Ich habe 2022 unter anderem dafür genutzt, endlich mal wieder die Bücher meines langjährigen Lieblingsschriftstellers zu lesen und dabei auch die Bücher von ihm kennenzulernen, welche ich zuvor aus verschiedensten Gründen noch nicht gelesen hatte. 1999 veröffentlichte Walter Moers mit „Die 13 ½ Leben des Käpt’n Blaubär“ den ersten Roman im fiktiven Kontinent Zamonien. Seitdem folgten acht weitere Bücher, die dort spielten und einiges an Zusatzliteratur, wie etwa ein Lexikon und eine Comicadaption.
In einem Großteil seiner Werke spielt Moers mit dem Konzept des Autors, indem er sich selbst nur als Übersetzer seiner Kunstfigur Hildegunst von Mythenmetz bezeichnet. Hildegunst ist in Zamonien einer der bekanntesten Autoren und trat das erste Mal als Verfasser von „Ensel und Krete“ auf, um später auch selbst der Protagonist in „Die Stadt der träumenden Bücher“ zu sein.
Was ich am meisten an den Zamonien-Werken liebe, ist der unverwechselbare Schreibstil. Selbst die Bücher, die mir persönlich einfach nicht gefallen haben, konnten mich dennoch unterhalten allein durch den unterschwelligen Humor und die enorme Kreativität, die Moers jedes Mal an den Tag legt.
Lesen kann man die Zamonien-Bücher übrigens in beinahe jeder beliebigen Reihenfolge. Bis auf wenige Ausnahmen sind alle Geschichten Einzelbände und auch wenn es manchmal kleinere Anspielungen auf andere Werke gibt, so spoilern diese nicht.
Die einzige Ausnahme sind die Bücher rund um Buchhaim. „Die Stadt der träumenden Bücher“ sollte von diesen Werken zuerst gelesen werden, danach „Das Labyrinth der träumenden Bücher“ und dann „Der Bücherdrache“ (auch wenn dieser streng genommen nicht zur Trilogie gehört, geschehen hier Dinge, die nur Sinn ergeben, wenn man den ersten Band gelesen hat und die einige Hinweise auf Geschehnisse in Band 2 geben könnten).
Hat man vor, alle Bücher aus Zamonien zu lesen, so lohnt es sich „Die 13 ½ Leben des Käpt’n Blaubär“ relativ früh einzuplanen. Dieses Buch gibt einen guten Einstieg in die Welt als Ganzes und auch wenn man jede Geschichte auch so verstehen kann, hilft das Wissen, welches man hier erhält, dabei, vieles in den richtigen Kontext zu setzen.
Das aktuell letzte Zamonien-Buch, „Der Bücherdrache“ erschien 2019. Angekündigt sind derzeit zwei weitere Bücher: Mit „Das Schloss der träumenden Bücher“ soll die Trilogie rund um Buchhaim und Hildegunst seinen Abschluss finden und „Die Insel der 1000 Leuchttürme“ ist als Briefroman angelegt. Beide Projekte wurden jedoch bereits mehrfach verschoben und derzeit ist unklar, wann und ob sie erscheinen.
Da ich nun relativ frisch im Kopf habe, wie ich mit dem Blaubär in Atlantis war, wie ich durch die tödlichen Labyrinthe unter Buchhaim gewandert bin und wie ich gemeinsam mit der schlaflosesten Prinzessin Zamoniens ihr eigenes Gehirn erkundet habe, möchte ich hier nun meine ganz persönliche Zamonien-Bestenliste erstellen. Geordnet nur danach, wie gut mir ganz persönlich die Bücher gefallen haben. Dazu sei gesagt, dass selbst das schlechteste Moers-Buch immer noch besser ist, als vieles andere, was der Markt so zu bieten hat, also selbst die Bücher, die ganz unten stehen, lohnen sich dennoch, gelesen zu werden.
9) Prinzessin Insomnia und der albtraumfarbene Nachtmahr
Prinzessin Dylia kann nicht schlafen und ist oft viele Tage und Nächte am Stück wach. Je länger sie wach ist, umso mehr seltsame Phänomene kann sie beobachten, wie etwa die kleinen Wesen aus Seifenblasen, die sich immer im Zwielicht in ihrem Zimmer aufhalten. Eines Nachts erhält sie Besuch von dem Nachtmahr Havarius Opal, der ihr ankündigt, die in den Wahnsinn treiben zu wollen. Sie lässt sich ein auf eine Reise mit ihm durch ihr Gehirn, die vielleicht ihre einzige Chance ist, sich selbst zu retten.
Dieses Buch besteht, wie alle anderen auch, aus so vielen kreativen Elementen, dass es eigentlich ein großartiges Buch sein müsste. Leider sind diese innerhalb der Geschichte nicht so gut miteinander verwoben, wie ich es von anderen Zamonien-Werken gewohnt bin. Dazu gab es leider einige Längen im Text, die auch der großartige Schreibstil nicht rausholen konnte.
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8) Das Labyrinth der träumenden Bücher
Zweihundert Jahre nach den Ereignissen in „Die Stadt der träumenden Bücher“ ist Hildegunst von Mythenmetz zum berühmtesten Schriftsteller seiner Zeit geworden. Vom Erfolg verwöhnt werden seine Bücher immer schlechter und er immer fauler. Eines Tages erreicht ihn eine rätselhafte Botschaft, die ihn dazu bringt, zurück nach Buchhaim zu gehen. Dort erwartet ihn eine völlig veränderte Stadt, in der nicht mehr nur Bücher das Leben der Einwohner bestimmen, sondern auch das Puppentheater, welches Mythenmetz immer stärker in seinen Bann zieht.
Während der erste Band der Reihe vom Orm durchströmt war, wirkte der zweite leider eher wie ein unvollständiger Abklatsch. An einigen Stellen hatte ich Vermutungen, was der Autor eigentlich im Text tun wollte, leider konnte mich die Umsetzung einfach nicht vollständig überzeugen. Dennoch versprach das Ende einen spannenden dritten Teil zu dieser Reihe und sollte dieser irgendwann tatsächlich kommen, ist es möglich, dass ich dieses Buch noch einmal mit anderen Augen sehen werde.
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7) Rumo & Die Wunder im Dunkeln
Als der junge Wolpertinger Rumo von Teufelszyklopen gefangen wird, beginnt seine abenteuerliche Reise. Während ihm eine Haifischmade das theoretische Wissen über das Kämpfen beibringt, muss er das Praktische selbst erlernen, um zu überleben. Auf seinem Weg muss er sich kupfernen Kerlen, toten Yetis und anderen Schrecken stellen.
Dies ist eins der beliebtesten Werke aus Zamonien und ich kann dies generell verstehen. Mich persönlich störte hier besonders der langsame Einstieg und das plötzliche Ende, welches viele Fragen und Handlungsstränge einfach offen ließ. Auch, dass es außer Rala keine wichtigen weiblichen Charaktere gab und selbst diese nur als Jungfrau in Nöten fungierte, hat mir eher weniger gefallen. Dennoch war dies eine spannende Geschichte, welche an klassische Heldenepen angelehnt war. Die Charaktere waren interessant und ich hätte wirklich gerne noch mehr Zeit mit ihnen verbracht.
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6) Der Bücherdrache
Der Buchling Hildegunst Zwei, welcher nach dem Schriftsteller Hildegunst von Mythenmetz benannt wurde, will den größeren Buchlingen beweisen, dass er genauso mutig ist wie sie. Also geht er zum Ormsumpf, in dem der Bücherdrache Nathaviel hausen soll. Die Gefahren, die ihm dabei drohen sind enorm und er weiß nicht, ob die legendäre Kreatur selbst ihm freundlich gesinnt ist.
Diese kurze Geschichte gab einige Hinweise auf Rätsel, welche in „Das Labyrinth der träumenden Bücher“ aufgeworfen wurden. Diese wurden zwar noch nicht aufgeklärt, aber die Implikationen, welche sich hier ergaben, waren sehr spannend! Die Geschichte selbst war kurz und nett zu lesen, aber meiner Meinung nach hängt es sehr stark daran, was nun aus den offenen Handlungssträngen gemacht wird, wie gut dieses Buch wirklich ist.
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5) Weihnachten auf der Lindwurmfeste
Dieses Buch besteht aus einem einzelnen, langen Brief, welchen Hildegunst von Mythenmetz an den Eydeeten Hachmed Ben Kibitzer sendet und ihm in diesem von dem Fest „Hamoulimepp“ berichtet, welches große Ähnlichkeiten zu unserem Weihnachtsfest aufweist. Es folgt eine Auflistung von seltsamen Traditionen, in typischer Mythenmetz-Art.
Dieser kurze Text passt einfach wunderbar in die Adventszeit. Die Darstellung von seltsamen Weihnachtsbräuchen durch die Übersetzung in ein zamonisches Fest gelingt hier ganz wunderbar. Das einzige, was mich hier gestört hat war, dass der Text eigentlich deutlich zu kurz war, um ihn als Buch zu bezeichnen. Aber auch ein kurzer Text aus Zamonien ist besser als gar keiner.
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4) Ensel & Krete
In Baumingen kann man einen wunderbar sicheren Familienurlaub verbringen. Wenn man denn nicht von den sicheren Pfaden abweicht und in den tiefen Wald wandert. Natürlich tun die Geschwister Ensel und Krete aber genau das. Als sie sich im Wald verirren beginnt das Abenteuer.
Diese Märchenparodie hat einfach alles, was man sich von einem Buch aus Zamonien wünschen kann. Auf humorvolle Art werden Stilmittel aus Märchen und anderen Texten auseinandergenommen und die erzählte Geschichte ist dabei unglaublich unterhaltsam. Zum Teil waren mir die Mythenmetzschen Abschweifungen ein wenig zu extrem, aber dennoch waren diese nötig, um die Geschichte zu erzählen.
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3) Der Schrecksenmeister
Die Stadt Sledwaya ist die kränkste Stadt in Zamonien. Dort gibt es Krankheiten, von denen man sonst noch nie etwas gehört hat. Das Krätzchen Echo hatte eigentlich ein gutes Leben dort, doch dann starb seine Besitzerin und er landete hungernd auf der Straße. Um nicht zu sterben ist er gezwungen, einen Pakt mit dem Schrecksenmeister Eißpin einzugehen: Er wird für einen Monat lang mit den feinsten Speisen gefüttert, dafür darf Eißpin danach sein Fett auskochen. Doch Echo hat nicht vor, sich an seine Hälfte des Vertrags zu halten…
An dieser kreativen, etwas gruseligen Geschichte habe ich fast alles geliebt! Echos Weg mitzuverfolgen war gespickt mit großartigen Begegnungen, kulinarischen Szenen, die Hunger machten und spannenden Charakteren. Einzig das Ende fühlte sich nicht ganz verdient an, das änderte aber nichts daran, dass das Finale eines der spannendsten aller Zamonien-Bücher war!
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2) Die 13 ½ Leben des Käpt’n Blaubär
Käptn Blaubär ist eine Institution. Eine ganze Generation Kinder, Eltern, Großeltern kennen ihn aus dem Fernsehen, kennen seine doppelbödigen Geschichten, die er den drei Kleinen Bärchen und Hein Blöd erzählt. Aber wer kennt die Biographie des berühmten Seemanns? Außer ihm keiner. Weil er seine Lebenserinnerungen stets für sich behalten hat, genauso wie seine köstlichsten Rezepte. Jetzt hält der Käptn die Zeit für gekommen, seine Geheimnisse zu lüften, wenn auch längst nicht alle. Aber allein die, die er preisgibt, reichen für dreizehneinhalb Leben aus. Er charakterisiert seinen Blaubär-Roman selbst ‚als ein kühnes Unterfangen von epischem Ausmaß‘ und erklärt dies damit, dass ‚früher alles viel größer war – natürlich auch die Abenteuer‘.
Die Abenteuer, die Blaubär erlebt, umspannen den gesamten zamonischen Kontinent, wodurch man viele Ecken kennenlernt. Auch wenn die Geschichte einen episodischen Charakter hat, was mich normalerweise eher stört, liebe ich sie doch sehr. Jedes einzelne Leben, das Blaubär an einem Ort verbringt, zeigt einem ein neues Stück von Zamonien.
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1) Die Stadt der träumenden Bücher
Das geniale Manuskript eines unbekannten Autors treibt den jungen Dichter Hildegunst von Mythenmetz nach Buchhaim. Wenn er dem Geheimnis des Verfassers irgendwo auf die Spur kommen kann, dann in den labyrinthischen Katakomben dieser buchverrückten Stadt. Der Geruch von Druckerschwärze durchzieht die Straßen, Bibliothek reiht sich an Bibliothek. Und in den Katakomben stürzen sich belesene Buchlinge und Bücherjäger auf alles, was Buchstaben hat. Als Mythenmetz nach unzähligen Abenteuern den Schattenkönig von Buchhain trifft, scheint er am Ziel …
Dies war das erste Buch, welches ich von Walter Moers gelesen habe und bis heute ist es eines meiner absoluten Lieblingsbücher! Die Geschichte ist einfach perfekt, der Humor, die gruseligen Szenen, Spannung und Kreativität, alle Aspekte sind perfekt aufeinander abgestimmt. Die Geschichte bietet gleichzeitig einen interessanten Kommentar auf die Probleme, welche die Verlagswelt so hat und ist dadurch neben der fantastischen Geschichte auch noch hochaktuell.










