Cover "Kim Jiyoung, geboren 1982": Das Cover ist rot, im Hintergrund eine gelbe Stadt. Die rote Farbe geht über in ein rotes Hemd, welches von einer koreanischen Frau getragen wird. Ihr Kopf hat kein Gesicht, stattdessen steht dort der Titel
Feministisch Lesetipp Politisch Zeitgenössisch

Kim Jiyoung, geboren 1982

Rezension „Kim Jiyoung, geboren 1982“ von Cho Nam-Joo

Meine Bewertung:
5 Sterne von 5

Details:
Titel: Kim Jiyoung, geboren 1982
Originaltitel: 82년생 김지영
Autorin: Cho Nam-Joo
Übersetzung: Ki-Hyang Lee
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
Seiten: 208
Kauflink: Amazon
Preis: 18,00 € (D) Gebunden; 12,00 € (D) Taschenbuch; 9,99 € (D) E-Book

Klappentext:

In einer kleinen Wohnung am Rande der Metropole Seoul lebt Kim Jiyoung. Die Mittdreißigerin hat erst kürzlich ihren Job aufgegeben, um sich um ihr Baby zu kümmern – wie es von koreanischen Frauen erwartet wird. Doch schon bald zeigt sie seltsame Symptome: Jiyoungs Persönlichkeit scheint sich aufzuspalten, denn die schlüpft in die Rollen ihr bekannter Frauen. Als die Psychose sich verschlimmert, schickt sie ihr unglücklicher Ehemann zu einem Psychiater. Nüchtern erzählt eben dieser Psychiater Jiyoungs Leben nach, ein Leben bestimmt von Frustration und Unterwerfung. Ihr Verhalten wird stets von den männlichen Figuren um sie herum überwacht – von Grundschullehrern, die strenge Uniformen für Mädchen durchsetzen; von Arbeitskollegen, die eine versteckte Kamera in der Damentoilette installieren und die Fotos ins Internet stellen. In den Augen ihres Vaters ist es Jiyoung’s Schuld, dass Männer sie spät in der Nacht belästigen; in den Augen ihres Mannes ist es Jiyoung’s Pflicht, ihre Karriere aufzugeben, um sich um ihn und ihr Kind zu kümmern.

Klappentext "Kim Jiyoung, geboren 1982"
Meine Meinung:

Kim Jiyoung ist eine typische Koreanerin. Sie ist Mitte Dreißig und hat gerade ihre Karriere aufgegeben um sich um ihr Kind zu kümmern. Da scheint sich plötzlich ihre Persönlichkeit aufzuspalten und sie schlüpft in die Rolle ihr bekannter Frauen. Ihr Ehemann schickt sie zu einem Psychiater. Dieser erzählt nüchtern ihr Leben nach, welches vom typischen Sexismus einer patriarchalen Gesellschaft geprägt war.

„Kim Jiyoung, geboren 1982“ ist sehr trocken und nüchtern geschrieben. Aus diesem Grund fand ich die Kürze des Buches sehr gut. Der Text ist geschrieben, wie ein Fallbericht – an einigen Stellen sind Paper sogar zitiert, um Behauptungen über die Gesellschaft zu belegen – und ich glaube, ein deutlich längeres Buch wäre so irgendwann langweilig geworden. Durch die Kürze hat dies hier aber für mich erstaunlich gut funktioniert. Die Geschichte bekommt so eine stärkere Aura der Glaubwürdigkeit. Was hier erzählt wird ist nicht einfach nur eine erfundene Geschichte, sondern passiert so vielen Frauen auf der ganzen Welt.

Denn obwohl das Buch in Korea spielt und sehr auf die koreanische Kultur zentriert ist, sind die beschriebenen Auswirkungen des Patriarchats, von Sexismus und Misogynie, leider fast überall auf der Welt vorhanden. In Korea ist es zwar vielleicht noch stärker sichtbar, aber gerade wenn es um Fragen der Kindererziehung geht und um die Führung des Haushalts, so stehen Frauen auch hier in Deutschland vor sehr ähnlichen Problemen. Es hat mir sehr gut gefallen, wie klar das Buch über diese Themen gesprochen hat und wie zentriert es darauf war.

Als besonders interessant habe ich auch das Ende des Buches empfunden. Hier wurden mehrere meiner Erwartungen auf eine Weise über den Haufen geworfen, die mich sehr beeindruckt hat. Dieses Ende zeigte ganz genau, wieso Änderungen am System so schwer sind.

Fazit:

„Kim Jiyoung, geboren 1982“ ist eine feministische Geschichte, die ich unbedingt weiterempfehlen kann. Sie zeigt Ungleichheiten in der Behandlung von Männern und Frauen auf und auch wenn das Buch in Korea spielt, ist dieser Aspekt leider problemlos auf unsere Kultur übertragbar.

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1 Kommentar

  1. […] habe von der Autorin im letzten Jahr „Kim Jiyoung, geboren 1982“ gelesen und fand es unglaublich gut. Aus diesem Grund habe ich mich nun auf dieses neue Buch von […]

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