Cover "Die Wut, die bleibt": Das Cover ist blau, mit scheinbar auseinanderstiebenden roten Kästchen
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Die Wut, die bleibt

Rezension zu „Die Wut, die bleibt“ von Mareike Fallwickl

Meine Bewertung:
5 Sterne von 5

Details:
Titel: Die Wut, die bleibt
Autorin: Mareike Fallwickl
Verlag: Rowohlt Verlag
Seiten: 384
Kauflink: Amazon
Preis: 22,00 € (D) Hardcover; 15,99 € (D) E-Book

Klappentext:

Helene, Mutter von drei Kindern, steht beim Abendessen auf, geht zum Balkon und stürzt sich ohne ein Wort in den Tod. Die Familie ist im Schockzustand. Plötzlich fehlt ihnen alles, was sie bisher zusammengehalten hat: Liebe, Fürsorge, Sicherheit.
Helenes beste Freundin Sarah, die ­Helene ­ihrer Familie wegen zugleich beneidet und bemitleidet hat, wird in den Strudel der ­Trauer und des Chaos gezogen. Lola, die ­älteste Tochter von Helene, sucht nach einer ­Möglichkeit, mit ihren Emotionen fertigzuwerden, und konzentriert sich auf das Gefühl, das am stärksten ist: Wut.
Drei Frauen: Die eine entzieht sich dem, was das Leben einer Mutter zumutet. Die anderen beiden, die Tochter und die beste Freundin, müssen Wege finden, diese Lücke zu schließen. Ihre Schicksale verweben sich in diesem bewegenden und kämpferischen Roman darüber, was es heißt, in unserer Gesellschaft Frau zu sein.

Meine Meinung:

„Die Wut, die bleibt“ wurde mir freundlicherweise vom Rowohlt Verlag über NetGalley als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Auf meine Meinung hat dies keine Auswirkungen.

Bei einem ganz normalen Abendessen steht Helene auf und stürzt sich wortlos aus dem Fenster. Plötzlich fehlt in ihrer Familie, bestehend aus ihrem Mann und ihren drei Kindern, alles, was die Mutter getan und gegeben hat. Ihre älteste Tochter, Lola, konzentriert sich auf ihre Wut, um mit der Trauer umzugehen, während Helenes beste Freundin, Sarah, versucht, die Familie zusammenzuhalten.

„Die Wut, die bleibt“ erzählt die Geschichte von zwei Frauen, die in jenem System überleben, welches ihre wichtigste Bezugsperson zerstört hat. Es geht um Emanzipation, Feminismus und ganz besonders um Mental Load und ungleich verteilte Care-Arbeit. Darum, wie sehr die Pandemie diese letzte Problematik verschlimmert hat. Es zeigt vor allem sehr gut, wie sich Machtgefälle und Ungleichheiten innerhalb von Familiensystemen bilden. Wenn Männer einfach nicht die Arbeit sehen (wollen), welche von Frauen ganz selbstverständlich erledigt wird. Oder wenn sie sagen, sie wissen nicht, wie etwas geht und dabei implizieren, dass Frauen ein genetisch weitergegebenes Wissen oder Können haben. Dieses Buch zeigt, wie sich derartige Dinge, die man als Kleinigkeiten abtun könnten, immer weiter auftürmen, bis es zu viel wird.

Die beiden Protagonistinnen gehen mit ihren eigenen Erfahrungen ganz unterschiedlich um. Während Lola der Wut in ihrem Inneren Raum gibt und beginnt, sich gegen aufdringliche Männer zu wehren, fällt es Sarah schwer, sich aus den ihr aufgezwängten Rollen zu befreien. Es ist schwer für sie, die Missstände zu sehen und noch schwerer, sich dagegen aufzulehnen. Beide Charaktere waren so glaubhaft geschrieben. Die Autorin hat sogar die Sprache angepasst. Aus Lolas Sicht wird etwa gegendert, aus Sarahs Sicht nicht.

Ab einem gewissen Punkt im Buch werden Lolas Handlungen recht radikal. Dies hat bei mir doch recht widersprüchliche Gefühle ausgelöst. Im ersten Moment war es mir fast zu viel, aber als ich darüber nachgedacht habe ist mir klargeworden, dass es einfach keine wirkliche Alternative geben konnte. Und gerade in der Literatur sollte es möglich sein, derartige Handlungen zu explorieren.

Insgesamt hat mich „Die Wut, die bleibt“ aufgerüttelt, wie wenig andere Bücher in diesem Jahr. Es ist ein Buch, das ich ausnahmslos jeder Frau weiterempfehlen möchte. Es zeigt, welche Ungerechtigkeiten immer noch in scheinbaren Alltäglichkeiten liegen und hilft dabei, diese in Worte zu fassen.

Fazit:

„Die Wut, die bleibt“ ist ein Buch, welches bei mir eine Menge widersprüchlicher Gefühle zurückgelassen hat und welches mich wohl noch eine ganze Weile begleiten wird. Für mich ist es ein klares Jahreshighlight, das ich unbedingt weiterempfehlen möchte.

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2 Kommentare

  1. […] Meine Rezension findet ihr hier. […]

  2. […] und deren Pflichtgefühl unerschöpflich scheint.Werde ich es mir holen? Ja, unbedingt!Und wieso? Das letzte Buch der Autorin hat mich absolut begeistert und ich freue mich schon seit darauf, mehr von ihr zu […]

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