Rezension zu „Die Hungrige“ von Claire Kohda
Meine Bewertung:

Details:
Titel: Die Hungrige
Originaltitel: Woman, eating
Autorin: Claire Kohda
Übersetzung: Barbara Schaden
Verlag: btb Verlag
Seiten: 304
Kauflink: Amazon
Preis: 16,00 € (D) Taschenbuch; 12,99 € (D) E-Book
Klappentext:
Lydia hat Hunger. Seit sie denken kann, sehnt sie sich nach Sashimi, Ramen oder Onigiri mit saurer Pflaumenfüllung. Doch das einzige, was sie wirklich zu sich nehmen kann, ist Blut: Lydia ist ein Vampir und fühlt sich fremd unter den Menschen. Nach dem Auszug aus der Wohnung ihrer Mutter in ein Künstlerloft muss Lydia feststellen, dass vieles schwieriger ist als erwartet. Da sind die hippen Leute in der Galerie, in der sie ein Praktikum macht, die seltsamen Männer, die ihr Avancen machen, und Ben, ein junger Künstler, für den sie Gefühle entwickelt. Lydia weiß, dass Menschen ihre natürliche Beute sind, aber sie will ihrem Verlangen nicht nachgeben. Wie soll Lydia existieren in einer Welt, die nicht für Wesen wie sie gemacht zu sein scheint? Für welchen Weg auch immer sie sich entscheiden wird, zunächst einmal muss sie essen.

Meine Meinung:
„Die Hungrige“ wurde mir freundlicherweise vom btb Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Auf meine Meinung hat dies keine Auswirkungen.
Lydia wurde noch als Baby zum Vampir umgewandelt. Sie kann Nahrung nur in Form von Blut zu sich nehmen und doch wünscht sie sich, menschliche Nahrung essen zu können. Insbesondere japanisches Essen übt einen Sog auf sie aus – scheint es doch, als könne es sie mit der Kultur ihres verstorbenen Vaters verbinden.
Als Lydia ihre Mutter in ein Altenheim bringen muss, ist sie zum ersten Mal gezwungen, die menschliche Welt alleine zu navigieren. Zwischen schwierigen sozialen Situationen, einem Praktikum in einer Kunstgalerie und ersten Avancen, die Männer ihr gegenüber machen, muss sie ihren Weg finden, ohne sich zu verraten.
„Die Hungrige“ ist eine seltsame, künstlerische Geschichte, die sehr viele Themen auf interessante Weise zusammenbringt. Essen und die verschiedenen Kulturen darum dienen hier als Ankerpunkt und bringen alles zusammen. Lydia hat Probleme damit, ihre menschliche Seite und ihre, wie sie sie nennt, dämonische als Einheit zu sehen. Die teils obsessive Beschäftigung mit dem Essen zeigt ihr, was sie nie haben kann.
Besonders gut gefallen hat mir die Beschäftigung mit der Kunstbranche und insbesondere mit Missbrauch in dieser. Immer wieder habe ich mir die im Text erwähnten Kunstwerke angeschaut, was das Leseerlebnis für mich ungemein bereichert hat. Ich muss allerdings auch sagen, dass ich mir gerade in der zweiten Hälfte gewünscht hätte, dass der Fokus etwas stärker hier gelegen hätte. Für mich kam ein Teil des Endes aus diesem Grund etwas zu plötzlich und war nicht so befriedigend, wie es hätte sein können.
Generell hätte ich mir gewünscht, dass das Buch nicht ganz so distanziert geschrieben worden wäre. Gerade als die Geschichte im späteren Verlauf ziemlich seltsam wurde, hatte ich so manchmal nicht das Gefühl, dass mich wirklich interessiert hat, was noch passiert ist. Ich denke auch, dass das letzte Drittel ein wenig gestraffter hätte sein können.
Dennoch ließ sich das Buch wirklich sehr angenehm zügig weglesen. Der Schreibstil hat mir in dieser Hinsicht sehr gefallen. Auch wenn dieses Buch mich gedanklich vermutlich nicht lange begleiten wird, hatte ich doch eine gute und interessante Zeit beim Lesen.
Fazit:
„Die Hungrige“ ist eine etwas seltsame Geschichte, in der eine Vampirin ihren Weg in einer Welt finden muss, die nicht für sie gemacht ist. Das Buch verbindet geschickt verschiedene Themen und nutzt insbesondere Essen als Metapher. Zudem beschäftigt es sich mit der Kunstbranche und Ausbeutung innerhalb dieser. Trotz dieser interessanten Themen war mir das Buch zu distanziert geschrieben, wodurch der Funke nicht vollständig übersprang.


[…] ich zur Messe gefahren bin, habe ich noch „Die Hungrige“ beenden können. Da ich dazu bereits eine ausführliche Rezension geschrieben habe, verweise ich […]