Rezension zu „Die Meerjungfrau von Black Conch“ von Monique Roffey
Meine Bewertung:

Details:
Titel: Die Meerjungfrau von Black Conch
Originaltitel: The Mermaid of Black Conch
Autorin: Monique Roffey
Übersetzung: Gesine Schröder
Verlag: Tropen
Seiten: 240
Kauflink: Amazon
Preis: 22,00 € (D) Hardcover; 17,99 € (D) E-Book
Klappentext:
April 1976: Vor einer karibischen Insel sitzt ein junger Mann allein in seinem Boot. Er wartet auf den nächsten Fang, doch stattdessen taucht neben ihm eine Meerjungfrau auf. Aycayia. Auf ihr lastet der Fluch eifersüchtiger Ehefrauen, seit Jahrhunderten schwimmt sie im karibischen Meer. Ihr Volk, die Taino, gibt es längst nicht mehr. Und auch sie selbst droht als spektakulärer Fang zu enden, als sie von amerikanischen Touristen entdeckt und an Land verschleppt wird. Im letzten Moment kann sie David, der junge Fischer, retten. Er versteckt sie in seinem Haus, während sie sich langsam und schmerzhaft wieder in eine Frau zurückverwandelt. Doch kann Aycayia hier bei ihm tatsächlich ihre innere Freiheit finden? Monique Roffey hat eine der ältesten Geschichten der Literatur in ein schillerndes Meisterwerk unserer Zeit verwandelt. Wie begegnen wir uns? Wo gehören wir hin? Und wie unsicher ist der Boden unserer Vergangenheit, auf dem wir uns bewegen?
Meine Meinung:
„Die Meerjungfrau von Black Conch“ wurde mir freundlicherweise vom Tropen Verlag über NetGalley als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Auf meine Meinung hat dies keine Auswirkungen.
Auf einer karibischen Insel schleppen 1976 zwei Weiße einen spektakulären Fang an Land: Eine Meerjungfrau. Der junge Fischer David rettet sie und bringt sie zu sich nach Hause, wo sie sich langsam zurück in einen Menschen verwandelt. Er und andere im Ort bringen ihr Sprechen bei und David verliebt sich in sie. Doch auf Aycayia, der Meerjungfrau, lastet ein Fluch und sie weiß nicht, ob sie ihm entkommen kann.
Wenn ich „Die Meerjungfrau von Black Conch“ mit zwei Worten beschreiben müsste, dann wäre es „interessant“ und „anders“. Normalerweise ist diese Beschreibung für mich ein Garant für ein gutes Buch, hier fühle ich mich allerdings sehr gespalten.
Das Buch erzählt die Geschichte aus drei Sichtweisen. Zum einen sind da ein auktorialer Erzähler und die Tagebucheinträge von David. Zum anderen erzählt Aycayia selbst einiges in Versform. Alle Erzähler sprechen im englischen Original eine Variante des Englischen, welche an die Dialekte der Karibik erinnern. Diese Sprache wird im Buch, aber auch in der Realität, als „primitiv“ beschrieben. Durch die Nutzung dieser Sprache in einem literarischen Werk, beweist die Autorin, dass sie alles andere als primitiv ist. Diesen Kommentar auf Kultur, welche durch Kolonialisierung entstand, allein durch die Sprache fand ich wirklich großartig. Im Deutschen fand ich es sehr mutig, diese Sprachmuster wortgetreu zu übersetzen, denn wir haben keine Entsprechung für diese Version des Englischen. Für deutsche Lesende kann die Sprache dadurch teilweise verwirrend sein. Ich persönlich finde es allerdings sehr positiv, dass diese trotzdem so übernommen wurde.
Allgemein ging die Geschichte stark auf Probleme des Kolonialismus ein. Dabei ging es um die Abgrenzung zwischen Schwarzen und Weißen auf der Insel, welche durch die Figur von Miss Rain geschah. Miss Rain gehört beinahe der gesamte Boden der Insel und sie hat das Sagen, allein weil sie in die richtige Familie geboren wurde. Dennoch ist sie nicht die Antagonistin. Die Verwicklungen rund um sie zeigen, wie komplex die kolonialistischen Muster sind.
Was mich leider eher störte, war die starke Sexualisierung des Textes, die zeitweise auch problematische Züge annahm, auch wenn ich nicht glaube, dass die Autorin dies so wollte. Von Anfang an erfahren Lesende im Buch alle paar Seiten, wem es gerade in der Hose drückt und ähnliches. Dies fand ich zwar in dem Maße überflüssig, da es aber auch um weibliche sexuelle Selbstfindung im Text ging, konnte ich es auch nachvollziehen. Diese sexuelle Selbstfindung wurde im Text allerdings nicht subjektiv auf eine, sondern auf alle Frauen bezogen, indem davon ausgegangen wurde, dass eine richtige Frau nur eine sei, die ihre Periode hat, Kinder bekommen kann und die mindestens einmal mit einem Mann geschlafen hat. Ich vermute die Intention der Autorin war es hier nicht, ganze Gruppen von Frauen auszuschließen, leider lasen sich einige der Aussagen schon so.
Ein weiterer Kritikpunkt war für mich die Charakterisierung einer Frau, die als eine Art Antagonistin fungierte. Diese schien durchgehend sehr flach und einfach nur böse. Gegen Ende gab es hier das Potential die Thematiken der Familiendynamiken und des Verhältnisses der Geschlechter auf der Insel aufzugreifen, allerdings wurde dies einfach damit abgetan, dass manche Frauen einfach keinen guten Charakter hätten. Dies fand ich etwas enttäuschend.
Fazit:
„Die Meerjungfrau von Black Conch“ bietet gute Kommentare zum Kolonialismus in der Karibik, sowohl durch die Handlung als auch durch die Sprache. Leider ging mir der Strang, in welchem weibliche sexuelle Selbstfindung behandelt wurde, etwas zu weit in eine problematische Richtung und einige wichtige Themen wurden zu leicht abgetan.


[…] Hier geht es zur gesamten Rezension. […]