Rezension zu „Slow Gods“ von Claire North
Meine Bewertung:

Details:
Titel: Slow Gods
Autor*in: Claire North
Verlag: Orbit
Seiten: 440
Kauflink: Amazon
Die auf den Bildern dargestellte Version ist eine Exklusivausgabe der Starbright Buchbox. Sie ist zum Zeitpunkt dieser Rezension noch im Illumicrate Shop erhältlich.
Klappentext:
My name is Mawukana na-Vdnaze, and I am a very poor copy of myself.
In telling my story, there are certain things I should perhaps lie about. I should make myself a hero. Pretend I was not used by strangers and gods, did not leave people behind.
Here is one truth: out there in deep-space, in the pilot’s chair, I died. And then, I was reborn. I became something not quite human, something that could speak to the infinite dark. And I vowed to become the scourge of the world that wronged me.
This is the story of the supernova event that burned planets and felled civilizations. This is also the story of the many lives I’ve lived since I died for the first time.
Are you listening?
Meine Meinung:
Mawukana na-Vdnaze wuchs in einer der Welten des Shines auf, einer ultrakapitalistischen Regierung mehrerer Planeten. Bei einem Aufstand wurde er als Unschuldiger mit angeklagt und zum Piloten erklärt. Auf dem Weg durch die Dunkelheit starben alle Menschen auf dem Schiff – auch Maw. Und doch findet sich auf dem Schiff eine Kopie von Maw, menschlich und auch wieder nicht ganz.
Viele Jahre später lebt Maw auf einer anderen Welt und wird gefürchtet. Doch seine neuen Fähigkeiten sind nützlich und so wird er auf den Weg zu einer sterbenden Welt geschickt.

„Slow Gods“ ist anders als so ziemlich jedes andere Buch, das ich bisher gelesen habe. Die Erzählweise ist langsam, kontemplativ und doch hält der Erzähler immer wieder Dinge zurück. Auf der einen Seite befindet man sich in Maws Kopf und folgt seinen Gedankengängen, auf der anderen weiß man von Beginn an nur wenig und muss sich nach und nach die Welt erschließen.
Das Worldbuilding ist dabei komplex. Mehrere galaktische Reiche, die völlig verschieden funktionieren bis hin zu der Art, wie sie Gender sehen. Die Erzählweise ist dabei wenig beschreibend und so war es oft schwer für mich, mir diese Welten bildlich vorzustellen. Wirklich gestört hat mich das aber nur bedingt – zu gut war das, was man stattdessen erhält. Hier werden verschiedene Gesellschaften gezeigt und ihre Wege zu leben. Der Protagonist trifft auf verschiedene Wesen, die ganz unterschiedlich zu so ziemlich allem im Leben stehen und die ihn auch ganz unterschiedlich betrachten. Es war so spannend diese Beobachtungen zu erleben und besonders interessant fand ich dabei die Analogien zu unserer eigenen Welt – sowohl unserer gegenwärtigen Situation als auch der Menschheitsgeschichte als Ganzes.

Maw selbst war es wohl, der mir beim Lesen die meisten Probleme machte. Er war insgesamt sehr passiv, blieb meist der Beobachter und Erzähler und nahm nur sehr bedingt auf das Geschehen Einfluss. Dies änderte sich erst recht spät und diese Situationen wurden dann auch recht schnell abgehandelt, was ich etwas schade fand. Gerade gegen Ende hätte es Potenzial dazu gegeben, ihn mehr einzubringen, auf die eine oder andere Weise. Auch, dass die Worte eines bestimmten Charakters gegen Ende einfach passiv hingenommen wurden, hat meine Erwartungen nicht ganz erfüllt.
Abgesehen von diesem Kritikpunkt war dies aber ein extrem interessantes Buch, welches ich wohl noch lange in guter Erinnerung behalten werde. In der Geschichte kommen immer wieder verschiedene Fragen des Menschseins auf und werden ganz unterschiedlich behandelt. Zu einigen dieser Fragen gibt das Buch hier klare Antworten, andere Fragen kommen eher zwischen den Zeilen vor und geben einem die Chance, darüber selbst zu reflektieren.

Fazit:
„Slow Gods“ ist eine Space Opera, wie ich sie selten gelesen habe voller spannender Fragen und Kulturen. Auch wenn ich mir etwas mehr von einzelnen Aspekten erhofft hatte, ist dieses Buch doch eines, das mich fast völlig begeistern und überzeugen konnte. Ich würde sagen, dass es ein Nischenbuch ist, das nicht allen gefallen wird, aber ich hoffe sehr, dass es dennoch noch etwas Aufmerksamkeit erhält.

