Rezension zu „Spielmannsbraut“ von Anne Danck
Meine Bewertung:

Details:
Titel: Spielmannsbraut
Autorin: Anne Danck
Verlag: Drachenmond Verlag
Seiten: 294
Kauflink: Amazon
Preis: 14,90 € (D) Taschenbuch; 6,99 € (D) E-Book
Klappentext:
„Prinzessin Mirelle soll verheiratet werden – und das schnell, bevor sich ihr nacktes Bad im Fluss als Skandal herumspricht. Doch sie ist nicht bereit, sich dem Willen ihres Vaters zu fügen. Sie schlägt alle Freier in die Flucht mit der einzigen Waffe, die sie besitzt: gut gezieltem Spott. Nur nutzt es ihr nichts. Zur Strafe muss sie einen Bettler heiraten, der sie zu Demut erziehen soll. Kaum hat Mirelle den Ring am Finger, sinnt sie auf Rache an ihrem Vater – und an ihrem neuen Ehemann. Da kann er sie noch so faszinieren …“

Zitat:
„Ich ließ den Brief auf den Tisch fallen und streckte stattdessen die Hand nach einer Rose aus. Sie waren dornenlos. Gestutzt, so wie ich auch gestutzt werden sollte.“
Meine Meinung:
„Spielmannsbraut“ wurde mir freundlicherweise von der Autorin, Anne Danck, als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Auf meine Meinung hat dies keine Auswirkungen.
Prinzessin Mirelle musste ihr Leben lang gegen ihren Vater kämpfen. Er hat andere Vorstellungen davon, wie eine Prinzessin zu sein hat als sie. Als er beschließt, dass sie nun verheiratet werden soll, kämpft sie auf die einzig mögliche Weise dagegen an: Mit ihren Worten. Durch beißenden Spott sorgt sie dafür, dass kein Mann sie haben will. Ihr Vater zwingt sie daraufhin, einen Bettler zu heiraten, um sie Demut zu lehren. Doch Mirelle sinnt auf Rache und dafür braucht sie die Hilfe ihres neuen Ehemannes.
„Spielmannsbraut“ ist eine Neuerzählung von „König Drosselbart“. Bis auf ein paar Kleinigkeiten hält es sich dabei sehr eng an die Vorlage, allerdings erfährt man deutlich mehr über das Innenleben der Charaktere. Dies setzt Dinge in einen neuen Kontext. Die hochmütige Prinzessin ist eigentlich nicht hochmütig, sie kann sich nur nicht anders wehren. Und auch der Bettler hat seine eigenen Gründe. Wer das originale Märchen kennt wird also nicht großartig überrascht werden, aber dennoch finde ich, dass hier genug Neues hinzugefügt wurde. Für mich persönlich war es definitiv eine Verbesserung zum Original und mir hat es sehr gefallen, diese veränderte Version zu lesen!

Für mich war jedoch auch eine wichtige Frage, ob der extrem sexistische Charakter des Originals so überwunden werden konnte. Ich muss nämlich ehrlich gestehen, dass mir das Märchen genau aus diesem Grund nie wirklich zugesagt hat. Ich persönlich würde diese Frage mit einem klaren Jein beantworten. Dadurch, dass wir die Charaktere besser kennen lernen und ihre Hintergründe verstehen können, wird die Geschichte in eine andere Perspektive gesetzt. Man kann verstehen, wieso der Bettler Mirelle erziehen will, und man kann verstehen, warum Mirelle sich so verhalten hat, wie sie es getan hat. Allerdings lag für mich am Ende doch wieder zu viel Fokus auf Mirelles Fehlern, die man wie gesagt jetzt eigentlich sehr gut verstehen konnte, und viel zu wenig auf denen des Bettlers oder des Vaters. Was dann irgendwie ein seltsames Ungleichgewicht erzeugt und meiner Meinung nach letztlich die Botschaft vermittelt hat, dass die Tatsache, dass Mirelle sich auf die einzig mögliche Weise wehrt deutlich schlimmer ist, als dass der Bettler sie anlügt und wie ein Kind erziehen will. Auch wenn mir hier also der Ansatz gefallen hat, bin ich der Meinung, dass noch etwas mehr nötig gewesen wäre.
Abgesehen davon muss ich dennoch sagen, dass mir das Buch sehr gefallen hat. Der Schreibstil der Autorin konnte mich mehr als überzeugen und er passt perfekt zu einer Märchenneuerzählung. Ich würde ihn als leicht lesbar und dennoch besonders beschreiben.
Ich persönlich mochte die Protagonisten und mir gefiel, wie sich die Beziehung der beiden langsam veränderte. Besonders Mirelle konnte ich gut verstehen und ich mochte ihre schnelle Auffassungsgabe. Ja, bei manchen Schlussfolgerungen wäre sogar Sherlock Holmes nicht hinterhergekommen und vielleicht hätten die Schlüsse an diesen Stellen ein wenig mehr Grundlage benötigt, aber ich habe allgemein einfach lieber einen mitdenkenden Charakter als einen, der erst Stunden nach mir zu einem Schluss kommt.

Fazit:
„Spielmannsbraut“ ist ein solides Debüt, bei dem mich besonders der Schreibstil absolut überzeugen konnte. Trotz kleinerer Schwächen kann die Neuerzählung doch einiges Neues zum Märchen hinzufügen und ist somit auch oder gerade dann interessant, wenn man das Original bereits kennt.

