Cover "Infinitum - Die Ewigkeit der Sterne"
Lesetipp Sci-Fi

Infinitum – Die Ewigkeit der Sterne

Rezension zu „Infinitum – Die Ewigkeit der Sterne“ von Christopher Paolini

Meine Bewertung:

4 Sterne von 5

Details:
Titel: Infinitum – Die Ewigkeit der Sterne
Originaltitel: To sleep in a sea of stars
Autor: Christopher Paolini
Verlag: Knaur
Seiten: 960
Kauflink: Amazon
Preis: 24,00 € (D) Hardcover; 19,99 € (D) E-Book

Worum geht es?

„Neue Welten zu untersuchen ist alles, wovon die junge Forscherin Kira Navarez jemals geträumt hat. Doch ein harmloser Auftrag auf einem fernen Planeten lässt Kiras Traum zum größten Albtraum der Menschheit werden:
Bei der abschließenden Untersuchung des Planeten, der in Kürze kolonialisiert werden soll, stürzt Kira in eine Felsspalte – und entdeckt etwas, das kein menschliches Auge zuvor erblickt hat. Es wird sie vollständig und für immer verwandeln.
Kira ist allein. Wir sind es nicht. Und wir müssen einen Weg finden, um zu überleben.“

Klappentext Infinitum - Die Ewigkeit der Sterne

Zitat:

„Ihr Fuß war von einem Haufen schwarzem Staub bedeckt. Staub, der brodelte und sich bewegte. Er ergoss sich aus dem Becken, den Sockel hinunter und auf ihren Fuß. Unter ihren Augen fing er an, ihr das Bein hinaufzukriechen, indem er den Konturen ihrer Muskeln folgte.“

Meine Meinung:

Die Geschichte:

Zuallererst muss ich betonen, was für ein Epos Christopher Paolini geschrieben hat. 960 Seiten – 918 davon Geschichte – sind keine Länge, die man oft bei Büchern findet. Eine Rezension dazu zu schreiben ist dadurch natürlich erschwert. Es passiert einfach sehr viel mehr als sonst, was man zukünftigen Lesern nicht spoilern möchte. Ich werde deshalb bei manchen Punkten etwas vage bleiben müssen.

Das Buch handelt von Kira, einer Xenobiologin, die zusammen mit einem Team neue Planeten für eine Kolonisation vorbereitet. An ihrem letzten Tag auf einem dieser Planeten findet sie eine merkwürdige Steinformation und fällt bei deren Erkundung in ein Loch. Dort unten wird sie von einer Art symbiotischer Lebensform gefunden, die sich mit ihr verbindet. Nach einer Reihe traumatischer Vorfälle beginnt eine intelligente, außerirdische Rasse plötzlich anzugreifen. Kira wird in den entstehenden Konflikt hineingezogen…

 Grundsätzlich mochte ich das Tempo des Buches. Besonders das erste Drittel glänzte hier. Später gab es zwar durchaus langatmige Szenen, diese trugen jedoch meist zur Entwicklung der Charaktere bei, weshalb ich sie größtenteils sogar mochte. Einzig die Kampfszenen des Buches gefielen mir nicht. Durch die einerseits langatmigen, andererseits nicht sehr genauen, eher bildhaften Beschreibungen fiel es mir hier oft schwer, dem Geschehen zu folgen.

Die Geschichte mutet zunächst an, wie viele andere Geschichten, in denen die Menschheit auf Aliens trifft. Jedoch hatte ich schon das Gefühl, dass der Autor etwas Besonderes daraus gemacht hat. Je weiter das Buch fortschreitet, umso weniger entspricht sie den vermuteten Klischees.

Ein großes Problem hatte ich persönlich mit der Informationsflut des Buches. Man musste sich von Anfang an sehr vieles merken – Viele Details, viele Sachverhalte und ganz besonders viele Namen. Gerade in diesem letzten Bereich fiel mir das schwer, da das Buch sehr viele Charaktere umfasst und es oftmals mehrere Bezeichnungen für eine Sache/Person gibt. So trägt etwa jede Alienrasse 2-3 Namen: einen, den sie sich selbst geben und einen oder mehrere, die sie von anderen Rassen erhalten. Auf der einen Seite sorgt das dafür, dass die Welt glaubhafter und greifbarer wird, auf der anderen macht es das Lesen nicht gerade einfacher. Besonders gestört hat mich dies bei Kiras Symbionten. Dieser hatte am Ende des Buches vier Namen erhalten und zumindest einer davon war völlig unnötig und wurde nur 3x im gesamten Buch verwendet.

Es gibt an mehreren Stellen Szenen, welche extrem bildhaft beschrieben werden. Der Autor kommuniziert hier Informationen über sehr abstrakte Szenen, die in keinerlei Kontext gesetzt werden. Diese Informationen werden danach jedoch vorausgesetzt und nicht weiter erklärt, was dazu geführt hat, dass ich diese Szenen oft mehrfach lesen musste, da ich sie zuvor anders verstanden habe, als sie gemeint waren. Hier hätte ich mir doch eine bessere Leserführung gewünscht.

Auch auf einem technischen Level ist das Buch anspruchsvoll zu lesen. Es werden zumindest Einblicke in die physikalischen und technischen Bereiche der Raumfahrt gegeben. Für mich als Laie waren diese nicht wirklich verständlich.
Ein guter Freund von mir hat auf Youtube ein Video gemacht, in welchem er auf viele dieser Dinge eingeht und dabei auch genauer erläutert, was davon theoretisch wirklich möglich wäre. Wer sich also beim Lesen etwas verloren gefühlt hat, oder einfach nur mehr erfahren möchte, sollte dort unbedingt mal vorbeischauen!

Insgesamt hat mir die Geschichte des Buches trotz einiger Kritikpunkte sehr gut gefallen. Abgesehen vom Ende, welches sich für mich sehr fehl am Platz und gehetzt anfühlte.

Illustration im Buch "Infinitum - Die Ewigkeit der Sterne"

Der Schreibstil:

Die deutsche Übersetzung des Buches fühlte sich zeitweise etwas holprig und unterschiedlich gut an. Es gibt einige Szenen, in denen ich gern das Original zum Vergleich gehabt hätte, einfach weil die Sprache so unbeholfen klang. Gerade das Siezen und Duzen im deutschen war oft eher unglücklich gelöst. So siezt Kira zwischendurch ein Kind, nutzt aber gleichzeitig den Vornamen, was doch eher seltsam wirkte.

Ich würde grundsätzlich empfehlen, das Original zu lesen, wenn man sich in der Lage sieht, ein anspruchsvolles Buch auf Englisch lesen zu können.

Die Charaktere:

Ein grundlegendes Problem von Science-Fiction Romanen ist oft, dass die Charaktere wenig entwickelt werden. Von diesem Buch kann man das definitiv nicht sagen, dennoch bin ich etwas gespalten, was diesen Punkt angeht.

Die Protagonistin Kira hat zwei Seiten an sich: sie ist stark, geht ihren Weg und stellt sich den feindlichen Aliens in den Weg. Andererseits ist sie aber auch oft ängstlich und hat Probleme sich ihren internen Problemen zu stellen. Diese beiden Seiten hat der Autor größtenteils gut zusammengebracht, so dass ich Kira als guten Charakter wahrgenommen habe. Es gab jedoch auch Szenen, in denen sie ihr Verhalten ganz plötzlich geändert hat, oder vollkommen anders als zuvor gehandelt hat. Ein Beispiel dafür sind ihre ersten Interaktionen mit dem Schiffsgehirn Gregorovich. Sie ist ohne Grund ziemlich unhöflich zu ihm und wirkt sehr genervt von der gesamten Unterhaltung. Kira verhält sich normalerweise zu niemandem so und es wurde auch nicht erläutert, was genau ihr Problem in diesem Fall war. Natürlich handelt es sich nur um Kleinigkeiten in so einem riesigen Buch. Dennoch muss ich gestehen, dass mich diese Situationen enorm gestört haben.

Wie bereits gesagt gibt es eine Menge Charaktere im Buch und es ist klar, dass nicht alle eine große Charakterentwicklung durchmachen können. Es gibt jedoch mehrere Stellen, an denen Kira die Hintergrundgeschichten von einzelnen erfährt – natürlich sind sie alle extrem tragisch. Hier hätte ich mir gewünscht, dass auf diesen mehr aufgebaut worden wäre. So wirkt es, als ob ich nur Mitgefühl für die Nebencharaktere entwickeln sollte und nicht, als ob diese irgendwie relevant für die Geschichte seien.

Trotz diesen Kritikpunkten mochte ich die Charaktere insgesamt sehr gerne und war auch genug in sie investiert, um ihre Reise verfolgen zu wollen.

Fazit:

„Infinitum – Die Ewigkeit der Sterne“ verdient die Bezeichnung Epos definitiv. Die Geschichte ist bildgewaltig und interessant zu verfolgen und die Protagonistin ist besser entwickelt als die meisten Sci-fi Charaktere. An einigen Stellen hätte ich mir dennoch mehr Leserführung und Charakterentwicklung gewünscht.

Bonuszitat (weil man Gregorovich einfach lieben muss):

„Daher sollten wir den Augenblick am Hals packen und ihn erdrosseln. Wir sollten diesen wasserlebenden Schurken die Bedeutung menschlicher Genialität zeigen. Es gibt nichts, was wir nicht in eine Waffe verwandeln oder explodieren lassen könnten, ahahaha!“ – Gregorovich

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1 Kommentar

  1. […] Hier gibt es die komplette Rezension. […]

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