Cover "Dschinns": Blaues Cover mit schwarzer Titelschrift, die von oben nach unten geht
Lesetipp Politisch Zeitgenössisch

Dschinns

Rezension zu „Dschinns“ von Fatma Aydemir

Meine Bewertung:
5 Sterne von 5

Details:
Titel: Dschinns
Autorin: Fatma Aydemir
Verlag: Carl Hanser Verlag
Seiten: 368
Kauflink: Amazon
Preis: 24,00 € (D) Gebunden; 17,99 € (D) E-Book

Klappentext:

Dreißig Jahre hat Hüseyin in Deutschland gearbeitet, nun erfüllt er sich endlich seinen Traum: eine Eigentumswohnung in Istanbul. Nur um am Tag des Einzugs an einem Herzinfarkt zu sterben. Zur Beerdigung reist ihm seine Familie aus Deutschland nach. Fatma Aydemirs großer Gesellschaftsroman erzählt von sechs grundverschiedenen Menschen, die zufällig miteinander verwandt sind. Alle haben sie ihr eigenes Gepäck dabei: Geheimnisse, Wünsche, Wunden. Was sie jedoch vereint: das Gefühl, dass sie in Hüseyins Wohnung jemand beobachtet. Voller Wucht und Schönheit fragt „Dschinns“ nach dem Gebilde Familie, den Blick tief hineingerichtet in die Geschichte der vergangenen Jahrzehnte und weit voraus.

Meine Meinung:

“Dschinns” wurde mir freundlicherweise vom Carl Hanser Verlag über NetGalley als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Auf meine Meinung hat dies keine Auswirkungen.

Hüseyin hat sich dreißig Jahre lang als Gastarbeiter in deutschen Firmen kaputt gearbeitet. Nun hat er endlich genug gespart, um sich eine Eigentumswohnung in Istanbul zu kaufen und dort den Ruhestand zu verbringen. Am Tag des Einzugs stirbt er jedoch an einem Herzinfarkt. Seine Familie reist für die Beerdigung hinterher, alle mit ihrem eigenen Gepäck und ihren eigenen Verletzungen.

„Dschinns“ erzählt die Geschichte einer türkischen Familie, die unterschiedlicher nicht sein könnte. Jedes Kapitel wird erzählt aus der Sicht eines anderen Familienmitglieds. Zu Wort kommen die Eltern und die vier Geschwister, die alle sehr unterschiedliche Lebensrealitäten haben.

Mich hat besonders beeindruckt, wie die Autorin schwerwiegende Themen in die Handlung verwoben hat. Hier geht es um Entwurzlung, Rassismus, Geschlechtsidentität, den Konflikt zwischen Türken und Kurden und einiges mehr. Dennoch fühlte sich der Roman nie überladen an. Alle diese Themen wurden so eingebaut, dass sie immer wieder mitschwingen und zeigen, wie tiefe familiäre Traumata entstehen.

Das Buch betrachtet eine Zeitspanne nach dem Tod von Hüseyin, in der wir jeweils eine kurze Zeit in die Köpfe der einzelnen Personen gucken können. Wir erleben immer auch einiges aus der Vergangenheit mit, allerdings geht es hier nicht um Entwicklung. Die Charaktere werden so betrachtet, wie sie sind, mit all ihren Fehlern. Alle haben ihre Geschichte, die sie mal zu Opfern, mal zu Tätern macht und auch wenn sie gegenseitig übereinander urteilen, so tut das Buch dies nicht. Stattdessen werden hier einfach die Graustufen einer Familie voller Schicksalsschläge beobachtet. Für mich war dies ein starkes Portrait, welches so ganz anders war, als was ich sonst lese. Dieses Buch wird mich sicher noch eine ganze Weile begleiten.

Fazit:

„Dschinns“ ist ein beeindruckendes Buch, welches mich besonders durch die empathische Auseinandersetzung mit seinen Charakteren aber auch durch die passende Verwendung von komplexen Themen voll und ganz überzeugen konnte.  

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