Eule und Klassiker: Über „Dracula“ von Bram Stoker
Details:
Titel: Dracula
Originaltitel: Dracula
Autor: Bram Stoker
Erscheinungsjahr: 1897
Kauflink: Amazon
Die Handlung:
Achtung: Dieser Abschnitt enthält Spoiler für das gesamte Buch.
Der noch unerfahrene Londoner Rechtsanwalt Jonathan Harker reist zu seinem Klienten, Graf Dracula in die Karpaten. Der Graf hat vor, nach London umzusiedeln und wünscht dabei Unterstützung vor Ort in Bezug auf die bevorstehende Überfahrt. Auf dem Weg zum Schloss sind die Bewohner der Umgebung entsetzt über sein Reiseziel, versuchen ihn davon abzubringen und geben ihm schließlich einen Rosenkranz, als er darauf besteht, weiterzureisen. Er wird schließlich von einer Kutsche abgeholt, welche ihn zum Wohnsitz des Grafen bringt.
Der Graf verbietet ihm, das Schloss zu verlassen und warnt ihn, in keinem anderen Zimmer einzuschlafen als in seinem eigenen. Die Erscheinung des Grafen wirkt von Anfang an ungewöhnlich auf Harker und über die kommenden Tage entdeckt er weitere Auffälligkeiten, etwa, dass er kein Spiegelbild zu besitzen scheint und er ihn nur nachts zu sehen bekommt. Eines Nachts beobachtet er, wie der Graf ohne Probleme an der steilen Schlosswand hinabklettert. Als Harker in einem anderen Zimmer einschläft sieht er beim Erwachen drei Frauen, welche die gleichen seltsamen Merkmale aufweisen, wie der Graf. Eine der Frauen will ihn beißen, doch Dracula erscheint und hält sie davon ab. Dabei impliziert er, dass er Harker für sich haben will.
Harker glaubt, dass Dracula ihn töten will, vor allem, nachdem dieser ihn zwingt, Briefe an seine Verlobte und seinen Arbeitgeber zu schreiben, welche so klingen, als sei alles in bester Ordnung. Eines Tages erkundet Harker, von Todesangst getrieben, das Schloss und findet im Keller mehrere, mit Erde gefüllter Kisten, in welchen Dracula nach England gebracht werden will. Harker entkommt knapp mit dem Leben, verbringt danach aber drei Monate in einem Krankenhaus in Budapest.
Etwa einen Monat nach Harkers Flucht läuft nach einem schweren Unwetter ein Schiff in Whitby ein. Sofort springt ein großer, schwarzer Hund von Bord. Ans Steuer gebunden wird der tote Kapitän gefunden, abgesehen davon ist die gesamte Mannschaft verschwunden.
In Whitby befindet sich zu diesem Zeitpunkt Wilhelmina Murray, genannt Mina, Harkers Verlobte. Sie hat dort ihre Freundin, Lucy Westenra besucht. Lucy beginnt in dieser Zeit plötzlich zu Schlafwandeln und Mina findet punktförmige Male an ihrem Hals. Lucys Verlobter, Arthur Holmwood, bittet seinen Freund, den Arzt Dr. John Seward, sich um sie zu kümmern. Seward leitet die „Irrenanstalt“ des Ortes und hatte in der Vergangenheit ebenfalls um Lucy geworben. Da Seward in Bezug auf Lucys Erkrankung jedoch nicht weiterweiß, wendet er sich an seinen ehemaligen Mentor, Professor Abraham van Helsing. Dieser, in beinahe allen wissenschaftlichen und okkulten Gebieten versierte, Gelehrte vermutet sofort, dass Lucy von einem Vampir gebissen wurde, sagt dies jedoch noch nicht und rät Holmwood, seiner Verlobten eine Blutspende zu geben. Zudem hängt er Knoblauch auf, welcher jedoch von Lucys Mutter abgenommen wird, woraufhin diese erneut gebissen wird. Über mehrere Nächte versucht van Helsing Lucy zu schützen und es kommt zu mehreren Blutspenden durch alle involvierten Männer, darunter auch Qunicey Morris, welcher sie ebenfalls umworben hatte, jedoch verstirbt Lucy schließlich, ebenso wie ihre Mutter, die einen Herzinfarkt erleidet, als sie einen riesigen Hund sieht.
Mina war zwischenzeitlich zu ihrem Verlobten ins Krankenhaus nach Budapest gereist, woraufhin die beiden dort heirateten. Als sie zurückkehren, stirbt Harkers Vorgesetzter, woraufhin dieser Erbe der Anwaltskanzlei wird. Van Helsing liest das Tagebuch, welches Harker geführt hat und ist nun restlos überzeugt, dass Graf Dracula ein Vampir ist, welcher nun in England sein Unwesen treibt. Die Gruppe beschließt jedoch zuerst Lucy zu erlösen, welche ebenfalls zu einem Vampir geworden ist und sich kleine Kinder als Opfer sucht. Sie finden sie in ihrer Gruft und ihr Verlobter schlägt ihr einen Holzpflock ins Herz. Die Gruppe trennt zudem ihren Kopf ab und steckt ihr Knoblauch in den Mund.
Die Gruppe nutzt Sewards „Irrenanstalt“ als Hauptquartier, wo sie Informationen über Dracula miteinander austauschen. Dieser erfährt davon und nutzt einen von Sewards Patienten, einen Zoophagen, der Tiere isst, um ihre Lebenskraft in sich aufzunehmen, um Eintritt ins Haus zu erhalten. In drei Nächten trinkt er Minas Blut und zwingt sie schließlich dazu, sein eigenes zu trinken. Van Helsing erklärt, dass sie nach ihrem Tod auch ein Vampir werden wird, außer Dracula stirbt zuerst.
Die Männer finden Draculas Verstecke und weihen die Kisten mit Erde, wodurch er diese nicht mehr als Verstecke nutzen kann. Bevor sie ihn jedoch töten können, flieht er mit der letzten Kiste auf ein Schiff. Durch Hypnose bringt van Helsing Mina dazu, durch ihre Verbindung mit Dracula sein Ziel herauszufinden. Die Gruppe fährt ihm mit der Eisenbahn nach Bulgarien hinterher. Der Graf jedoch erfährt davon und lenkt das Schiff um.
Die Gruppe teilt sich auf, um Dracula den Weg zu seinem Schloss abzuschneiden und sie schaffen es, seine Kiste kurz vor Sonnenuntergang einzuholen. Es kommt zu einem Kampf mit dem Grafen hörigen Menschen, in welchem Qunicey getötet wird. Sie schaffen es jedoch, den Grafen zu enthaupten und sein Herz zu durchbohren.
Sieben Jahre später bekommen Mina und Harker einen Sohn, welchen sie nach all den Männern benennen, die mit ihnen gekämpft haben. Sein Rufname ist jedoch Quincey.

Entstehungsgeschichte:
Bram Stoker wurde am 8.11.1847 als drittes von sieben Kindern in einem wohlhabenden Viertel im Norden von Irland geboren. Bis zum Alter von sieben Jahren litt er an einer unbekannten Krankheit, die ihn bettlägerig machte, von welcher er sich jedoch auf unerklärliche Weise erholte. Rückblickend sagte Stoker, dass sich diese Zeit positiv auf seine spätere Karriere auswirkte, da er so Zeit hatte, viel nachzudenken. Als er mit sieben Jahren eingeschult wird zeigt sich nichts mehr von seiner Krankheit und er zeichnet sich während seines späteren Studiums am Trinity College als herausragender Athlet aus. Zudem hatte er hohe Stellungen in zwei Debattierclubs in den Bereichen der Geschichte und Philosophie.
Seine Karriere als Staatsbeamter langweilte ihn, jedoch schrieb er nebenberuflich Theaterkritiken, wodurch er den Schauspieler Henry Irving kennenlernt. Nach seiner Hochzeit mit Florence Balcombe und dem gemeinsamen Umzug nach London wurde er dessen Privatsekretär und übernahm auch das Management dessen Theaters. Dadurch wurde es Stoker möglich, Kontakte zur Oberschicht zu knüpfen und andere Schriftsteller kennenzulernen. Er war etwa eng befreundet mit Oscar Wilde und kannte Sir Arthur Conan Doyle.
1895 wurde Oscar Wilde aufgrund seiner homosexuellen Neigungen zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt. Stoker tilgte den Namen seines Freundes daraufhin aus all seinen Werken, wodurch heutzutage nicht mehr nachvollziehbar ist, wie intim die Freundschaft der beiden war. Es ist sehr wahrscheinlich, dass auch Stoker Interesse an Männern hatte. Auffällig in dieser Hinsicht ist, dass seine Arbeit an Dracula etwa einen Monat nach Wildes Verurteilung begann und sich zwischen den Zeilen homosexuelle Thematiken wiederfinden. Die britische Version ist in dieser Hinsicht sogar im Gegensatz zur amerikanischen vom Autor zensiert worden. Während Dracula in der amerikanischen Version seinen Frauen sagt, dass er Harker beißen möchte, sagt er ihnen in der britischen nur, dass sie ihn in der nächsten Nacht haben können.
Graf Dracula hatte zu Beginn der Arbeit noch keinen Namen, es war jedoch immer klar, dass er ein Graf sein sollte. Oft wird heute angenommen, dass Vlad III. Drăculea als Vorbild gedient hätte, jedoch finden sich in den Aufzeichnungen des Autors keine Anzeichen dafür und auch im Buch werden dessen zahlreiche Grausamkeiten nicht erwähnt. Eine Theorie zum Namen ist, dass er von der eher ungenauen Übersetzung als „Der Teufel“ kommt.
In seiner Darstellung der Vampire war Stoker einerseits stark von den Sagengestalten Osteuropas inspiriert, andererseits jedoch von dem Roman „Camilla“, welcher seinerseits stark von „The Vampyre“ von Polidori inspiriert war.
Der Titel sollte bei der Veröffentlichung noch „The Un-Dead“ heißen, wurde jedoch während das Buch bereits im Druck war zu „Dracula“ geändert. Der Autor erlebte den großen Erfolg des Buches nicht mehr. 1912 starb Stoker, vermutlich an den Folgen der Syphilis.
Wirkung:
Die Kritiken für „Dracula“ waren insgesamt sehr wohlwollend und das Buch traf als Gothic novel den Zeitgeschmack. Die wenigen Kritiken bezogen sich hauptsächlich darauf, dass das Buch zu gruselig sei. Vor allem dadurch, dass das Übernatürliche nicht, wie oft üblich, in der Ferne existierte, sondern direkt im Herzen Londons und dieses auch noch gemischt wurde mit gruseligen Orten, wie „Irrenanstalten“, sei einfach zu viel.
Trotz der überwiegend positiven Rezeption hatte Dracula keinen überragenden Erfolg. Erst nach Stokers Tod begann das Werk an Popularität zu gewinnen. Nicht zuletzt durch mehrere Verfilmungen wurde es ab den 1920er Jahren immer bekannter. 1921 erschien ein ungarischer Stummfilm, die bekannteren Versionen kamen jedoch 1931 mit Béla Lugosi in der Hauptrolle und 1958 mit Christopher Lee heraus.
Obwohl es einige frühere Werke gab, in welchen bereits Gentleman-Vampire vorkamen, wie das eben erwähnte „The Vampire“, machte erst Dracula diese Art des Vampirs wirklich bekannt und zementierte ihn als das vorherrschende Bild in den Medien. Auch viele typische Eigenschaften, welche wir heute mit Vampiren verbinden, etwa die Verwandlung in eine Fledermaus, kommen aus diesem Buch.
Spätere Werke und Neuerzählungen:
Nach Stokers Tod veröffentlichte seine Witwe eine Kurzgeschichtensammlung ihres Mannes unter dem Titel „Dracula’s Guest and Other Weird Stories“. Es wird angenommen, dass die erste Geschichte darin das ursprüngliche erste Kapitel von „Dracula“ war.
Neuerzählungen zu Dracula gab es seit dem Erscheinen immer wieder. Dabei werden einige Bücher nur von der Geschichte selbst inspiriert. Auf meinem Blog habe ich etwa bereits „Dark Blood“ von Mary Thorn besprochen. In dieser Geschichte kommt Vlad III. Drăculea als Vampir vor, wobei es in diesem Buch tatsächlich die historische Figur ist, welche die Inspiration geliefert hat.
Andere Bücher erzählen dagegen die Geschichte selbst neu und deuten sie dabei um. „A Dowry of Blood“ etwa wird aus der Sicht von Draculas Frauen erzählt.


[…] es hier um einen mächtigen Vampir mit drei Bräuten geht. Die restliche Handlung des Romans „Dracula“ wird hier nicht […]
[…] stellen. Aber ich fände es auch schön neben den klassischen Vampirromanen, wie etwa “Dracula” oder […]