Rezension zu „Schwarze Magnolie“ von Hyeonseo Lee
Meine Bewertung:

Details:
Titel: Schwarze Magnolie
Originaltitel: The Girl With Seven Names
Autorin: Hyeonseo Lee & David John
Übersetzung: Elisabeth Schmalen, Merle Taeger & Katharina Uhlig
Verlag: Heyne
Seiten: 416
Kauflink: Amazon
Preis: 15,00 € (D) Taschenbuch; 9,99 € (D) E-Book
Klappentext:
Hyeonseo Lee wurde in Nordkorea geboren, jenem Land, aus dem so gut wie keine Nachrichten nach außen dringen. Als sie sieben Jahre alt ist, erlebt sie erstmals eine öffentliche Hinrichtung. Oft sieht sie im Grenzfluss zu China Leichen treiben, Menschen, deren Flucht in ein besseres Leben misslang. Als Teenager schleicht sich Hyeonseo heimlich über die Grenze nach China, um wenigstens einmal den Fesseln des Kim-Regimes zu entkommen – doch dann ist ihr der Heimweg versperrt. Eine gefährliche Flucht beginnt…

Meine Meinung:
Hyeonseo Lee wurde unter einem anderen Namen in Nordkorea geboren, in einer reichen, systemtreuen Familie. Da sie an einem Grenzfluss lebte, erlebte sie früh, wie Waren und Menschen über die Grenze kamen aber auch welche Konsequenzen dies haben konnte. In einem Anflug von jugendlichem Leichtsinn überquerte sie eines Nachts selbst die Grenze, nur um den Weg zurück versperrt zu finden. Eine gefährliche Reise durch China auf dem Weg in die Freiheit begann.
Ich habe in der Vergangenheit schon einige Videos von geflohenen Nordkoreanerinnen gesehen, in welchen diese von ihrem Leben und ihrer Flucht erzählten. Was mich in diesem Buch dennoch überrascht hat, war, was für ein anderes Leben die Autorin gelebt hat. Die meisten Geflohenen erzählen von Entbehrungen – die Autorin dagegen kam aus einer Familie der Oberschicht. Selbst als die Menschen um sie herum an Hunger starben, bekam sie kaum etwas davon mit, da es bei ihnen immer noch reichlich Essen und sogar Fleisch gab. Dies hieß natürlich nicht, dass das Leben einfach war, aber es war doch nochmal ein ganz anderer Einblick.
Es überraschte mich dann auch nicht, dass die Autorin nicht aus Überzeugung oder Angst floh, sondern eben in jugendlichem Leichtsinn und durch eine glückliche (oder aus ihrer damaligen Sicht unglückliche) Fügung der Weg zurück versperrt war. Darauf begann für sie ein langer Weg durch China, bei dem sie teils bei Familie unterkam, teils aber selbst vor dieser fliehen musste. Sie schlug sich durch ausbeuterische Jobs durch, entkam Menschenhändlern und schaffte es am Ende doch. Es war ein eindrückliches Zeugnis von Willenskraft und Durchhaltevermögen – und auch einer Menge Glück. Bei so einigen Situationen war ich wirklich erstaunt, dass sie es aus diesen herausgeschafft hatte.
Für mich war dadurch insbesondere der Weg durch China sehr spannend zu lesen, da ich hier noch einmal ganz neue Einblicke in die Situation der Menschen erhalten habe. Die Fotos im Mittelteil untermalten die gesamte Erzählung dann noch sehr gut.
Mein einer Kritikpunkt blieb allerdings, dass ich die Autorin selbst und ihre Entwicklung oft wenig greifbar fand, wodurch einige ihrer Entscheidungen für mich sehr unverständlich rüberkamen. Ich kann natürlich verstehen, dass einiges in dieser Hinsicht vielleicht auch zu persönlich gewesen wäre und die Autorin lieber nicht alles erzählen wollte. Dennoch hätte es an einigen Stellen geholfen, mehr von ihren Gedanken zu Themen zu erfahren, um ihre Reise voll greifen zu können.

Fazit:
„Schwarze Magnolie“ ist eine eindrucksvolle Biographie, in welcher eine ehemalige Nordkoreanerin ihr Leben dort und ihre Flucht eindrücklich beschreibt. Dieses Buch kann die Augen öffnen, wie so eine Flucht durch China aussehen kann und wieso es so schwierig für Geflohene auch nach der Grenzüberschreitung ist.

