Cover "Interview mit einem Vampir"
Booktalk Buchbesprechung Gothic Horror Klassiker

Interview mit einem Vampir

Eule und Klassiker: Über „Interview mit einem Vampir“ von Anne Rice

Details:
Titel:
 Interview mit einem Vampir
Originaltitel: Interview with the Vampire
Autorin: Anne Rice
Erscheinungsjahr: 1976

Kauflink: Amazon

Die Handlung:

Achtung: Dieser Abschnitt enthält Spoiler für das gesamte Buch.

Das Buch beginnt damit, dass der Vampir Louis de Pointe du Lac einem Reporter seine Lebensgeschichte erzählen möchte.

1791 ist er ein Plantagenbesitzer in Louisiana. Als sein Bruder stirbt, beginnt er, den Tod auf jede erdenkliche Weise zu provozieren, jedoch vergeblich, bis ihm eines Nachts der Vampir Lestat de Lioncourt begegnet. Lestat beißt ihn, lässt ihn aber am Leben. Später kommt er zurück und bietet Louis an, ihn zum Vampir zu machen. Dieser willigt ein und die beiden leben eine Zeit gemeinsam auf der Plantage. Während sich Lestat regelmäßig von den Sklaven ernährt und diese tötet, trinkt Louis nur von Tieren. Schließlich schöpfen die Sklaven verdacht und beginnen eine Revolte. Louis setzt daraufhin das Haus in Brand und er und Lestat töten die verbliebenen Sklaven, damit diese nichts weitererzählen können.

Die beiden fliehen nach New Orleans, wo Louis weiterhin mit seiner eigenen Natur und dem Hunger nach menschlichem Blut kämpft. Er überlegt, Lestat zu verlassen und eigene Wege zu gehen. Eines Nachts findet er ein fünfjähriges Mädchen neben der Leiche der Mutter und trinkt von ihr. Lestat findet ihn und um ihn vom Gehen abzuhalten, macht er sie ebenfalls zu einem Vampir. Die beiden nennen sie Claudia und sie nimmt schnell die Rolle einer Tochter ein. Auch wenn Louis zuerst erschüttert davon ist, dass Lestat ein Kind zum Vampir gemacht hat, beginnt er doch, sich um sie zu sorgen.

Claudia selbst hat keine moralischen Bedenken, Menschen zu töten und tut nachts oft so, als sei sie ein Kind, welches sich verlaufen hat, um junge Frauen dazu zu bringen, sich um sie zu kümmern und sie dann auszusaugen. Sie wird über die Jahre zwar mental erwachsen, merkt aber bald, dass sie körperlich immer ein junges Kind bleiben wird. Nachdem sie erfährt, wie ihre Verwandlung vonstattenging, gibt sie Lestat die Schuld. Sie und Louis vergiften ihn und schneiden ihm die Kehle durch, um ihn danach in einem Sumpf zu begraben. Die beiden wollen nach Europa fliehen doch der schwer verwundete Lestat erwartet sie bereits. Sie können ihm nur entkommen, indem sie das Haus in Brand setzen.

In Europa versuchen Louis und Claudia andere Vampire zu finden, doch sie stoßen nur auf geistlose Monster, welche Blut saugen und sonst nichts mit ihnen gemeinsam haben. Erst in Paris stoßen sie auf Armand, einen 400 Jahre alten Vampir und eine Gruppe von weiteren Vampiren. Diese leben im Théâtre des Vampires, wo sie sich unter der Tarnung eines Schauspiels offen von Menschen ernähren. Während Louis sich stark zu Armand hingezogen fühlt, ist Claudia nicht begeistert von den anderen Vampiren. Sie bittet Louis die Puppenmacherin Madeleine ebenfalls zu einem Vampir zu machen, um Gesellschaft zu haben, wenn er sie verlässt. Louis kommt ihrer Bitte nach und die drei leben für eine Weile zusammen.

Eines Nachts werden sie von Amands Gruppe entführt. Lestat ist ebenfalls in Paris eingetroffen und hat davon erzählt, dass sie versucht hatten, ihn umzubringen. Louis wird zur Strafe in einem Sarg lebendig begraben und soll verhungern, während Madeleine und Claudia in einem Schacht von der Sonne getötet werden sollen. Amand erscheint in der nächsten Nacht und befreit Louis. Er wusste nichts davon, was die anderen vorhatten. Für Madeleine und Claudia kommt jedoch jede Hilfe zu spät. Louis brennt daraufhin das Theater nieder und bringt dabei alle Vampire außer Amand um, mit dem er danach gemeinsam durch Europa reist. Da er jedoch Claudias Tod nicht verwunden kann, verschwindet die emotionale Verbindung der beiden immer mehr, bis sie sich wieder trennen.

Louis lebt danach im Verborgenen. Er kehrt irgendwann nach New Orleans zurück, wo er 1920 seine letzte Begegnung mit Lestat hat. Als er seine Geschichte beendet fragt der Reporter ihn, ob er ihn auch zum Vampir machen kann. Louis wird wütend, da er anscheinend nichts aus seiner Geschichte gelernt hat und verschwindet. Der Reporter fährt daraufhin zu dem Ort, an dem Louis Lestat das letzte Mal gesehen hatte, in der Hoffnung von diesem unsterblich gemacht zu werden.

Klappentext "Interview mit einem Vampir"
Entstehungsgeschichte:

Anne Rice wurde am 4.10.1941 unter dem Namen Howard Allen Frances O’Brien geboren. Ihr Vater war ein Kriegsveteran, die Mutter starb aufgrund von Alkoholismus als sie 15 Jahre alt war. Erzogen wurde sie katholisch.

Während ihres Studiums 1968 schrieb sie unter anderem eine Geschichte über einen Vampir, der interviewt wurde. Später begann sie ihr Masterstudium in kreativem Schreiben. Ihre Dozenten und Mentoren gaben ihr immer wieder den Hinweis, dass sie mit fantastischen Elementen nicht erfolgreich werden würde, da Geschichten mit diesen keine ernsthafte Literatur seien. Als Rice jedoch 1972 den Tod ihrer fünfjährigen Tochter betrauern musste, kehrte sie zu ihrer Kurzgeschichte zurück und überarbeitete sie zu einem Roman. Sie fügte diesem die Figur der Claudia hinzu und verarbeitete so ihren Verlust.

Neben der Trauer um ihr Kind verarbeitete Rice viele weitere für sich wichtige Themen, etwa ihr Verhältnis zur katholischen Kirche, welcher sie als junge Erwachsene den Rücken gekehrt hatte. Während Louis selbst gläubiger Christ ist und immer wieder damit hadert, verdammt zu sein, ist Lestat als Atheist sein Gegenstück.

Der Versuch, einen Verlag zu finden scheiterte zunächst, bis sie 1974 einen Vertrag und einen Vorschuss von $12,000 erhielt, was deutlich mehr war, als Debütautor*innen zu dieser Zeit erwarten konnten. Im Mai 1976 erschien „Interview mit einem Vampir“ schließlich.

Wirkung:

Als „Interview mit einem Vampir“ erschien, erhielt es sehr gemischte Kritiken. Dies lag zum einen daran, dass auf Fantasy im Allgemeinen hinabgeschaut wurde und das Buch daher zunächst nicht als ernstzunehmende Literatur wahrgenommen wurde, obwohl der Stil der studierten Autorin eher den von literarischer Fiktion widerspiegelte.

Trotz der gemischten Meinung von Kritiker*innen waren die Bücher bei Leser*innen sehr beliebt. 1985 brachte Rice den Folgeband „The Vampire Lestat“ heraus, in welchem Lestat die Hauptrolle übernimmt und Louis rückblickend als unzuverlässigen Erzähler entlarvt. Die „Chronik der Vampire“ hat bis heute 18 Bände, zudem gibt es Überschneidungen mit der Hexensaga der Autorin „The Mayfair Witches“, welche sechs Bände zählt.

„Interview mit einem Vampir“ veränderte die Nutzung von Vampiren als Figuren in den Medien fundamental. Auch wenn sie auf den Archetyp des „Gentleman-Vampirs“ zurückgriff, welcher in John William Polidoris „The Vampyre“ etabliert wurde, setzte Rice ihn nicht als Gegenspieler für einen Menschen ein, sondern als Protagonisten, mit dem Lesende sympathisieren sollten. Der Konflikt ist also nicht Mensch gegen Monster, sondern, wie Lindsay Ellis es in ihrem Videoessay über Anne Rice formuliert „Monster mit Gefühlen gegen Monster mit anderen Gefühlen“.

Vampire und andere übernatürliche Monster wurden so zu Metaphern für uns als Menschen, oder auch für diverse soziale Themen. In „Interview mit einem Vampir“ können die Vampire und ihr Verlangen danach, Verbindungen zu anderen ihrer Art zu finden, als Metapher für Queerness gelesen werden. Louis und Lestat etwa leben zusammen in einer eheähnlichen Gemeinschaft mit einem Kind, welches sie aufziehen. Auch wenn die Beziehung der beiden oder andere, ähnliche Beziehungen im Buch, nie ausdrücklich romantisch oder sexuell werden, so ist es schwer, die Anspielungen zu überlesen. Rice selbst sagte später, dass Vampire dadurch, dass sie außerhalb der Natur stünden, nicht mehr auf Geschlechter fokussiert seien und somit romantische Bände außerhalb dieser Restriktionen finden könnten.

Rice und ihr Werk waren fundamental daran beteiligt, dass in der heutigen Zeit Fantasy, Science-Fiktion und andere Genre nicht mehr so stark stigmatisiert werden und als ernsthafte Literatur angesehen werden können.

„Interview mit einem Vampir“ wurde 1994 verfilmt, mit Tom Cruise und Brad Pitt in den Hauptrollen. 2016 gingen die Filmrechte zurück an Anne Rice, welche daraufhin selbst daran beteiligt war, eine Serie zu entwickeln, welche seit Anfang Oktober 2022 läuft. Rice selbst konnte den Start der Serie nicht mehr erleben. Sie starb am 11.12.2021 an einem Schlaganfall. Ihr Vermächtnis lebt jedoch in den vielen Büchern, Filmen und anderen Medien weiter, die sie direkt oder indirekt inspiriert hat.

Für dich vielleicht ebenfalls interessant …

2 Kommentare

  1. […] ein Vampir davon, wie er zu dem wurde, das er ist. Angelehnt scheint das Ganze ein wenig an „Interview mit einem Vampir“ zu sein und das Buch wird sogar einmal als Witz referenziert. Mich hat das Buch durchgehend […]

  2. […] Rice steht nicht mehr so oft in Buchhandlungen, sonst würde ich es neben „Interview mit einem Vampir“ stellen. Aber ich fände es auch schön neben den klassischen Vampirromanen, wie etwa […]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert