Rezension zu „Maske des Mondes“ von Stephan R. Bellem
Meine Bewertung:

Details:
Titel: Maske des Mondes
Reihe: Ruf der Rusalka Serie Band 2
Autor: Stephan R. Bellem
Verlag: Drachenmond Verlag
Seiten: 294
Kauflink: Amazon; Drachenmond Verlag
Preis: 14,90 € (D) Taschenbuch; 6,99 € (D) E-Book
Klappentext:
„Claire hatte sich das ganz anders vorgestellt. Das schüchterne Hausmädchen wird zum Mittelpunkt einer blutigen Mordermittlung. Gemeinsam mit dem jungen Inspector Powler begibt sie sich auf die Spur des Mörders, in dem Versuch, weitere Gräueltaten zu verhindern.
Als sie bemerkt, dass ein Fremder sie auf Schritt und Tritt verfolgt, ist es für eine Umkehr zu spät.
Lewis van Allingtons Suche nach den Köpfen von Londons Unterwelt führt ihn indessen bis nach Berlin. Doch hinter nächtlichen Festen und Séancen verbirgt die Stadt so manches Geheimnis, das man leicht mit dem Leben bezahlt.
Und als klar wird, dass die Ereignisse in Berlin eine blutige Spur durch London ziehen, beginnt für Lewis und Claire ein Wettlauf gegen die Zeit…“

Zitat:
„Dietrich hatte ihn auf den Geschmack von Kaffee gebracht – jenem teuflischen Getränk, das die Gemütlichkeit aus dem Leben der Städter trieb, wenn man den Zeitungen glauben schenkte. Immer wieder echauffierte sich ein Journalist darüber, dass der Kaffee dem Müßiggang und Genuss des Teetrinkens den Kampf angesagt hätte und in seiner Form für eine ungesunde Beschleunigung des täglichen Lebens sorgte.“
Meine Meinung:
Nach den Ereignissen in „Ruf der Rusalka“ hat der ehemalige Privatdetektiv Lewis Claire als Hausmädchen angestellt. Während er seinem Freund Paul einen Gefallen tut und nach Berlin abreist, bleibt sie mit dem Hund Chester alleine zurück. Es dauert nicht lange, da wird sie plötzlich in die Ermittlungen zu einer weiteren Mordserie gezogen, während gleichzeitig einige unglaubliche Dinge geschehen. Doch auch Lewis‘ Reise bleibt nicht so ruhig, wie gedacht.
Ich möchte direkt mein größtes Problem mit dieser Geschichte aus dem Weg schaffen: Es ist die Fortsetzung zu „Ruf der Rusalka“, aber abgesehen davon, dass die Charaktere, die Zeit und teilweise auch der Ort die gleichen sind, ist das gesamte Gefühl anders. Während ich mich im ersten Buch eher an Sherlock Holmes, mit einem leichten Schuss Fantasy und einem unglaublich genialen Plottwist erinnert gefühlt habe, so war in diesem zweiten Teil der Fantasyanteil deutlich höher und an das Ende seines Vorgängers kommt leider einfach nichts heran. Das macht dieses Buch definitiv nicht zu etwas schlechtem, aber wer eine zweite Rusalka erwartet, könnte hier ein wenig enttäuscht werden.

Betrachtet man das Buch allerdings eigenständig, so ist es dennoch eine tolle Geschichte! Oder eher gesagt zwei, denn auch wenn die Stränge am Ende wieder zusammenlaufen, so werden doch über weite Strecken zwei unterschiedliche Geschichten erzählt. Während Lewis und Dietrich nach Berlin fahren, ist Claire in London. Im ersteren Fall erlebt man ein wenig Zeitgeschichte mit. Besonders die tollen Beschreibungen von Bahnhöfen und neuartigen Erfindungen lassen das Herz höher schlagen. Die wirklich spannende Geschichte jedoch erlebt Claire, gemeinsam mit Chestern und Inspektor Powler. Trotz oder gerade wegen dieser unterschiedlichen Gewichtung war keiner der beiden Stränge jemals langweilig.
Die Charaktere waren äußerst überzeugend. Besonders gefreut hat mich, dass man diesmal ein wenig mehr über Dietrichs Vergangenheit erfahren hat. Der Butler war immer ein wenig geheimnisvoll (und ist es auch weiterhin) und ich fand es gut, hier mehr hinter die Kulissen blicken zu können. In einem einzigen Fall hätte ich mir dennoch gewünscht, mehr über die Person und besonders über ihre eigenen Wünsche und Motive erfahren zu können (mehr kann ich dazu leider aus Spoilergründen nicht sagen). Abgesehen davon war ich jedoch sehr glücklich mit den Charakteren.
Ein kleiner Kritikpunkt war für mich, dass einige Thematiken aufgeworfen, aber nicht weiter behandelt wurden. Claires Bedürfnis etwa, als mehr als ein Dienstmädchen wahrgenommen zu werden wird plötzlich scheinbar nicht mehr erwähnt, ohne dass ich das Gefühl hatte, dass die Thematik wirklich abgeschlossen war. Besonders das eher gehetzt wirkende Ende hat dieses Gefühl nochmal verstärkt. Hier gab es auch durchaus emotionale Augenblicke, die für mich viel zu schnell abgehandelt wurden, ohne ihnen wirkliche Bedeutung beizumessen. Grundsätzlich ist bereits ein dritter Teil der Reihe angekündigt und ich hoffe einfach, dass diese losen Fäden dort wieder aufgegriffen werden.
Positiv hervorheben möchte ich definitiv nochmal die gute Recherchearbeit, die in diesen Roman geflossen ist. Natürlich wurden zwar einzelne Dinge verfremdet, spezifisch für die Fantasyaspekte, aber man merkt doch sehr deutlich, dass hierauf viel Arbeit verwendet wurde.

Fazit:
Insgesamt ist „Maske des Mondes“ ein empfehlenswertes Buch mit tollen Charakteren und einer interessanten Geschichte. Man sollte es jedoch nicht zu sehr mit seinem Vorgänger vergleichen.

