Cover "Die gelbe Tapete & Herland": Vor dem Muster einer alten gelben Tapete ist der Schattenschnitt einer Frau
Feministisch Historisch Klassiker Novelle Politisch

Die gelbe Tapete & Herland

Rezension zu „Die gelbe Tapete & Herland“ von Charlotte Perkins Gilman

Meine Bewertung:
4 Sterne von 5

Details:
Titel: Die gelbe Tapete & Herland
Originaltitel: The Yellow Wallpaper / Herland
Autorin: Charlotte Perkins Gilman
Übersetzung: Vanessa Chodor, Rebecca Gruttmann, Anna Sophie Lindner, Ken Patrick Seidel, Sarah Zuchowski & Sabine Wilhelm
Verlag: Anaconda Verlag
Seiten: 290
Kauflink: Amazon
Preis: 9,95 € (D) Gebunden; 4,99 € (D) E-Book

Klappentext:

Charlotte Perkins Gilmans einflussreichste Werke in einem Band: Mit der feministischen Horrorerzählung »Die gelbe Tapete« gelang ihr 1892 der Durchbruch. Eine junge Frau wird nach der Geburt ihres Kindes zu strikter Schonung verdammt, im Bett einer Dachkammer mit vergitterten Fenstern soll sie sich erholen, von ihrem Ehemann und dem Arzt streng überwacht. Doch die Muster der Wandtapete führen ein unheilvolles Eigenleben …
In Gilmans utopischem Roman »Herland« brechen drei abenteuerlustige Männer auf zu einem geheimnisvollen »Frauenland«; die Realität der friedlichen Frauengesellschaft wird das Welt- und vor allem Frauenbild der drei für immer verändern. Als erste klassisch feministische Utopie ist »Herland« in die Literaturgeschichte eingegangen.

Klappentext "Die gelbe Tapete & Herland"
Meine Meinung:

„Die gelbe Tapete & Herland“ wurden mir freundlicherweise vom Anaconda Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Auf meine Meinung hat dies keine Auswirkungen.

In dieser Kollektion sind zwei Werke der amerikanischen Frauenrechtlerin Charlotte Perkins Gilman zusammengefasst. „Die gelbe Tapete“ ist eine Kurzgeschichte, in der von den Folgen von der Praxis der strikten Schonung berichtet wurde, die häufig für Frauen angeordnet wurde und bei der diese tagelang nichts tun durften, als im Bett zu liegen.
„Herland“ dagegen ist eine Novelle, in welcher drei junge Männer ein Land finden, in welchem nur Frauen leben. Dabei müssen sie sich ihren eigenen Vorurteilen stellen und so einiges überdenken.

Die beiden Geschichten wurden zum ersten Mal 1892 und 1915 veröffentlicht. Charlotte Perkins Gilman war amerikanische Frauenrechtlerin, was stark in beiden Geschichten mitschwingt. Während „Die gelbe Tapete“ eine Kritik an einer ärztlichen Behandlungsmethode war, welche vielen Frauen mehr schadete, als ihnen zu helfen, zeigt „Herland“ ihre Meinung zum damals vertretenen Frauen- und Männerbild.

Gerade bei „Herland“ habe ich vor allem zu Beginn gemerkt, dass sich viele der Ansichten aus heutiger Sicht gesehen nicht besonders gut gehalten haben. Das soll natürlich keine Kritik an der Geschichte darstellen, immerhin hatte die Autorin eine völlig andere Sozialisation zu ihrer Zeit. Dennoch ist mir beim Lesen immer wieder aufgefallen, dass es zwar viele Punkte gab, die damals sicher revolutionär waren und auch heute noch interessant zu lesen sind, aber eben genauso welche, die man heutzutage als „white feminism“ bezeichnen würde.

Als Blick in diese Zeit und auf den Feminismus eben dieser Zeit hat mir das Buch aber wirklich sehr gut gefallen! Ich habe nebenbei so viel über gesellschaftliche Normen von damals gelernt. Da in „Herland“ drei Männer in diese völlig andere Gesellschaft kommen, gibt es immer wieder Situationen, in welchen sie erklären, wie ihre eigene Gesellschaft funktioniert. Dies zu lesen hat mich sehr fasziniert.

Was ich jedoch tatsächlich an „Herland“ kritisieren möchte, ist die Tatsache, dass kaum ein Spannungsbogen vorhanden ist. Es geht im Buch mehr um die Beschreibung dieser Gesellschaft und auch wenn das interessant ist, hätte ich mir gewünscht, dass die tatsächliche Handlung dabei nicht so untergegangen wäre. Es gibt etwa eine Art Liebesgeschichte, wenn man es denn so nennen kann, die jedoch nur sehr zusammengefasst beschrieben wird, obwohl sie im letzten Drittel eigentlich der Fokus der Geschichte ist.

Zudem hat mich der Unterschied von dem, was gesagt und gezeigt wurde, teilweise sehr irritiert. Oft wurden Aussagen getroffen, die vom Text aber nicht gestützt wurden. Etwa wurde gesagt, dass die Gesellschaft der Frauen einen sehr großen Wert auf Unterschiede zwischen den Kindern und dadurch auf Individualität legen würde. Was wir aber zu sehen bekamen, ist eine stark homogene Gesellschaft, in welcher es für die Charaktere schwer ist, von sich als Individuum ohne die Bedürfnisse der Gesellschaft zu denken.

Diese Kritikpunkte beziehen sich aber alle rein auf „Herland“. „Die gelbe Tapete“ dagegen war eine wirklich großartige und erschreckende Kurzgeschichte, welche Gemeinsamkeiten mit Gothic Horror Geschichten hatte. Ich kann diese wirklich nur weiterempfehlen!

Fazit:

Diese Kollektion zweier feministischer Geschichten kann ich als Blick in diese Zeit nur wärmstens empfehlen. Während „Die gelbe Tapete“ eine erschreckende Kurzgeschichte ist, bietet „Herland“ eine interessante Utopie, welche zwar einen besseren Spannungsbogen gebrauchen könnte, die aber dennoch interessante Einblicke in die Gesellschaft des frühen 20. Jahrhunderts bietet.

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