Cover "Die Herrin der Ratten"
Fantasy Politisch

Die Herrin der Ratten

Rezension zu „Die Herrin der Ratten“ von Dorothée Brüne

Meine Bewertung:

2 Sterne von 5
Die Herrin der Ratten Cover

Details:
Titel: Die Herrin der Ratten
Autorin: Dorothée Brüne
Seiten: 190
Kauflink: Amazon
Preis: 10,49 € (D)  Taschenbuch; 5,99 € (D) E-Book

Erhältlich im Kindle Unlimited Abo

Worum geht es?

„Ratten suchen den an Schlössern reichen Ort Potsdam auf. Sie haben es auf die Kleinsten der Bewohner abgesehen. Die Pest breitet sich unter ihnen aus. Als dann auch noch der Geist eines ehemaligen Konkurrenten Lennés, des berühmten königlichen Hofgärtners, wieder aufersteht und im Verbund mit einer Erbin des Hauses der Hohenzollern fordert, in eines der heimischen Schlösser einziehen zu dürfen, steht es immer schlechter um die Bewohner Potsdams. Charlotte (Kindergärtnerin und Harfenistin) versucht gemeinsam mit dem ältesten Sohn des Oberbürgermeisters (Quirin) die Stadt vor dem feudalen Untergang zu retten. Unterhaltsam, gruselig und zum Nachdenken anregend über Demokratie und die Grenzen eines naturwissenschaftlichen Weltbildes.“

Klappentext "Die Herrin der Ratten"

Zitat:

„In Mauern, die keine Geschichte haben, kann doch niemand träumen und Spaß haben, denkt sie. Deshalb kommt es für sie gar nicht in Frage, in die neuen Räume zu ziehen. Sie möchte wieder ins Schloss. Außerdem scheint es ihr äußerst unsozial, dass eine einzelne verwöhnte Prinzessin ein ganzes Schloss für sich alleine in Anspruch nehmen darf.“

Meine Meinung:

Die Geschichte:

Wie soll ich diese Geschichte nur in Worte fassen…? An einem schönen Morgen in Potsdam bricht der Boden auf. Aus den Löchern kommen Scharen an Ratten, die sich hartnäckig gegen jede Art der Bekämpfung wehren. Nachts kommen sie durch die Toiletten in die Häuser der Menschen und verteilen Rattenflöhe mit Pesterregern an die Kinder, woraufhin diese erkranken. Als dann eine Frau eine Riesenratte zur Welt bringt, eine Erbin des Adelsgeschlechtes Hohenzollern eines der Schlösser für sich selbst einfordert und ein toter Gärtner wiederaufersteht ist das Chaos komplett.

Quirin, der Sohn des Potsdamer Bürgermeisters und die Kindergärtnerin Charlotte stehen mittendrin im Geschehen, weil zufällig alles immer genau um sie herum passiert. Beide wollen etwas tun, doch trotz vieler guter Ideen scheint nichts so wirklich zu helfen.

Die Geschichte des Buches ist völlig überladen mit Handlungssträngen und auch wenn diese meistens zusammenfließen, so hätte die Autorin meiner Meinung nach einiges weglassen können. Oft war nicht wirklich klar, was eigentlich wichtig war und was eher Nebenhandlung. Nun kann man das Buch auf zwei verschiedene Arten lesen – als Fantasyroman, oder als Geschichte, die philosophische Ideen erkundet. Leider scheitert es meiner Meinung nach in beiden Fällen.

Die Autorin wollte mit ihrem Buch dazu anregen, über Demokratie und die Grenzen eines naturwissenschaftlichen Weltbildes nachzudenken. Dazu nutzt sie diverse Metaphern, wie etwa Ratten, die die Untertanen in einem feudalistischen Staat symbolisieren sollen. Alle diese Metaphern werden dem Leser zwischendurch erklärt, was sie jedoch nicht besser macht. Die meisten scheinen auch nicht zu Ende gedacht zu sein und funktionierten daher nicht wirklich. Um die Grenzen des naturwissenschaftlichen Weltbildes zu zeigen, gibt es unter anderem Charlotte, die alles, wirklich alles durch ihre Träume und ihr „Bauchgefühl“ weiß. Die Kinder haben die Pest? Sie weiß es, während die ganzen dummen Ärzte lange brauchen, um etwas herauszufinden. Man merkt leider oft, dass die Autorin scheinbar selbst nicht so ganz wusste, was eigentlich ein naturwissenschaftliches Weltbild ist. Nur weil in ihrem Roman plötzlich übersinnliches Zeug passiert ist dieses nämlich nicht widerlegt. Dies schien sie jedoch immer wieder andeuten zu wollen.

Wenn man das Buch einfach als Fantasyroman liest ist es dagegen streckenweise ganz unterhaltsam, allerdings hätte ich mir dann etwas glaubhaftere Interaktionen gewünscht. Immer wieder werden vollkommen abwegige Informationen, wie etwa die Geburt einer Riesenratte durch einen Menschen, einfach akzeptiert, während glaubhaftere Informationen als Gerede unter Drogeneinfluss abgetan werden.

Die Charaktere:

In diesem Buch gibt es viel zu viele Charaktere. So passiert es, dass einzelne Nebencharaktere mit wenigen Sätzen eingeführt werden, mehrere Kapitel über nicht vorkommen, um dann plötzlich eine halbwegs wichtige Rolle zu bekommen. Zu dem Zeitpunkt konnte ich mich dann aber nicht mehr an sie erinnern.

Der Protagonist Quirin redet in sehr seltsamen denglisch, welches als „cool“ beschrieben wird. Tatsächlich klingt es eher, als hätte er einen Schlaganfall erlitten. Sowohl er als auch Charlotte geben recht wenig auf die Meinung von anderen und setzen regelmäßig ihre eigenen Interessen durch. In dem Lichte, dass dieses Buch für Demokratie sein möchte und dies die beiden Sympathieträger sind (oder sein sollen), fand ich dies schon erwähnenswert.

Schreibstil:

Der Schreibstil ist oft anstrengend zu lesen und eher undeutlich. An mehreren Stellen wird nicht klar, auf welches Subjekt sich ein Satz beziehen soll. Dazu kamen ein paar grammatische Fehler.

Grundsätzlich wird im Buch sehr vieles einfach nur gesagt, was dazu geführt hat, dass ich keinen wirklichen Bezug zu den Charakteren oder der gesamten Situation aufbauen konnte.

Fazit:

Wenn man das Buch als reinen Fantasyroman liest, dann ist dies eine nette Geschichte für zwischendurch, in der zu viel auf zu wenig Platz geschieht. Um zum Nachdenken über Demokratie und die Grenzen eines naturwissenschaftlichen Weltbildes anzuregen ist es dagegen, meiner Meinung nach, völlig ungeeignet.

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