Cover "Elektra, die hell Leuchtende": Zu sehen ist ein Frauenkopf in Goldfolie im Profil auf einem Dunkelgrünen Hintergrund. Der Titel darunter ist ebenfalls in Goldfolie
Fantasy Neuerzählung

Elektra, die hell Leuchtende

Rezension zu „Elektra, die hell Leuchtende“ von Jennifer Saint

Meine Bewertung:
4 Sterne von 5

Details:
Titel: Elektra, die hell Leuchtende
Originaltitel: Elektra
Autorin: Jennifer Saint
Übersetzung: Simone Jakob
Verlag: List
Seiten: 370
Kauflink: Amazon
Preis: 24,99 € (D) Hardcover; 19,99 € (D) E-Book

Klappentext:

Sehnsüchtig wartet Elektra, Prinzessin von Mykene, auf die Rückkehr ihres Vaters Agamemnon. Nur von ihm hat sie Zuneigung erfahren. Seit er in den trojanischen Krieg zog, leidet sie unter ihrer Mutter, Klytaimnestra. Die liebte ihren Mann, bis er für sein Kriegsglück ihre älteste Tochter Iphigenie opferte. Bei seiner Rückkehr bringt Agamemnon als Beute die Priesterin Kassandra mit. Sie kann vorhersehen, welche Tragödie den Mykenern bevorsteht, aber niemand glaubt ihr. Die Schicksale der drei Frauen – Elektra, Klytaimnestra, Kassandra – sind durch die Launen der Götter und die Untaten der Männer unentrinnbar verbunden. Elektra jedoch beginnt, sich aufzulehnen und ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Auf dem Weg zur Selbstbestimmung muss sie die Götter herausfordern. 

Klappentext "Elektra, die hell Leuchtende"
Meine Meinung:

„Elektra, die hell Leuchtende“ wurde mir freundlicherweise vom Ullstein Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Auf meine Meinung hat dies keine Auswirkungen.

Elektra, Klytaimnestra und Kassandra – drei Frauen deren Leben durch den Trojanischen Krieg verändert wurden. Klytaimnestra musste mit ansehen, wie ihr Ehemann Agamemnon die gemeinsame Tochter Iphigenie opferte, um guten Wind für die Überfahrt nach Troja zu haben. 10 Jahre sann sie auf Rache, während ihre Tochter Elektra nur darauf hofft, dass ihr Vater sicher wieder nach Hause kommt.
In Troja selbst lebt Kassandra, die das gesamte Schicksal der Stadt und ihrer Einwohner kennt und der aber niemand glaubt.

„Elektra, die hell Leuchtende“ erzählt den Mythos des trojanischen Krieges und seiner Folgen aus der Sicht von drei Frauen. Die Handlung weicht dabei kaum vom Original ab, allerdings erfahren wir mehr über das Innenleben von Charakteren, die zwar zentral für den Mythos sind, dabei aber trotzdem meist nur am Rande vorkommen.

Die Handlung beginnt mit der Vermählung Helenas mit Menelaos und Klytaimnestra mit Agamemnon und endet einige Zeit nach der Rückkehr aus Troja. Es werden also mehrere Jahrzehnte in diesem Buch dargestellt und ich muss sagen, dass dies dem Buch nicht unbedingt gutgetan hat. Es gab einfach zu viele Kapitel, die lange Zeitabschnitte zusammenfassten. Wenn die Handlung dann aber pausierte und man die Handlung direkt miterleben konnte, war dies umso schöner. Der Schreibstil der Autorin passt sehr gut zu einer griechischen Neuerzählung und hat mir sehr gefallen. Die Art, Szenen zu beschreiben, hat mich hier sehr beeindruckt.

Jede der drei Protagonistinnen hat ihren eigenen Erzählstrang und die Kapitel sind abwechselnd aus der Sicht der jeweiligen Frau erzählt. Persönlich mochte ich Klytaimnestras Geschichte insgesamt gesehen am liebsten. Sie machte eine starke, aber nachvollziehbare Entwicklung durch. Zudem war ihr Handlungsstrang am stärksten mit der Gesamthandlung verwoben. Kassandras Geschichte fand ich zwar sehr spannend, ich hatte allerdings nicht das Gefühl, dass sie viel mit der Gesamthandlung zu tun hatte. Sie wurde vermutlich von der Autorin ausgewählt, damit Lesende einen Einblick in die Geschehnisse in Troja erhalten, allerdings bin ich nicht sicher, ob Helena nicht vielleicht die bessere Wahl für dieses Buch gewesen wäre. Kassandras Handlungsstrang hätte ich mir gut als weiteres Buch vorstellen können.

Der einzige Handlungsstrang, der mich persönlich nicht überzeugen konnte, war leider der von Elektra. Da das Buch nach ihr benannt ist, finde ich dies besonders schade, allerdings konnte ich ihre Entwicklung oft nicht wirklich nachvollziehen. Ein großer Teil des Buches spielt zu einem Zeitpunkt, als sie selbst noch ein Kind war und ich hatte das Gefühl, dass der Schreibstil der Autorin, so schön er auch ist, nicht gut dazu passte. Elektra hörte sich sehr reflektiert und erwachsen an, während sie impulsiv und kindlich handelte. Dieser Widerspruch gefiel mir persönlich einfach nicht.

Ich mag die griechische Mythologie und lese gerne Neuerzählungen. Gerade der trojanische Krieg hat über die Jahre bereits einige Neuerzählungen inspiriert, nicht nur in schriftlicher Form. Auch wenn sich „Elektra, die hell Leuchtende“ sehr nah am Original orientiert denke ich schon, dass dieses Buch seinen Platz zwischen all diesen Werken verdient hat. Gerade der eher feministische Ton sorgt dafür, dass Lesende altbekanntes noch einmal in einem neuen Licht sehen können. Dieser Aspekt hat mir sehr gefallen und hat insgesamt dafür gesorgt, dass ich das Buch wirklich gerne gelesen habe. Ich freue mich bereits, mehr Werke der Autorin kennenzulernen.

Fazit:

Auch wenn ich einige Entscheidungen der Autorin nicht optimal fand, konnte mich „Elektra, die hell Leuchtende“ insgesamt doch als feministische Neuerzählung einer griechischen Sage überzeugen. Die verschiedenen Handlungsstränge geben Einsicht in die Gedanken- und Gefühlswelt von sonst oft übersehenen Frauen.

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