Rezension zu „Die Wächterinnen von New York“ von N.K. Jemisin
Meine Bewertung:

Details:
Titel: Die Wächterinnen von New York
Originaltitel: The City we became
Reihe: Great Cities Band 1
Autorin: N.K. Jemisin
Übersetzung: Benjamin Mildner
Verlag: Tropen
Seiten: 546
Kauflink: Amazon
Preis: 25,00 € (D) Hardcover; 19,99 € (D) E-Book
Klappentext:
Städte sind lebendig. Sagt man so. Doch das ist mehr als nur ein Sprichwort und wenn eine Stadt erwacht, sucht sie sich einen Avatar, der sie verkörpert. Doch im Fall von New York ist etwas schiefgelaufen. Denn es gibt Kräfte, die verhindern wollen, dass die Städte lebendig werden und diesmal waren sie schneller. Nach einem ersten Kampf sind die Stadt und ihr Avatar geschwächt, doch im letzten Moment werden fünf Wächter bestimmt. Fünf für die fünf Bezirke und alle so unterschiedlich wie nur New York sein kann. Manny löst Probleme Manhattan-Style: mit Geld. In Brooklyn hört eine ehemalige Rapperin den Beat der Stadt. Und die Kuratorin einer Gemeindegalerie beweist, dass sich die Bronx noch nie etwas hat gefallen lassen. Aber was ist mit Queens und Staten Island? Wenn sie die Stadt und ihren Avatar retten wollen, müssen sie sich beeilen, denn der Feind hat längst damit begonnen, die Stadt zu vergiften. Und wenn sie nicht zusammenarbeiten, droht nicht nur New York unterzugehen.

Meine Meinung:
„Die Wächterinnen von New York“ wurde mir freundlicherweise vom Tropen Verlag über Vorablesen als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Auf meine Meinung hat dies keine Auswirkungen.
Dass Städte lebendig sind, sagt man gern so daher, doch in diesem Buch sind sie es wirklich. Irgendwann, wenn eine Stadt einen gewissen Punkt überschritten hat, sucht sie sich einen Avatar, der sie verkörpert. Während dieses Prozesses ist die Stadt verwundbar und ein Feind aus einer anderen Dimension versucht, anzugreifen. Im Falle von New York geht etwas extrem schief, wodurch es sich weitere Avatare für die einzelnen Stadtteile suchen muss. Doch die fünf Bezirke sind so unterschiedlich, dass es dabei zu starken Reibereien kommt. Dabei müssen sie zusammenhalten, wenn sie überleben wollen.
Von diesem Buch hatte ich tatsächlich etwas anderes erwartet. Eigentlich dachte ich, dass es sich hier um Urban Fantasy mit stärkerem literarischem Einschlag handeln würde. Tatsächlich war es eher kosmischer Horror mit Anlehnung an Lovecraft, den ich hier vorgefunden habe. Anfangs muss ich gestehen, dass mir dies das Lesen etwas erschwert hat. Ich weiß auch ehrlich gesagt nicht, ob ich das Buch nicht unter Umständen erst in einigen Monaten weitergelesen hätte, wäre es kein Rezensionsexemplar gewesen. Im Endeffekt bin ich aber mehr als froh, dass ich es beendet habe, denn es hat mich wirklich überzeugen können.
Dies ist eins dieser Bücher, in denen Diversität großgeschrieben wird. Charaktere verschiedener Herkunft, Kultur und Sexualität sind hier so normal nebeneinander und werden durch mehr als ihre Diversität charakterisiert. Die Wesenszüge der Protagonisten sind an die besonderen Eigenheiten der Menschen ihrer Stadtteile angelehnt. Manhattan wirft mit Geld auf seine Probleme, Brooklyn war eine Rapperin, die nun in der Politik mitmischt, Bronx ist die Leiterin eines Kunstzentrums, Queens eine junge Immigrantin, die Mathe liebt und Staten Island die Tochter eines rassistischen, misogynistischen Polizisten, die durch ihre eigenen Gedankenmuster leichte Beute für den Feind aus einer anderen Dimension ist.
Auch wenn die Charaktere oft durch die Klischees ihrer Stadtteile geprägt waren, fühlten sie sich für mich doch immer real und glaubhaft an. Als Nicht-New Yorkerin kann ich dabei allerdings nicht beurteilen, wie realistisch die jeweiligen Repräsentationen waren.

Die Autorin greift in diesem Buch Werke von Lovecraft auf. Aber während bei ihm der Horror im Unbekannten, in den Fremden lag, was zum Teil auf seinen Rassismus zurückzuführen ist, liegt der Horror in diesem Buch eher im Rassismus selbst. Die Autorin zeigt, wie derartige Strukturen unsere Gesellschaft unterwandern und ihr letztlich stark schaden können.
Insgesamt gefiel mir die Handlung des Buches sehr gut. Auch wenn der Mittelteil sich an einzelnen Stellen ein wenig zog, gab es auch hier viele interessante Gedankengänge, welche ich sehr zu schätzen wusste.
Fazit:
„Die Wächterinnen von New York“ ist ein Buch mit einer kompromisslosen Haltung im Bereich Diversität. Die Geschichte ist interessant und auch wenn es mir zu Beginn schwerfiel, hineinzufinden, so bin ich doch glücklich, dass ich sie beendet habe.

