Rezension zu „Sword Catcher“ von Cassandra Clare
Meine Bewertung:

Details:
Titel: Sword Catcher
Originaltitel: Sword Catcher
Reihe: Die Chroniken von Castellan Band 1
Autorin: Cassandra Clare
Übersetzung: Heinrich Koop, Franca Fritz
Verlag: Penhaligon
Seiten: 802
Kauflink: Amazon
Preis: 24,00 € (D) Gebunden; 17,99 € (D) E-Book
Die auf den Bildern gezeigte englische Version ist eine Exklusivausgabe aus der Fairyloot Adult Box. Sie ist so nicht mehr im Handel erhältlich.
Klappentext:
Kel war ein Straßenkind ohne Eltern, ein Niemand ohne Zukunft. Doch dann wurde er zum Schwertfänger – zum Doppelgänger des königlichen Erben von Castellan, Prinz Conor Aurelian. Kel wuchs mit Conor auf, sie sind wie Brüder, doch ein Schwertfänger hat nur einen Zweck: statt des Thronfolgers zu sterben. Ein vereiteltes Attentat führt Kel mit der Heilerin Lin an den Hof des gefürchteten Lumpensammlers, den Herrscher über Castellans Unterwelt. Und dort entdecken Lin und Kel eine Verschwörung, welche ihre Welt ins Chaos zu stürzen vermag. Denn eine Liebe, die nicht sein darf, steht im Begriff das Königreich zu zerstören …

Meine Meinung:
„Sword Catcher“ wurde mir freundlicherweise vom Penhaligon Verlag über das Bloggerportal als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Auf meine Meinung hat dies keine Auswirkungen.
Kel ist der Schwertfänger des Kronprinzen Connor. In gefährlichen Situationen nimmt er dessen Platz ein und ist bereit, an seiner Statt zu sterben, sollte es nötig sein. Auf der anderen Seite von Castellan lebt die Askari Lin. Ihr Volk ist das einzige, welches noch Magie nutzen kann und wird dafür gefürchtet und ausgegrenzt. Lin arbeitet als Heilkundige und wird nach einem vereitelten Attentat in den Palast gerufen. Dort lernt sie Kel und Connor kennen und gerät in eine Verschwörung, welche die Stadt ins Chaos stürzen könnte.
Mein erster Eindruck von diesem Buch war eigentlich gar kein so positiver. Ich hatte große Probleme in den Schreibstil reinzukommen und bin oft über Formulierungen gestolpert, bei welchen ich mich gefragt habe, ob es kein gründliches Lektorat für dieses Buch gab. Da ich im Vorfeld schon von englischen Bloggenden gehört hatte, dass der Schreibstil für Adult Fantasy eher einfach sei, habe ich dies auf den Originaltext geschoben. Nachdem allerdings meine zweite, englische Ausgabe ankam, habe ich hier einige Stellen verglichen und kann daher sagen, dass es vielmehr an der Übersetzung liegt. Gerade zu Beginn sind mir hier auch recht viele Rechtschreibfehler aufgefallen. Ich kann verstehen, dass nicht viel Zeit für die Übersetzung vorhanden war, weil das Buch etwa zeitgleich mit der englischen Version erscheinen sollte, dennoch habe ich die Qualität in dieser Hinsicht gerade für diesen Preis als unzureichend empfunden.

Als ich mich daran jedoch halbwegs gewöhnt habe, schaffte es die Geschichte nach und nach mich richtig für sich einzunehmen! Hatte ich im ersten Drittel noch das Gefühl, dass das Tempo der Geschichte zu langsam sei, so habe ich im Verlauf des Buches gerade diese Langsamkeit zu schätzen gelernt. Gerade die Charaktere konnte ich so sehr gut kennenlernen und verstehen. Insbesondere Lin mochte ich dabei sehr. Sie ist Teil zweier Welten – die Ashkari leben zwar in Castellan, sind dort jedoch besonderen Regeln unterworfen und werden generell nicht als Einwohner angesehen. Doch auch die Regeln der Ashkari selbst legen Lin immer wieder Steine in den Weg. So scheint sie zu keiner dieser beiden Welten wirklich dazuzugehören.
Die Geschichte fokussiert sich deutlich stärker auf Intrigen, Politik und Charakterentwicklung als auf Action. Etwa nach der Hälfte des Buches habe ich auch aktiv versucht, mitzuraten und hatte die wildesten Theorien, wer hinter den vielen Intrigen steckte. In diesem Zusammenhang hätte ich mir zwar eine etwas bessere Ausarbeitung der Nebencharaktere gewünscht, da ich allerdings noch nicht ganz beurteilen kann, wie relevant viele davon sein werden, möchte ich das hier gar nicht zu stark kritisieren.

Was ich sehr interessant für ein Buch der Autorin fand, war, wie wenig Fokus auf den Liebesgeschichten des Buches lag. Diese wurden zwar vorsichtig angedeutet, aber bisher noch nicht wirklich ausgearbeitet. Mir haben diese Andeutungen dabei aber sehr, sehr gut gefallen. Durch die langsame Entwicklung und die gute Darstellung der Charaktere wurde ziemlich gut deutlich, was diese fühlten, ohne dass dies groß ausgesprochen werden musste.
Das Buch hatte definitiv an einigen Stellen das Potenzial, mehr zu sein. Insbesondere bei Lin hätte ich mir noch mehr Exploration dessen gewünscht, was es bedeutet, Ashkari zu sein und was es in dieser Welt bedeutet, eine Frau zu sein. Genauso hätte ich mir bei Kel eine stärkere Reflektion davon gewünscht, was die Folgen davon sind, dass sein Charakter so stark nach dem eines anderen geformt wurde. In beiden Fällen war es aber kein Problem, dass diese Themen noch nicht voll ausgereizt wurden, ich hoffe aber sehr, dass dieses Potenzial in Folgebänden genutzt wird, denn ich sehe hier interessante Parallelen zu unserer Welt.

Fazit:
„Sword Catcher“ leistet durch ein eher langsames Tempo sehr gute Charakterarbeit und fokussiert sich stärker auf Intrigen und Politik. Dabei hat mich die Geschichte nach und nach völlig in ihren Bann gezogen. Ich kann das Buch sehr weiterempfehlen und sehe auch eine Menge Potenzial für die Fortsetzung. Mein einziger wirklicher Kritikpunkt war die mangelnde Qualität der Übersetzung, welche wohl durch die Zeitknappheit erklärt werden kann.

