Rezension zu „Ein Mann namens Ove“ von Fredrik Backman
Meine Bewertung:

Details:
Titel: Ein Mann namens Ove
Originaltitel: En Man som heter Ove
Autor: Fredrik Backman
Übersetzung: Stefanie Werner
Verlag: Goldmann
Seiten: 480
Kauflink: Amazon
Preis: 12,00 € (D) Taschenbuch; 9,99 € (D) E-Book
Klappentext:
Ove ist 59. Er fährt Saab. Und wir alle kennen jemanden wie ihn: den grummeligen Nachbarn von nebenan, der kontrolliert, ob der Müll richtig getrennt ist, und heimlich die Falschparker aufschreibt. Doch niemand wird als grummeliger alter Nachbar geboren, und einst war auch Ove glücklich. Bis das mit seiner Frau passierte, und dann das mit der Arbeit. Jetzt macht nichts mehr wirklich Sinn. Noch einmal richtig aufräumen, dann ist Ove bereit, für immer zu gehen. Wie ärgerlich, dass genau im falschen Moment im Haus nebenan eine junge Familie einzieht – und mit ihr unglaubliches Chaos. Definitiv ein Fall für Ove, denn das kann so nicht bleiben …

Meine Meinung:
„Ein Mann namens Ove“ wurde mir freundlicherweise vom Goldmann Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Auf meine Meinung hat dies keine Auswirkungen.
Ove ist 59, sein Auto ist ein Saab und er will sterben. Der grummelige Mann hatte immer eine Aufgabe im Leben, ob dies nun seine Arbeit war oder das Kontrollieren der Nachbarn und Falschparker in der Umgebung. Doch jetzt ist alles anders. Da zieht neben ihm eine Familie ein und mit ihr ein gewaltiges Chaos. Das muss Ove definitiv noch beheben.
Wenig Bücher schaffen es, mich einerseits so zu berühren, wie „Ein Mann namens Ove“ und mich gleichzeitig so zu enttäuschen. Etwa die Hälfte des Buches dachte ich, hier ein neues Lieblingsbuch gefunden zu haben. Die Geschichte um Ove fühlte sich herzerwärmend an, ohne dabei kitschig zu sein. Im Gegenteil, Ove ist ein schrulliger, alter (im Text ist er zwar 59, ich bin mir aber recht sicher, dass der Autor eher einen 80+ Jährigen vor Augen hatte) Mann, der seinen Nachbarn und beinahe allen Menschen, die er trifft, das Leben zur Hölle macht. Er pocht auf Regeln und ist nicht in der Lage, flexibel zu sein. Er hasst andere Automarken als Saab, ganz besonders ausländische und genauso hasst er Menschen, die andere Ansichten vom Leben vertreten als er und Katzen. Er fängt bei Kleinigkeiten an, rumzubrüllen und schlägt auch schonmal auf andere ein. Im Allgemeinen ist Ove kein Mensch, den ich gerne treffen würde.
Und dennoch lernt man ihn in diesem Buch so intensiv kennen, wie man dies selten in anderen Büchern bei Charakteren tut. Am Ende kennt man seine gesamte Lebensgeschichte, seine Traumata, seine Fehler, seine Gedanken aber auch die positiven Seiten an ihm. Ove befand sich für mich beim Lesen in einem seltsamen Stadium. Einerseits fand ich ihn wirklich unsympathisch, andererseits konnte ich ihn mehr und mehr verstehen. Es war faszinierend, diese gegensätzlichen Empfindungen über das Buch hinweg zu beobachten. Und ja, es war auch sehr emotional.
Leider ging es für mich dann aber etwa nach der Hälfte des Buches nur noch bergab. Und interessanterweise fing alles mit der Katze an. In Bezug auf diese gab es etliche Logikfehler und ich hatte mehrfach das Gefühl, dass der Autor noch nie mit einer echten Katze zu tun hatte. Im einen Moment ist diese noch eine Straßenkatze, im nächsten läuft sie Ove wie ein Hund hinterher, fährt Auto und kommuniziert sogar auf ihre Weise mit den Leute um sich herum, als ob sie ein Disneycharakter wäre. Zudem wird sie mehrfach verletzt ohne dass dies irgendwie weiter Thema im Buch wäre. Für sich alleine ist dies eher eine Kleinigkeit, aber danach fielen mir immer mehr Dinge auf, die doch eher unlogisch waren.
Hinzu kam, dass der Text zeitweise leicht problematische Züge annahm. Ove als Charakter war, wie gesagt, kein wirklicher Sympathieträger und er hatte regelmäßig Vorurteile gegenüber anderen Gruppen. Es wurde meist aber eben klar, dass dies nur Oves Sicht auf die Welt ist und dass diese Vorurteile eben nicht der Wirklichkeit entsprechen. Außer im Falle des mehrgewichtigen Charakters, welcher ständig mit Essen bekleckert war und nur darüber nachdachte, wann er wieder Essen bekommt. Auch wenn dieser generell durchaus sympathisch dargestellt war, wurden hier unnötige Klischees bedient.

Ove selbst lernte man zwar in allen Facetten kennen, die Nebencharaktere dagegen nur sehr wenig. Da wir eben alles aus Oves Perspektive wahrnehmen ist dies auch verständlich. Etwas seltsam fand ich in dem Zusammenhang jedoch, dass es nur zwei Arten von Nebencharakteren gab: Die absolut Bösen, die es lustig fanden, wenn Tiere verletzt wurden und die andere zu ihrem eigenen Vorteil betrügen und auf der anderen Seite die guten Charaktere, die natürlich auch das Gute in anderen sehen. Egal, wie grimmig und schlecht gelaunt Ove war, egal wie er sich verhielt, diese Charaktere hielten zu ihm, selbst wenn sie ihn erst seit wenigen Tagen kennen und in dieser Zeit keine einzige freundliche Begegnung mit ihm hatten. Und auch wenn dies Oves Entwicklung erst möglich gemacht hat, fand ich es leider doch sehr unlogisch. Ich hätte mir generell eine stärkere Entwicklung aus Ove heraus gewünscht, gerade weil es einige der Kernbotschaften des Buches unterstrichen hätte. Stattdessen hatte ich das Gefühl, dass er zu allem von seinem Umfeld gezwungen werden musste.
Letztendlich bin ich doch etwas enttäuscht, dass ein Buch, welches zu Beginn so dermaßen genial und emotional berührend war, am Ende so viele unrealistische Handlungen beinhalten konnte. Ich denke dennoch, dass ich andere Bücher von dem Autor sehr lieben könnte. Die Art, wie er den Charakter Ove darstellt, war etwas, was ich so bisher selten erlebt habe und ich freue mich, dies in einer Geschichte zu erleben, die mich generell mehr anspricht.
Fazit:
Auch wenn mich das Buch insgesamt nicht völlig überzeugen konnte, mochte ich die Darstellung dieses doch sehr schwierigen Charakters sehr gerne. Das Buch war definitiv emotional berührend und ich bin gespannt auf weitere Bücher des Autors.


[…] habe es bereits in meiner Rezension zu „Ein Mann namens Ove“ geschrieben, aber Fredrik Backman hat tatsächlich ein Händchen dafür, Charaktere absolut […]