Rezension zu „Die Unzertrennlichen“ von Simon de Beauvoir
Meine Bewertung:

Details:
Titel: Die Unzertrennlichen
Originaltitel: Les inséparables
Autorin: Simone de Beauvoir
Übersetzung: Amelie Thoma
Verlag: Rowohlt
Seiten: 144
Kauflink: Amazon
Preis: 22,00 € (D) Hardcover; 19,99 € (D) E-Book
Klappentext:
„Ein autofiktionaler Roman, leidenschaftlich und tragisch, über die Rebellion junger Frauen: Sylvie (Simone de Beauvoir) und ihre Jugendfreundin Andrée (Zaza) sind unzertrennlich. Gemeinsam kämpfen sie gegen den erstickenden Konformismus einer bürgerlichen Gesellschaft, in der Küsse vor der Ehe und freie Gedanken für Frauen verboten sind.
Sylvie bewundert Andrée: Sie scheint so selbständig – und doch gerät gerade sie immer tiefer in die Falle ihrer ach so tugendhaften Familie. Diese trennt Andrée von dem Jungen, den sie liebt. Sylvie will ihrer Freundin helfen. Aber wie?“
Zitat:
„Ich beglückwünschte mich oft egoistisch dazu, dass die Bolschewiken und die Niedertracht des Lebens meinen Vater ruiniert hatten: Ich war gezwungen, zu arbeiten, die Probleme, die Andrée quälten, betrafen mich nicht.“
Meine Meinung:
„Die Unzertrennlichen“ wurde mir freundlicherweise vom Rowohlt Verlag über NetGalley als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Auf meine Meinung hat dies keine Auswirkungen.
Sylvie ist eine Musterschülerin und streng katholisch. Doch dann lernt sie Andrée kennen, die so lebhaft und selbstständig wirkt, dass Sylvie nicht anders kann, als sie zu bewundern und ihr nachzueifern. Die beiden werden gute Freundinnen, auch wenn Sylvie heimlich stärkere Gefühle für das andere Mädchen hegt.
„Die Unzertrennlichen“ ist ein autofiktionaler Roman, der erst jetzt, mehr als 30 Jahre nach dem Tod von Simone de Beauvoir, wiedergefunden und veröffentlicht wurde. Er erzählt die Geschichte der jungen Simone, die sich in ihre Schulfreundin Zaza verliebt. Sylvie und Andrée sind dabei die Namen, die sie dafür verwendete. Zu Beginn des Buches findet sich ein längerer Text, in dem erläutert wird, welche Elemente des Textes dem entsprechen, was tatsächlich geschehen ist. Zudem gibt es am Ende noch ausgewähltes Bildmaterial.
Die Geschichte selbst wird sanft erzählt. Wir erleben mit, wie Sylvie und Andrée zusammen aufwachsen und sehen in Sylvies Kopf, wie sie die Gefühle zu Andrée entwickelt und mit welchen Problemen sie zu kämpfen hat. Da ist ihre Glaubenskrise, die Beziehung zu ihrer Familie und die von Frauen erwarteten gesellschaftlichen Normen.
Das Buch ist sehr kurz und ehrlich gesagt hätte ich mir beinahe etwas mehr gewünscht, weil es so schön ist. Dabei hätte ich mir vor allem mehr Einblicke in Andrées Leben gewünscht. Während man Sylvie zu verstehen lernt, scheint das andere Mädchen bis zum Ende ein Mysterium zu sein. Dabei muss man aber auch bedenken, dass dieses Buch zu einer anderen Zeit geschrieben wurde und dass es sich hier um ein Manuskript handelt, das die Autorin nie zur Veröffentlichung vorgesehen hat.
Insgesamt handelt es sich hier um ein großartiges Zeitzeugnis, welches die gesellschaftlichen Zwänge, welchen Frauen ausgesetzt waren, wunderbar widerspiegelt, ohne dabei bemüht zu wirken. Die Geschichte um Sylvie und Andrée trifft immer den richtigen Ton und schafft es dabei sowohl zu unterhalten als auch die entsprechenden Missstände zu offenbaren.
Fazit:
„Die Unzertrennlichen“ ist ein sehr lesenswertes Buch, welches ich definitiv weiterempfehlen kann. Es ist kurzweilig, dabei jedoch ein lehrreiches Zeitzeugnis.


