. VIDE. TACE.
Die Catenische Republik – die Hierarchie – mag die Welt regieren, aber sie weiß nicht alles.
Ich lasse sie glauben, mein Name sei Vis Telimus. Ich lasse sie glauben, ich sei nach einem tragischen Unfall vor drei Jahren verwaist und nur durch reines Glück an ihrer angesehensten Schule angenommen worden. Ich lasse sie glauben, ich würde nach meinem Abschluss bereitwillig der zivilisierten Gesellschaft beitreten und meinen Willen abgeben, wie es bereits Millionen vor mir getan haben.
Ich lasse sie glauben, ich gehöre dazu – und sie glauben mir.
Doch die Wahrheit ist, ich wurde auf die Akademie geschickt, um Antworten zu finden. Um einen Mord aufzuklären. Um nach einer uralten Waffe zu suchen. Um Geheimnisse zu enthüllen, welche die Republik auseinanderreißen könnten.
Und ich werde meinen Willen niemals an das Imperium abtreten, das meine Familie hingerichtet hat.
Um zu überleben, muss ich in den Rängen der Akademie aufsteigen. Ich muss lächeln, Freundschaften schließen, vorgeben, einer von ihnen zu sein – und gewinnen. Denn wenn ich das nicht schaffe, werden diejenigen, die mich kontrollieren wollen und meinen wahren Namen kennen, keine Verwendung mehr für mich haben.
Und wenn die Hierarchie herausfindet, wer ich wirklich bin, werden sie mich töten.

Meine Meinung:
Vis gibt sich als unauffälliger Waise aus und arbeitet in einem anstrengenden Job. Er weigert sich seinen Willen abzugeben, was jedoch nicht mehr lange möglich sein wird. Doch durch einen Zufall wird ein hochrangiger Mann auf ihn aufmerksam und adoptiert ihn – unter der Bedingung, dass Vis sich in der angesehensten Akademie des Reiches einschleicht und dort Geheimnisse aufdeckt. Vis muss sich durch die Ränge kämpfen, Verbündete finden und Intrigen überstehen. Und nach und nach kommt er seiner eigenen Rache immer näher.
Auf dieses Buch habe ich mich sehr lange gefreut. Von englischen Bloggenden hatte ich bereits seit Erscheinen viel Gutes gehört und seit das Buch auch auf Deutsch erschienen ist, kommt auch aus diesem Bereich viel Lob. Leider kann ich das nach dem Lesen einfach nicht nachvollziehen. Auch wenn ich das Buch nicht insgesamt schlecht fand, muss ich doch sagen, dass es bei weitem nicht mit meinen Erwartungen mithalten konnte.
Zunächst einmal war da Vis, der Protagonist des Buches. Zu Beginn fand ich ihn noch recht spannend. Er hatte eine interessante Hintergrundgeschichte, durch die er in einer interessanten Position innerhalb der Hierarchie des Systems war. Vis konnte niemandem jemals vollständig vertrauen und hatte ein großes Ziel, welches für ihn immer an oberster Stelle stand. Ja, in dieser Hinsicht war er gut geschrieben. Andererseits war er aber auch eine totale männliche Mary Sue. Vis war aus Prinzip in allem besser als alle anderen. Auch wenn immer mal wieder erwähnt wurde, dass er in Zukunft Probleme haben würde, mit anderen mithalten zu können, war dies dann eigentlich nie so. Es gab kaum ein Hindernis, welches er nicht mühelos aus dem Weg räumen konnte, sobald es so weit war. Im gesamten Buch gab es nur eine einzige Situation, in welcher ihm das nicht gelang. Hier passierte etwas, dessen moralische Seite man sehr gut hätte beleuchten können, aber nach einer kurzen Auseinandersetzung wurde auch dies vollkommen vergessen – wichtiger war es, wieder zu zeigen, wie toll Vis ist.
Die restlichen Charaktere haben spannende Ansätze, bleiben jedoch blass, oft eindimensional und Beziehungen entwickeln sich nebenbei. Da werden in wenigen Seiten aus Feinden gute Freunde. Ich konnte das einfach nicht abnehmen und konnte so wenig Bezug zu anderen Charakteren aufbauen. Insbesondere die Frauen innerhalb der Akademie waren davon stark betroffen. In diesem Zusammenhang hatte ich auch das Gefühl, dass der Autor sich wenig Gedanken zu den Konsequenzen seines Worldbuildings für Frauen gemacht hat, denn in dieser Hinsicht ergaben einige Dinge einfach wenig Sinn.
Beim Worldbuilding war ich generell hin- und hergerissen. Ich wollte es lieben und die Aspekte, die man sehen konnten, fand ich richtig gut. Leider blieb mir das Gesamtbild dann aber erneut zu blass. Der Autor schrieb oft, dass Vis sehr viel über die Welt, das politische System und das Magiesystem lernen würde – aber man selbst war davon komplett ausgeschlossen. Irgendwann entstand bei mir der Eindruck, dass dieses System einen komplexen Eindruck machen sollte, aber nicht wirklich viel dahinterstand. Ich wollte zumindest einen Teil der Informationen, die Vis zu allem erhielt, auch selbst erhalten und nicht nur gesagt bekommen, dass dies ja alles so kompliziert und komplex sei. In diesem Zusammenhang fand ich dann auch den Cliffhanger am Ende alles andere als gelungen.
Trotz dieser Kritik enthielt das Buch vieles, was ich mochte. Insbesondere das Akademie-Setting hat mir gut gefallen. Die verschiedenen Klassen darin und wie unterschiedlich diese funktionierten war interessant.
Dazu gab es einige ziemlich spannende Szenen, die mich doch bei Laune gehalten haben. Ebenso fand ich es manchmal sehr gelungen, wie Aspekte des Plots zueinander gefunden haben. Generell hatte ich das Gefühl, dass die Handlung sehr gut durchdacht war.

Fazit:
Insgesamt war „The Will of the Many” definitiv kein schlechtes Buch, aber es war eben auch nicht das Highlight, das ich erwartet hätte. Neben Enttäuschungen im Worldbuilding und einem Mary Sue-Protagonisten, war es für mich schwer, die Geschichte zu lieben – auch wenn diese generell spannend und gut durchdacht war.

