Cover "Endstation": Das Cover zeigt ein verfallen wirkendes Haus bei Nacht unter einem unheimlich grünlichen Himmel
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Endstation

Eule und Klassiker: Über „Endstation“ von Michael Crichton

Details:
Titel: Endstation
Originaltitel: Terminal Man
Autor: Michael Crichton
Erscheinungsjahr: 1972

Verlag:
 Goldmann Verlag
Kauflink: Amazon

Handlung:

Harold Franklin Benson soll eine experimentelle Behandlung erhalten, für eine Verletzung im Gehirn, durch welche er regelmäßig Anfälle hat, bei denen er gewalttätig wird. Hierfür sollen ihm Elektroden eingesetzt werden, die kurz vor einem Anfall das entsprechende Areal stimulieren und somit verhindern, dass es so weit kommt. Die beiden Chirurgen des Projekts, Ellis und Morris, wollen die Behandlung unbedingt endlich durchführen, allerdings raten die beiden Psychologen Janet Ross und ihr früherer Lehrer, Manon, stark davon ab. Benson leidet zusätzlich an einer psychotischen Störung und glaubt, dass die Maschinen bald besser sein werden als Menschen. Die Operation würde zwar die Anfälle verhindern, aber nicht seine anderen psychischen Probleme lösen.

Die Operation wird trotz der geäußerten Bedenken durchgeführt. Vierzig Elektroden werden dabei ins Gehirn gesetzt und eine Plutoniumbetriebene Batterie in die Schulter. Benson muss eine Hundemarke tragen, aufgrund der Strahlungsgefahr, falls diese zerstört werden sollte.

Zwischendurch hat Morris ein paar Begegnungen. Eine Frau, die sich Angela Black nennt, gibt eine Perücke und Schraubenschlüssel für Benson bei ihm ab. Außerdem versucht ein Mann, sich ebenfalls für die Operation zu melden. Morris weist ihn ab und macht sich dabei Sorgen um Menschen, die solch eine Behandlung zum Lustgewinn über sich ergehen lassen wollen. Dadurch könne das Gehirn zerstört werden.

Nachdem Benson etwas Ruhe hatte, werden die Elektroden angeschlossen. Dabei wird jede getestet, um zu überprüfen, ob sie die Anfälle stoppen könnten. Einige lösen bei der Aktivierung positive Gefühle bei Benson aus, eine davon sexuelle.

Als Ross später mit den Technikern des Krankenhauses spricht, entdeckt sie, dass die Häufigkeit der Aktivierung der Elektroden immer größer wird. Durch die positiven Gefühle, die dabei ausgelöst werden, wurde Benson unbewusst darauf konditioniert, öfter Anfälle zu haben. Ross findet ebenfalls heraus, dass die Schwestern durch einen Fehler nicht die benötigten Medikamente, um ihn ruhigzustellen, gegeben haben. Benson selbst ist geflohen, indem er sich mit der Perücke und einer gestohlenen Uniform als Pfleger verkleidet hat.

Ross, Ellis und Morris versuchen gemeinsam, Benson zu finden. Als Bensons Hundemarke bei der Leiche von Angela Black gefunden wird, wird auch die Polizei eingeschaltet. Es kommt heraus, dass Benson einen besonderen Hass auf den Computer des Krankenhauses hat. Ross wird in ihrem Haus von Benson angegriffen, schafft es aber, ihn durch die Strahlung ihrer Mikrowelle zum Fliehen zu bringen. Morris schafft es, Benson in einer Lagerhalle zu finden, wo dieser einen Techniker niedergeschlagen hat und später auch Morris schwer verwundet.

Es kommt zu einem Showdown im Keller des Krankenhauses, wo Benson versucht, den Computer im Keller zu zerstören. Ross nimmt dabei Bensons Pistole und erschießt ihn, allerdings nicht ganz freiwillig.

Klappentext "Endstation"
Entstehungsgeschichte:

Michael Crichton wurde zu dem Buch durch einen Patienten, welchen er in einem Krankenhaus getroffen hatte, inspiriert. Er schrieb laut eigenen Angaben neun Versionen und war bis zuletzt nicht ganz zufrieden damit, wie die Geschichte sich entwickelte. Es war die Geschichte unter seinen Büchern, die er selbst am wenigsten mochte.

Das Buch, welches im Original „Terminal Man“ heißt, sollte ursprünglich „The Sympathetic Man“ heißen.

Wirkung:

Obwohl Crichton selbst sein Werk als eher schwächer einschätzte waren die Kritiken damals fast durchweg positiv. Besonders positiv hervorgehoben wurde, dass der Thriller größtenteils wissenschaftlich haltbar sei. 1974 wurde das Buch verfilmt.

Es gab jedoch auch Kritik von der American Epilepsy Foundation, welche anmerkte, dass Crichton in seinem Buch Epilepsie mit Gewalt verknüpfe, was zu einem negativen Bild der Erkrankung beitrage.

Aus heutiger Sicht ist „Endstation“ eines von Crichtons unbekannteren und unbeliebteren Werken. Auf Goodreads hat es etwa eine durchschnittliche Bewertung von 3,38.

Und wie hat es mir gefallen?

„Endstation“ hat mir zwar insgesamt gut gefallen, aber es hatte auch seine Schwächen. Zunächst einmal war es ein spannender Thriller, welcher Wissenschaft und Philosophie mit einbezogen hat und somit neben einer Handlung zum Mitfiebern auch zum Mitdenken eingeladen hat. Dies hat mir sehr gefallen und einige der Themen in Bezug auf Mensch-Maschine Interaktion sind zumindest grundlegend auch heute noch interessant.

An vielen Stellen merkt man natürlich, dass sich doch vieles seit den 70ern weiterentwickelt hat. Technisch gesehen ist einiges nicht mehr aktuell. Dies ist natürlich kein Kritikpunkt am Buch, es sorgt nur dafür, dass einige der behandelten Fragen aus heutiger Sicht weniger Relevanz haben, als sie es damals wohl hatten. Auch der Sexismus, der zwar für die damalige Zeit wenig war, ist dennoch vorhanden. Gefallen hat mir in dieser Hinsicht zwar, dass eine der Protagonistinnen eine selbstbewusste, eigenständige Ärztin ist, die sich hin und wieder alltäglichem Sexismus stellen muss und diesen auch reflektiert. Hier war der Autor sicher seiner Zeit voraus und das rechne ich ihm hoch an. Dennoch werden alle Frauen erstmal körperlich recht genau beschrieben, besonders, ob ihre Beine lang sind. Eine Behandlung, die die männlichen Charaktere nicht erhalten. Auch dies möchte ich dem Buch aber nicht ankreiden, denn wie gesagt ist dies für ein Buch aus den 70ern sehr fortgeschritten.

Was ich aber wirklich kritisieren möchte ist, dass das Buch teils mehr wie eine unzusammenhängende Collage wirkt und weniger, wie ein zusammenhängendes Werk. Oft gibt es kleine Einschübe, in denen ein Charakter über eine Idee oder ein Konzept redet oder nachdenkt. Diese sind zwar thematisch mit dem Buch verbunden, aber nicht direkt handlungsmäßig. So haben etwa die Techniker des Hauses eine KI, die verschiedene Handlungsmuster mit sich selbst durchspielt. Thematisch ist dies zwar sehr passend und die Szene für sich genommen ist sehr interessant, aber handlungsmäßig trägt sie nichts zum Buch bei. Natürlich ist es völlig legitim, mit Szenen die Thematik des Buches auszuloten, wenn es aber zu viele solcher von der Handlung entkoppelter Szenen gibt, dann fällt dies irgendwann schon negativ auf.

Dennoch kann ich das Buch insgesamt wirklich sehr weiterempfehlen. Wer sich für philosophische Fragen der Mensch-Maschine Beziehung interessiert und einem spannenden Thriller nicht abgeneigt ist, ist mit dieser Geschichte gut beraten.

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1 Kommentar

  1. […] Meine Rezension findet ihr hier. […]

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