Rezension zu „Die Krone der Drachen“ von Anne Buchberger
Meine Bewertung:

Details:
Titel: Die Krone der Drachen
Autorin: Anne Buchberger
Verlag: Ivi
Seiten: 384
Kauflink: Amazon
Preis: 14,00 € (D) Taschenbuch; 11,99 € (D) E-Book
Klappentext:
„Zina lebt als Dienstmädchen im Palast des Sonnenkaisers und führt ein sklavenähnliches Dasein. Um sich aus diesem Leben befreien zu können, will sie sich auf die Suche nach der legendären Dracheninsel machen. Denn wer den König der Drachen besiegt, gewinnt dessen Macht. Nun ist die Gelegenheit so günstig wie nie zuvor: Der Sonnenkaiser hat seinen Sohn ausgeschickt, um den Drachenkönig zu töten, doch dieser konnte ihn lediglich verwunden. Auf ihrer Reise lernt Zina nicht nur sich selbst kennen, sondern taucht außerhalb der Palastmauern in eine Welt voller Magie und Geheimnisse ein …“
Zitat:
„Die Flussfresserin trieb völlig reglos vor ihr im Wasser. Ihre Schnauze stand leicht offen und die krallenbewehrten Beine zuckten noch einmal. Zinas Eltern hatten ihr beigebracht, den direkten Blick in die Augen der Tiere zu meiden, aber sie konnte sich dem hypnotischen Glanz der schmalen Pupillen nicht entziehen. Das Wasser umschloss sie von allen Seiten und plötzlich fühlte sie sich freier und gefangener denn je.“
Meine Meinung:
„Die Krone der Drachen“ wurde mir freundlicherweise von NetGalley und dem Piper Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Auf meine Meinung hat dies keinen Einfluss.
Als der älteste Sohn des Sonnenkaisers den Drachenkönig schwer verwundet, sehen die beiden Diener Zina und David ihre Chance gekommen. Gemeinsam mit dem jüngeren Sohn des Sonnenkaisers, Azad, machen sie sich auf den Weg, um das kostbare Blut zu finden. Auf ihrer Reise müssen sie sich vielen Gefahren stellen und lernen ihre Magie und sich selbst auf eine neue Weise kennen.
Fangen wir mit dem besten Teil des Buches an: Der Schreibstil der Autorin ist wunderschön! Durch die Verwendung von Bildern und Symbolik hat dieser manchmal einen beinahe lyrischen Charakter, ohne sich aufzuzwängen. Die Sätze in dieser Geschichte haben ihre ganz eigene Schönheit und wenn man sie getrennt von allem anderen betrachten würde, wäre dies sicher eines der besten Bücher, die ich seit langem gelesen habe.
Auch die grundlegende Idee des Buches hat mir sehr gut gefallen. Die Welt – oder zumindest das, was man von ihr erfährt – ist magisch, mit tollen Ideen und ich würde sie gerne erkunden. Ebenso ist die Geschichte theoretisch sehr interessant.
Leider hat mir dann die Umsetzung von alldem überhaupt nicht gefallen. Es wird so vieles vorausgesetzt, was man als Leser nicht wissen kann. Zeitweise dachte ich, dies wäre vielleicht eine Fortsetzung zu einem anderen Buch, so verloren habe ich mich gefühlt. Besonders stark merkt man dies bei den Charakteren. Die beiden Diener, Zina und David lernen den Sohn des Kaisers, Azad, anscheinend auf ihrer gemeinsamen Reise erst richtig kennen. Natürlich haben sie sich gegenseitig schonmal im Palast gesehen, es gab aber scheinbar keine richtigen Interaktionen zuvor. Dennoch unterhalten sie sich nach kurzer Zeit, als würden sie sich schon ewig kennen. Es gibt ein paar Andeutungen, dass sie sich zuvor eben auch schon kannten, offen im Text steht jedoch etwas anderes. Mich hat dieser Umstand ziemlich verwirrt und dementsprechend hat mir dann auch die Charakterentwicklung nicht gefallen. Denn nein, wenn jemand nach nur wenigen Tagen gemeinsamer Zeit genau weiß, wie sich die andere Person fühlt, wie sie charakterlich „immer“ ist und welche Gefühle sie hat, dann ist das einfach nicht überzeugend. In diesem Zusammenhang war dann auch die Liebesgeschichte nicht glaubhaft und eher seltsam.
Das Worldbuilding und das Magiesystem sind beide extrem weich. Man bekommt so gut wie nichts darüber erklärt und die wenigen Brocken, die die Autorin einem zuwirft sind zwar toll, aber oft nicht hilfreich, um Fragen zu klären. Ein Beispiel dafür sind die Flussfresser, mit denen wir es von Anfang an zu tun bekommen. Im späteren Verlauf des Buches spielt die Form dieser Tiere eine Rolle, allerdings wird uns nie genau erklärt, wie sie denn aussehen. Auch Konzepte wie der „wahre Weg“ werden einfach in den Text geworfen, ohne eine wirkliche Erklärung zu liefern. Natürlich kann man sich viel aus dem Kontext schließen, aber es bleiben eben immer Fragen offen und wenn dies bei jedem einzelnen Punkt des Worldbuildings, des Magiesystems, ja sogar bei den Charakteren so ist, dann ist das irgendwann einfach zu viel.
An einer Stelle im Buch kulminieren sich mehrere Probleme so weit, dass Zina und Azad einen kurzen, aber emotionalen Streit haben. An dieser Stelle habe ich sehr stark gemerkt, wie schwerwiegend dieses beschriebene Problem ist. Da ich keines der angesprochenen Themen wirklich verstanden habe, hatte diese gesamte Szene für mich keinerlei emotionales Gewicht. Die Charaktere hätten genauso gut über Aktien streiten können, es hätte mich vielleicht sogar mehr interessiert.
Fazit:
Dieses Buch hat mir leider gezeigt, dass ein toller Schreibstil und eine gute Idee leider eben nicht alles sind. Mir fehlte hier ein überzeugendes Worldbuilding, gute Charakterentwicklung und eine Menge Antworten auf Fragen.


