Rezension zu „Pick me Girls“ von Sophie Passmann
Meine Bewertung:

Details:
Titel: Pick me Girls
Autorin: Sophie Passmann
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
Seiten: 224
Kauflink: Amazon
Preis: 22,00 € (D) Gebunden; 18,99 € (D) E-Book
Klappentext:
Sophie Passmann hat mit »Pick me girls« nicht nur ihr persönlichstes Buch geschrieben, sondern auch eine kluge Auseinandersetzung mit dem männlichen Blick. Ihr Memoir zeichnet ein stellvertretendes Frauenleben nach und wirft die Frage auf: Welche Version von ihr selbst hätte Sophie Passmann sein können, wenn das Patriarchat nicht existieren würde?
»Ich bin nicht so wie andere Frauen«, ist der typische Satz eines pick me girls. Wahrscheinlich haben die meisten Frauen diesen Satz mal gedacht, nicht nur in der unbewusst-misogynen Abgrenzung zu einem ganzen Geschlecht, sondern als Herabwürdigung des eigenen Selbst – man ist nicht so dünn und hat keine so gute Haut wie alle anderen Frauen. Wenn man als Frau geboren wird, kommen die Selbstzweifel ab Werk. Spätestens in der Pubertät wird man mit der goldenen Regel konfrontiert, die zwar nirgendwo geschrieben steht, aber als allgemeingültig gilt: Der männliche Blick, das Begehrtwerden ist die höchste Währung.
Warum wir alle pick me girls sind und welche Unmöglichkeiten Sophie Passmann und höchstwahrscheinlich auch jede andere Frau im Laufe ihres Lebens ertragen muss, das seziert Sophie Passmann so scharf und klug wie keine andere.
Meine Meinung:
„Pick me Girls“ wurde mir freundlicherweise vom KiWi Verlag als Rezensionsexemplar über NetGalley zur Verfügung gestellt. Auf meine Meinung hat dies keine Auswirkungen.
„Pick me Girls“, das sind Frauen, die sich bewusst von anderen Frauen abgrenzen wollen, um von Männern positiver wahrgenommen zu werden. Nicht wie andere Frauen zu sein, soll dazu führen, dass sie eher von Männern als „Eine von den Guten“ und damit als potenzielle Partnerin wahrgenommen werden sollen. In diesem Buch geht Sophie Passmann dem Phänomen mithilfe ihrer eigenen Biografie auf die Spur.
Ich muss gestehen, dass ich mit falschen Erwartungen an das Buch herangegangen bin. Das liegt auch daran, dass ich den Klappentext eher überflogen habe und dabei das Wort „Memoir“ anscheinend ausgeblendet habe – ganz eindeutig meine eigene Schuld. Allerdings schreibt die Autorin auch im Vorwort, dass dies eben keine Biografie sein soll. Tatsächlich ist dieses Buch aber eigentlich nur das: Eine Biografie und dann leider nicht einmal eine, die überzeugen kann.
Gewünscht hatte ich mir eine klare Auseinandersetzung mit dem Phänomen der „Pick me Girls“. Eine differenzierte Betrachtung davon, woher das Phänomen kommt, weshalb es gerade in den letzten Jahren so eingeschlagen ist, was die Probleme davon sind und ja, auch wieso es oft doch nur genutzt wird, um wieder einmal Frauen hassen zu dürfen. Die Autorin bringt einige dieser Themen auf, allerdings fast nur zu Beginn des Buches. Sie schreibt hier einige eher allgemein gehaltene Aussagen dazu und geht dann in ihre Biografie über.
Diese ist durch die Kapitel in verschiedene Themen gegliedert von denen einige sehr klar etwas mit „Pick me Girls“ zu tun haben, bei einigen gibt es zumindest Berührungspunkte und einige fand ich im Rahmen des Themas des Buches doch etwas fraglich.
Die Kapitel selbst folgen dann auch eher ungeordnet dem Bewusstseinsstrom der Autorin, wodurch es teils starke Sprünge gibt, die es schwer machen zu folgen. Die Autorin äußert dabei sehr oft stark verallgemeinernde Aussagen aufgrund ihrer eigenen Identität. Da wurde dann mal behauptet, dass alle politisch linken Frauen gewisse Dinge tun würden, oder dass jede Frau etwas erlebt habe. Beinahe alle diese Dinge konnte ich für mich verneinen – und damit möchte ich mich hier nicht von anderen Frauen abgrenzen. Solche Aussagen können nur einfach nie für solch große Personengruppen getroffen werden.
Trotz dieser Kritik fand ich vieles, was die Autorin geschrieben hat, generell sehr wichtig. Sie hat hier aus ihrer eigenen Biografie Dinge erzählt, die sie verletzlich machen und die wohl auch tatsächlich zumindest einen Teil der von ihr angesprochenen Personengruppen nachempfinden können werden. Ich fand gerade ihre Offenheit, wenn es um Dinge wie Schönheitsoperationen und das eigene Selbstbild ging, sehr mutig, auch wenn ich kaum einer der von ihr getroffenen Aussagen dazu zustimmen kann.
Als ziemlich kritisch habe ich zuletzt jedoch noch einige misogyne Aussagen von ihr empfunden. Wenn dann gewisse Frauengruppen – in diesem Fall etwa Mädchen, die gerne reiten oder Frauen, die in ihren Augen keine Hobbies haben – in Nebensätzen niedergemacht werden und sie darüber spricht, dass sie Rezensionen von Frauen generell weniger Wert beimisst, dann frage ich mich, wie sehr die Autorin ihr eigenes Buch wirklich reflektiert hat.
Fazit:
„Pick me Girls“ ist eine Biografie, die etwas ungeordnet wirkt und davon profitiert hätte, sich stärker an dem von ihr gewählten Thema zu orientieren. Auch wenn die Autorin sich selbst sehr verletzlich macht, was ich als sehr mutig empfunden habe, hätte ich mir weniger allgemeine Aussagen und eine differenziertere und reflektiertere Auseinandersetzung gewünscht.


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