Cover "In Blut geschrieben"
Dark Fantasy Fantasy Urban Fantasy

In Blut geschrieben

Rezension zu „In Blut geschrieben“ von Anne Bishop

Meine Bewertung:
3 Sterne von 5

Details:
Titel: In Blut geschrieben
Originaltitel: Written in red
Reihe: Die Anderen Band 1
Autorin: Anne Bishop
Übersetzung: Frauke Watson
Verlag: Drachenmond Verlag
Seiten: 516
Kauflink: Amazon; Drachenmond Verlag
Preis: 14,90 € (D) Taschenbuch; 4,99 € (D) E-Book

Klappentext:

„Entdecke eine Welt, die von den Anderen bevölkert wird – unheimliche Wesen, die diese Welt beherrschen und für die Menschen Beute sind.
Meg Corbyn ist eine Cassandra Sangue – eine Blutprophetin – und kann in die Zukunft sehen, wenn ihre Haut geritzt wird. Eine Gabe, die sich eher wie ein Fluch anfühlt. Meg wird von ihrem Aufseher wie eine Sklavin gehalten, damit er unbegrenzten Zugang zu ihren Visionen hat. Doch als sie entkommt, ist der einzig sichere Platz, an dem sie sich verstecken kann, der Lakeside Courtyard – ein Geschäftsviertel, das von den Anderen geführt wird. Gestaltwandler Simon Wolfgard zögert, die Fremde einzustellen, die sich als menschliche Kontaktperson bewirbt. Er spürt, dass sie ein Geheimnis verbirgt. Und warum riecht sie nicht nach menschlicher Beute? Doch sein Instinkt drängt ihn, Meg den Job zu geben. Als er die Wahrheit über sie erfährt und dass Meg von der Regierung gesucht wird, liegt es an ihm zu entscheiden, ob sie den unausweichlichen Kampf zwischen Menschen und den Anderen wert ist.“

Klappentext "In Blut geschrieben"
Zitat:

„Auf dem Schild neben der Tür stand: Wer A little Bite betritt, ohne vorher seine Bücher zu bezahlen, wird angebissen. Auf der anderen Seite der Tür stand: Nehmen Sie den Kaffeebecher ruhig mit. Wir behalten dafür Ihre Hand.

Meine Meinung:

Meg ist eine Blutprophetin und kann daher die Zukunft voraussagen, wenn ihr Blut vergossen wird. Aufgrund dieser Gabe wird sie wie eine Sklavin gehalten. Als sie es schafft zu entkommen, findet sie Unterschlupf bei den Anderen. Diese sind übernatürliche Wesen, wie etwa Gestaltwandler, Vampire und Elementarwesen, die den Menschen gegenüber nicht besonders freundlich gesinnt sind. Meg erhält bei ihnen einen Job und eine Bleibe, doch als die Anderen erfahren, dass sie gejagt wird, müssen sie sich entscheiden: Liefern sie sie aus oder gefährden sie den zerbrechlichen Frieden mit den Menschen.

Ich bin ja hin und hergerissen, ob mir das Worldbuilding in diesem Roman gefällt. Einerseits hat mir der Courtyard, in dem die anderen leben, sehr gut gefallen und auch die allgemeine Beziehung der Anderen zu den Menschen fand ich spannend. Die Autorin hat ein Szenario erdacht, in dem es zwei verschiedene intelligente Rassen gibt und die Menschen plötzlich nicht mehr an der Spitze der Nahrungskette stehen. Trotzdem haben die Menschen gewisse Ressourcen, die die Anderen schätzen, wodurch ein brüchiger Frieden zustande kam. Die verschiedenen Begegnungen waren überzeugend und haben gut gezeigt, dass hier andere Moralvorstellungen angelegt werden müssen, als wir das normalerweise tun würden.

Auf der anderen Seite denke ich, dass die Autorin ihre Fantasywelt etwas weniger erdähnlich hätte gestalten sollen. Die Welt, Namid, hat starke Anlehnungen an unsere eigene. So heißen viele Kontinente und Wochentage sehr ähnlich wie ihre Originale (z.B. „Afrikah“ und „Mondtag“). Das an sich ist zwar kein Problem, allerdings gibt es Teile der Geschichte, die genau dadurch ein wenig unglücklich geraten sind. So schreibt die Autorin etwa die Kolonialisierung von Amerika um. Die amerikanischen Ureinwohner sind plötzlich wirkliche Monster, die die hilflosen Menschen eiskalt töten und fressen. Da es sich hier um eine Fantasywelt handelt bin ich der Meinung, dass man sich gewisse Freiheiten herausnehmen kann, dennoch hinterlässt das eben durch die extreme Erdnähe einen bitteren Beigeschmack.

Die Geschichte ist interessant und abwechslungsreich. Vor allem durch die Perspektivwechsel lernt man auch verschiedene Sichtweisen kennen, was mir gerade durch die sehr abwechslungsreichen Charaktere gut gefallen hat. Es gab zwar öfter Situationen, in denen eine Falle viel zu schnell als solche erkannt wurde, oder in denen die Regeln der Welt ein wenig ignoriert wurden, aber das hielt sich so weit in Grenzen, dass es mich nur leicht gestört hat.

Verzierungen auf den Seiten des Buches und Lesezeichen

Ein großes Problem hatte ich leider mit den Beziehungen zwischen den Charakteren. Diese entwickelten sich einfach viel zu schnell. Für mich war es einfach völlig unglaubwürdig, dass die Anderen, die Menschen eigentlich sonst nur als Nahrung ansehen, einen Menschen innerhalb von wenigen Tagen als einen der ihren ansehen, nur weil sie – ja so genau wurde nicht klar, was Meg eigentlich besonderes tut. Sie trägt die Post zuverlässig aus und ist unerwartet freundlich. Aber irgendwie bezweifle ich, dass Meg die erste Person seit der Ankunft der Menschen ist, die freundlich zu ihnen ist.

Auch so blieben mir die Charaktere etwas zu flach. Trotz der Perspektivwechsel, die doch dabei hätten helfen können, mehr Einblicke zu erhalten, hatte ich bis zuletzt nicht das Gefühl, die Protagonisten so wirklich zu verstehen. Dazu kommt, dass die Anderen teils zwar andere Moralvorstellungen haben, ich aber abgesehen davon nicht so sehr das Gefühl hatte, dass sie völlig anders als Menschen denken, obwohl dies mehrfach betont wurde. Sie haben bloß weniger Impulskontrolle, das ist alles.

Ganz am Rande bräuchte dieses Buch dringend eine Triggerwarnung für selbverletzendes Verhalten. Bei so viel Raum, wie dieses Thema im Buch einnimmt, wenn auch in anderem Kontext, wäre dies meiner Meinung nach sehr wichtig.

Fazit:

Auch wenn mir die Geschichte gut gefallen und das Worldbuilding zumindest interessante Aspekte hat, bin ich mit diesem Buch einfach nicht wirklich warm geworden. Ich hätte mir mehr Einblicke in die Charaktere gewünscht und vor allem eine realistischere Entwicklung der Beziehungen.

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