Im Rahmen der Online-Buchmesse habe ich Stephanie Richels Roman “Alpakaherz – Gnadenhof und andere Gaunereien” lesen dürfen. Außerdem haben wir auf Instagram ein längeres Interview geführt, an dessen Ende ich einen Teil aus ihrem Buch vorlesen durfte. Das Video dazu findet ihr auf meinem Kanal.
Meine Rezension zum Buch findet ihr hier bereits auf dem Blog. Hier noch einmal der Klappentext:
Mira Hermanns Tage sind fest verplant. Da ist die Arbeit im Café und nebenbei hilft sie regelmäßig im Blumenladen ihres Beinahe-Verlobten aus. Ein Besuch auf dem Bauernhof Drei-Linden, lockt als willkommene Unterbrechung im Alltagstrott. Der idyllische Hof sollte eigentlich ein Gnadenhof für Tiere werden, aber bei ihrer Ankunft findet Mira einen verängstigten Kettenhund, ein apathisches Pony und eine Handvoll halbverhungerte Schafe vor. Statt dem geplanten Urlaub beschließt sie, etwas gegen die Zustände zu unternehmen, und erfährt, dass nur das Testament des früheren Besitzers verhindern kann, dass die Tiere auf den Schlachthof kommen. Doch das ist verschollen! Unterstützt von Jack, einem mysteriösen Fremden mit guten Kontakten zur Unterwelt, macht sich Mira auf, Drei-Linden zu retten.
Und zum Glück gibt es noch Alpakadame Duchess, die anscheinend beschlossen hat, Miras Leben einmal ordentlich durcheinander zu wirbeln …
In unserem Interview habe ich mit Stephanie über Tierschutz gesprochen, der ja in ihrem Buch eine große Rolle spielt. Außerdem hat sie von ihrem Schreibprozess erzählt und was ihr Buch so besonders macht.
Vielen Dank, liebe Stephanie, dass du dir Zeit für mich genommen hast!
Ich würde erstmal gern etwas über deinen Schreibprozess erfahren. Plottest du die gesamte Geschichte bevor du anfängst? Und wie läuft dann das Schreiben selbst bei dir ab?
Der Schreibprozess hat sich inzwischen, und im Laufe der fünf Bücher die ich bislang geschrieben habe, verändert. Während ich meine ersten beiden Romane: Das Luna-Projekt und Der Vagabund zuerst runtergeschrieben und erst dabei bzw. während der Überarbeitungsintervalle geplottet habe, war es bei dem Alpakaherz komplett anders.
Ich hatte die Idee, kannte Hauptkonflikt und Ende, habe mich aber dann hingesetzt, um alles was mir an Szenen im Kopf herumschwirrte, mit dem Plotmodell Save The Cat und der Heldenreise in Form zu bringen.
Sehr hilfreich war auch ein Ein-Tag-Workshop bei Mischa Bach (Link zur Webseite), um einem Plotproblem auf die Spur zu kommen, das mich schon die ganze Zeit geärgert hatte.
Nachdem sich mir die Lösung zeigte, konnte ich das Alpakaherz schreiben 🙂
Auf die Erstfassung folgten drei Überarbeitungen bevor das Manuskript ins Lektorat ging. Anschließend überarbeitete ich erneut, um die Änderungsvorschläge von Maike Frie, meiner Lektorin, umzusetzen. Aber natürlich war das Buch da noch nicht veröffentlichungsreif – es fehlte ja noch das Korrektorat, an das sich anschließend auch noch mal zwei Überarbeitungen anschlossen und zu guter Letzt gab es noch einen reinen Kontroll-Lesedurchgang.
Gibt es Bücher, die dich inspirieren oder Autor*innen, die Vorbilder für dich sind?
Geschichten haben mich immer schon bewegt, inspiriert – daher kann ich nicht sagen, dieses oder jenes Buch inspiriert mich mehr als ein anderes. Ich brauche Bücher zum Leben! Ohne Lesen, Hören oder auch bewegte Bilder gucken 😉 würde mir etwas fehlen.
Was sind die Vorteile am Selfpublishing?
Der größte Vorteil für mich ist, ohne Frage, die Möglichkeit die Geschichte zu schreiben die ich im Kopf habe und nicht stattdessen eine Variante von anderen (erfolgreichen) Plots fabrizieren zu müssen. Die Erfahrungen habe ich leider mit A Lady’s Maid – Die Zofe gemacht, für die ich einen Agenturverlag erhielt. Nach Einsendung des Manuskript und langem Warten erhielt ich die Rückmeldungen aus den Verlagen. Man fand Geschichte + Schreibstil gut, aber – die Verlage wollten folgendes:
Protagonist Christopher Collins, attraktiv aber gehemmt, sollte zu einem “Christian Grey” mutieren. Aus der selbstsicheren, gleichzeitig so verletzlichen, Olivia sollte die Naive und aus Evelyn, selbstbewusst, humorvoll und kameradschaftlich, die Intrigantin werden.
Obwohl ich die ersten Änderungen brav annahm und das Exposé umschrieb, wurde mir immer bewusster, dass aus Christopher niemals ein “Christian Grey” werden würde. Christian war eben Christian und Christopher eben Christopher!
Wie bist du auf die Idee zu „Alpakaherz“ gekommen?
Im Dezember 2019 erzählte mir eine Autorenkollegin von einer Challenge, bei der ein Imprint-Verlag Romane mit Alpakas suchte. Die Idee gefiel mir, allerdings stand für mich fest, dass ich das Projekt unabhängig im Selfpublishing herausbringen würde. Diese Alpaka-Idee passte zudem perfekt zu einer älteren Idee von mir: Dort kämpft die Protagonistin mit den Behörden um einen vernachlässigten Bauernhof, aus dem sie einen Gnadenhof machen möchte. Unterstützung erhält sie dabei von einem männlichen Charakter, der gute Kontakte ins Gaunermilieu besitzt. Und wie das so läuft mit der Inspiration 🙂 Es hat “Klick gemacht” und die Buchidee stand.
Gib uns mal drei Gründe, weshalb man dieses Buch unbedingt lesen sollte!
Ich meine ja immer, ein Grund reicht völlig, vorausgesetzt es ist ein guter Grund … 🙂
Und da gibt es einen bzw. eine … Nämlich Duchess!
Duchess sollte man unbedingt kennengelernt haben. Diese Alpakadame hat sich als der heimliche Star im Buch entpuppt. Vermutlich weil sie ihre ganz eigenen Vorstellungen davon hat, wie ihr und Piets Leben, aber auch das Leben von Mira und Jack aussehen soll.
Und falls dieser Grund für Euch Skeptiker:innen 😉 noch nicht reicht, zitiere ich hier einmal das Fazit der Rezi von Tiana‘s Bücherfeder:
„Anders als erwartet, aber in diesem Moment war es genau das, was ich gebraucht habe. Die Frage, wann es richtig ist, etwas Neues zu wagen, ist für niemanden leicht zu stellen. Doch manchmal reicht schon die Geschichte einer fiktiven Person, um sich selbst diese Fragen zu stellen. Angenehmer Schreibstil, authentische Charaktere und eine Handlung die mehr beinhaltet als eine Liebesgeschichte. Von mir bekommt ALPAKAHERZ volle 5 von 5 Federn! Mich konnte es überzeugen, auch wenn es anders kam als ursprünglich gedacht!“ (Link zur Webseite von Tianas Bücherfeder)
Zwischen welche beiden Bücher würdest du „Alpakaherz“ in einer Buchhandlung stellen?
Mit dieser Frage tue ich mich immer schwer … Aber natürlich würde ich das Buch schon wegen Duchess irgendwo bei anderen “Tierromanen” zB bei denen von Petra Schier einsortieren.
Abgesehen davon ist das Alpakaherz ein Wohlfühlbuch, doch neben Harmonie, Glücksmomenten und einer zarten Liebesgeschichte, gilt es auch Abenteuer zu bestehen und lebensverändernde Entscheidungen zu treffen!
Im Buch spielt der Tierschutz ja eine große Rolle. Achtest du da im privaten Leben auch so darauf, wie Mira?
Tierschutz, Umweltschutz, Mitmenschen – da greift alles zusammen: Ich achte auf meine Ernährung, aber auch beim Kauf von Nicht-Nahrungsmitteln – es ist mir wichtig zu wissen woher meine Produkte kommen. Wie kann es sein, dass die Kaffeepreise seit Jahrzehnten kaum steigen? Wieso ist möglich eine Hose oder ein Shirt für ein paar Euro anzubieten?
Wenn man einmal darüber nachdenkt, wird einem klar, dass irgendjemand auf der anderen Seite dafür bezahlt. Zum Beispiel Näher:innen (Kinderarbeit klammere ich direkt mal aus!) die miserabel bezahlt viele, viele Stunden lang ihren Körper kaputtmachen, damit wir uns ein schickes Teil zum Schnäppchenpreis (Standardpreis?) kaufen können.
Aber nicht nur die Menschen vor Ort, auch die Umwelt gehen in diesem System drauf – Stichwort Bekleidungsproduktion. Hier sind ein paar Infos von Quarks: (Link zu Quarks.de)
Das heißt aber nicht, dass bei mir alles perfekt läuft – im Gegenteil! Ich kaufe noch viel zu viele Produkte in Verpackungen, um nur mal ein Beispiel zu nennen.
Trotzdem bin ich der Meinung, dass es viel bringen kann, wenn jeder irgendetwas tut. Ich z.B. bevorzuge seit Jahren fair-gehandelten Kaffee, Schokolade etc., kaufe kein Zeugs in Billigläden und verzichte auf Palmölprodukte.
Lebensmittel gibt es bei mir überwiegend Bio (zertifizierte Bio-Siegel) und nach Möglichkeit saisonal und regional. Warum sollte ich Äpfel aus Argentinien kaufen, wenn es welche aus Deutschland gibt? Im Sommer gibt es bei mir dann statt Äpfeln die ganzen Beerensorten… Nicht dass wir uns mißverstehen – selbstverständlich kaufe ich Kokosöl und Bananen (häufig) und Kiwis, Mangos (nicht so häufig) und so weiter.
Wer sich nun überlegt, mit irgendetwas beginnen zu wollen, aber noch nicht weiß womit, dem würde ich zB eine App für saisonale Lebensmittel empfehlen. Da gibt es einige, ich persönlich nutze Grünzeit.
Ansonsten könnte man ein oder zwei Hauptmahlzeiten in der Woche vegan kochen, oder auch einen kompletten veganen Tag pro Woche einlegen. Youtube ist voll von Kanälen wo die leckersten Gerichte vorgekocht werden. Von schnell und schlicht zu aufwändig und festlich, von herzhaft zu süß ….
Wusstest Ihr zB, dass man beim Backen ein Hühnerei durch 70g Apfelmark ersetzen kann? 🙂
Noch mehr Impulse und gute Informationen zur Umweltthematik erhält man zB hier: (Link zu utopia.de)
Welchen Ratschlag würdest du neuangehenden Autor*innen geben?
Den Klassiker: Lesen, lesen, lesen! Und zwar Bücher aller Genre bzw. auch sogenannte literarische Bücher. Wenn einem der Roman oder der Stil dann nicht zusagt, kann man es immer noch abbrechen. Ich persönlich finde es wichtig, offen zu sein für andere Geschichten, auch mal Neues entdecken.
Mein anderer Tipp ist die Zusammenarbeit mit einem (guten) Lektorat. Das hat mich und meiner Entwicklung als Autorin enorm weitergebracht.

