Rezension zu „Schwingenfall“ von Simon Denninger
Meine Bewertung:

Details:
Titel: Schwingenfall
Autor: Simon Denninger
Verlag: Drachenmond Verlag
Seiten: 396
Kauflink: Amazon; Drachenmond Verlag
Preis: 14,90 € (D) Taschenbuch; 5,99 € (D) E-Book
Klappentext:
„Seit der Ankunft der Engel auf Erden scheint für die Menschheit ein goldenes Zeitalter angebrochen. Doch als der Grenzwächter Toryan mit ansehen muss, wie ein Engel ermordet wird, geraten er und die junge Gutsmagd Minn mitten in den Kampf der Lichtlande gegen die finsteren Mächte der Altnacht eine epische Auseinandersetzung voller Intrigen und Verrat.Schnell wird klar, dass dabei nicht weniger als das Schicksal aller lebenden Geschöpfe auf dem Spiel steht. Denn die schrecklichste aller Gefahren lauert unerkannt mitten unter ihnen. Und der Schlüssel zu Triumph oder Auslöschung liegt in Minns Innersten verborgen“

Zitat:
„Die Wolken regneten Blut. Ströme von Blut, vermischt mit weißen Federn.“
Meine Meinung:
Seitdem die Engel begonnen haben, der Menschheit zu helfen ist für diese eine Zeit des technischen Aufschwungs angebrochen. Alles scheint gut zu sein, doch da wird der Grenzwächter Toryan Zeuge, wie ein mächtiger Blutfürst einen Engel ermordet. Er und seine Freundin Minn geraten in die Auseinandersetzung zwischen Licht und Dunkel und schnell wird klar, dass hinter dieser mehr steckt, als es zunächst den Anschein hat.
Von Anfang an fällt bei diesem Buch der außergewöhnliche Schreibstil auf. Dieser ist voller Metaphern und Vergleichen, wirkt dabei aber nie überladen. Mir hat dies schnell sehr gut gefallen, auch wenn ich ein paar Seiten gebraucht habe, um mich daran zu gewöhnen. Wenn man sich darauf einlässt, ist es wirklich ein Erlebnis, dieser Geschichte zu folgen.
Ebenfalls sehr gut gefallen hat mir das Worldbuilding. Der Autor hat eine interessante und glaubhafte Welt erschaffen, in der verschiedene Faktionen mit unterschiedlichen Zielen aufeinander prallen. Besonders gut haben mir die subtilen Steampunk-Elemente gefallen, welche eingebaut sind. Diese sorgen dafür, dass das technische Level der Fantasywelt weiter ist, als man es sonst erwarten würde. An einigen Stellen hätte ich mir zwar eine etwas bessere Beschreibung der Umgebung gewünscht, aber die interessanten Bereiche konnte ich mir definitiv gut vorstellen.

Leider hatte ich dennoch einige Kritikpunkte und der mit Abstand größte sind leider die Charaktere. Besonders die beiden Protagonisten Toryan und Minn haben sich einfach oft sehr jung und kindisch verhalten, wodurch ich einfach keinerlei Bezugspunkte zu ihnen finden konnte. Beide sind sehr dickköpfig und kommentieren wirklich alles. Dafür konnte ich mich einfach nicht erwärmen, wobei dies zum Teil natürlich auch persönliche Präferenzen sind. Wer freche Protagonisten mag, wird die beiden sicher lieben!
Abgesehen von den beiden Protagonisten gibt es eine sehr große Anzahl an Charakteren. Anfangs hatte ich die Sorge, dass ich mir diese gar nicht merken können würde, aber dies war meiner Meinung nach gut gelöst und tatsächlich gab es nur eine einzige Situation, in der ich auf das Glossar am Ende des Buches zurückgreifen musste.
Leider bleiben die meisten Nebencharaktere eher blass und auch hier fiel es mir schwer, eine Bindung aufzubauen. Theoretisch gibt es hier zwar vieles was ich mag, aber meist ist einfach nicht genug Zeit, um sich wirklich darauf einzulassen. So gibt es etwa mehrere moralisch graue Charaktere und mehrfach konnte man Situationen erahnen, in denen die persönlichen Ziele und Vorstellungen eines Charakters mit der „richtigen“ Handlung nicht übereinstimmen. Leider werden diese Konflikte immer viel zu schnell gelöst, wodurch viele Nebencharaktere einfach nicht glaubhaft rüberkommen.
Die Geschichte selbst litt unter einem ähnlichen Problem. Theoretisch gefiel mir diese sehr gut und ich war an mehreren Stellen von den Wendungen begeistert. Es gab aber einfach viel zu wenig Platz für die vielen guten Ideen, die der Autor in diesen Text gesteckt hat. Ich denke man hätte eine ganze Trilogie daraus machen können. Auf weniger als 400 Seiten konnte sich leider vieles nicht so entwickeln, dass es glaubhaft gewesen wäre. Mir persönlich ging das meiste dafür einfach viel zu schnell.
Fazit:
Insgesamt hat dieses Debüt einige starke Aspekte, die es von anderen Büchern abhebt. So ist etwa der Schreibstil besonders gut und auch das Worldbuilding hat mir sehr gefallen. Leider konnte ich mit den Charakteren nicht wirklich warm werden und die Geschichte hätte definitiv deutlich mehr Platz benötigt.

