Rezension zu „Die theoretische Unwahrscheinlichkeit von Liebe“ von Ali Hazelwood
Meine Bewertung:

Details:
Titel: Die theoretische Unwahrscheinlichkeit von Liebe
Originaltitel: The Love Hypothesis
Autorin: Ali Hazelwood
Übersetzung: Christine Strüh & Anna Julia Strüh
Verlag: Rütten & Loening
Seiten: 443
Kauflink: Amazon
Preis: 16,90 € (D) Taschenbuch; 12,99 € (D) E-Book
Klappentext:
Biologie-Doktorandin Olive glaubt an Wissenschaft – nicht an etwas Unkontrollierbares wie die Liebe. Dank ihrer Freundin Anh sieht sie sich plötzlich gezwungen, eine Beziehung vorzutäuschen, und küsst in ihrer Not den erstbesten Mann, der ihr über den Weg läuft. Nicht nur, dass dieser Kuss eine Kette irrationaler Gefühle auslöst – der Geküsste entpuppt sich zudem als Adam Carlsen: größter Labortyrann von ganz Stanford. Schon bald droht nicht nur Olives wissenschaftliche Karriere über dem Bunsenbrenner geröstet zu werden, auch ihre Verwicklung mit Carlsen fühlt sich mehr nach oxidativer Reaktion als romantischer Reduktion an, und Olive muss dringend ihre Gefühle einer Analyse unterziehen …
Zitat:
„Wie hätte sie all das auch vergessen können – sie besaß einen gut funktionierenden Temporallappen, hübsch unter die Schädeldecke gepackt, was bedeutete, dass sie hervorragend imstande war, Erinnerungen zu verschlüsseln und zu speichern.“
Meine Meinung:
„Die theoretische Unwahrscheinlichkeit von Liebe“ wurde mir freundlicherweise vom Aufbau Verlag über NatGalley zur Verfügung gestellt. Auf meine Meinung hat dies keine Auswirkungen.
Olive ist Biologie-Doktorandin in Stanford. Um ihre beste Freundin davon zu überzeugen, dass diese ihren Ex daten kann, gerät sie in einige Verstrickungen, an deren Ende sie plötzlich den erstbesten Mann küsst, der ihr über den Weg läuft. Und das ist ausgerechnet Adam Carlsen, der Wissenschaftler, vor dem alle Doktoranden Angst haben. Während Olive sich immer weiter in der Situation verstrickt, um ihre wissenschaftliche Karriere nicht an den Nagel hängen zu müssen, lernt sie eine ganz andere Seite von Adam kennen.
Dieses Buch war ursprünglich eine Kylo Ren-Fanfiction. Ich hatte daher nicht unbedingt viel erwartet, außer ein wenig guter Unterhaltung. Tatsächlich hat mich die Geschichte aber sehr positiv überrascht und mehr als überzeugt.
Besonders gut fand ich, wie die Autorin die Arbeit an der Universität und das Leben als Doktorandin in Szene gesetzt hat. Man merkt, dass sie selbst viel Erfahrung damit hat und aus dem Nähkästchen plaudert. Sowohl die positiven als auch die negativen Seiten werden hier dargestellt und ein Augenmerk liegt besonders auf den Problemen, die spezifisch Frauen haben. Ich kann mir vorstellen, dass dieses Buch sowohl ermutigend als auch abschreckend wirken kann, wenn man gerade überlegt, eine Karriere in diesem Bereich anzustreben.
In diesem Zusammenhang möchte ich ein kleineres Problem mit der deutschen Übersetzung anmerken. Diese war generell sehr gut, allerdings wurden manche spezifisch wissenschaftlichen Begriffe, die auch in der deutschen Wissenschaft auf Englisch benutzt werden, ins Deutsche übersetzt. Es gab hier zwei Situationen, in denen ich darüber nachdenken musste, was gemeint war, weil der gewählte Begriff in dem Kontext nicht gebräuchlich ist. Dies sind allerdings Nebensächlichkeiten und für die Handlung muss man die wissenschaftlichen Bemerkungen, die manchmal vorkommen, nicht wirklich verstehen.
Die Geschichte nutzt generell den Trope des Fake-Datings, bei dem zwei Charaktere beschließen, so zu tun, als hätten sie eine Beziehung und in deren Verlauf meist tatsächlich Gefühle entwickeln. Und auch, wenn der generelle Verlauf vorhersehbar war, war die Art, wie alles erzählt wurde einfach toll. An vielen Stellen konnte ich gar nicht mehr aufhören zu grinsen, weil die Szenen entweder so süß oder so lustig waren. Oder gleich beides.
Die Charaktere waren liebenswert, divers und abwechslungsreich. Mir hat es gefallen, hier so viel Vielfalt zu finden und auch wenn manche Nebencharaktere ein wenig stereotypisiert waren, so hatte ich nie das Gefühl, dass sie zu sehr ins klischeehafte abdrifteten.
Mein einziger wirklicher Kritikpunkt ist, dass dem Buch manchmal etwas mehr Subtilität gutgetan hätte. Es gab mehrere Situationen, in denen Olive von ihrer besten Freundin praktisch dazu gezwungen wird, aus ihrer Komfortzone zu kommen und bestimmte Dinge zu tun. Dies las sich teilweise etwas unangenehm und ich denke, das hätte die Autorin etwas nuancierter angehen können.
Was ich persönlich mir noch gewünscht hätte, wäre eine bessere Auflösung des Konflikts, dass Adam bei den Doktoranden als besonders streng gefürchtet ist. Dies wurde zwar thematisiert und es kam zu einer Art Auflösung, allerdings fand ich persönlich diese nicht ganz schlüssig.
Dennoch ist dies eine Geschichte, die ich unbedingt weiterempfehlen kann. Ich war fast durchgehend gut unterhalten und war vor allem immer wieder begeistert, wie nah diese Geschichte am Leben dran war.
Fazit:
„Die theoretische Unwahrscheinlichkeit von Liebe“ besticht durch einen lustigen, lebensnahen Plot und zeigt das wahre Leben an der Universität, neben einer ziemlich süßen Liebesgeschichte. Auch wenn ich mir bei ein paar Kleinigkeiten gewünscht hätte, dass sie anders gelöst worden wären, kann ich dieses Buch nur wärmstens weiterempfehlen.

