Rezension zu „Die Chroniken von Alice – Finsternis im Wunderland“ von Christina Henry
Meine Bewertung:

Details:
Titel: Die Chroniken von Alice – Finsternis im Wunderland
Reihe: Die dunklen Chroniken Band 1
Autor: Christina Henry
Verlag: Penhaligon
Seiten: 352
Kauflink: Amazon
Preis: 18,00 € (D) Hardcover; 12,99 € (D) E-Book
Worum geht es?
Seit zehn Jahren ist Alice in einem düsteren Hospital gefangen. Alle halten sie für verrückt, während sie vor sich hindämmert auf der Suche nach ihren Erinnerungen. Wer ist sie? Warum befindet sie sich an diesem grausamen Ort? Und warum quälen sie jede Nacht Albträume von einem Mann mit Kaninchenohren?
Als ein Feuer im Hospital ausbricht, gelingt Alice endlich die Flucht – an der Seite des geisteskranken Axtmörders Hatcher. Doch nicht nur Alice ist frei. Ein dunkles Wesen, das in den Tiefen des Irrenhauses eingesperrt war, ist ebenfalls entkommen und auf der Jagd nach Blut.
Erst, wenn Alice dieses Ungeheuer besiegt, wird sie die Wahrheit über sich herausfinden – und was das weiße Kaninchen ihr angetan hat…“

Meine Meinung:
Vorweg muss ich sagen, dass dieses Buch wirklich sehr düster ist. Es werden einige schwere Themen, wie etwa Zwangsversklavung, Prostitution und Vergewaltigung auf teils sehr graphische Weise behandelt. Ich kann mir gut vorstellen, dass es Menschen gibt, die damit nicht so gut klarkommen. In diesem Fall würde ich empfehlen, dieses Buch nicht zu lesen.
Die Geschichte:
Wir folgen Alice auf ihrem Weg zur Selbstbestimmtheit. Zu Beginn gibt es ein wenig Hintergrundinformation über ihre Vergangenheit – viel ist es nicht, woran sie sich erinnert – und dann geht es direkt los, mit dem Brand der Irrenanstalt, in welcher sie seit 10 Jahren festgehalten wird. Alice und ihr Freund Hatcher sind im Folgenden halb auf der Flucht, halb auf der Jagd nach denen, die ihnen etwas angetan haben. Es wird an keiner Stelle langweilig. Manchmal hatte ich beinahe das Gefühl, das Buch ist etwas zu spannend, weil es einfach kaum Momente gab, an denen man es einfach mal beruhigt aus der Hand legen konnte. Aber das spiegelte auch gut Alice Situation wider: Zwischen ihrem Ausbruch aus der Anstalt und dem Ende des Buches hat sie so gut wie keine Möglichkeit zum Ausruhen. Oft macht ihr das auch wirklich zu schaffen.
Die Informationen, welche Christina Henry über die Welt gibt, sind wohldosiert und erwecken dieses Wunderland zum Leben. Ich habe mich regelrecht gefühlt, als sei ich dabei. Situationen aus dem Original „Alice im Wunderland“ werden auf verschiedene Arten in die Geschichte mit eingewebt, mal beinahe identisch, mal stark abgewandelt und mal nur anekdotenhaft erwähnt.
Das Ende hat mich zunächst ein kleines bisschen enttäuscht, da alles auf einmal sehr plötzlich ging und ein großes Finale irgendwie ausblieb. Jedoch hat dies auch Alice Entwicklung und ihre Akzeptanz der Situation gezeigt. Ohne das Ende zu spoilern ist es natürlich schwer dies genau zu erklären, jedoch denke ich rückblickend, dass es eine gute Entscheidung der Autorin war, dieses so zu schreiben.
Die Charaktere:
Die Charaktere dieses Buches sind durchweg überzeugend geschrieben. Besonders über Alice, der wir im Buch folgen, kann ich nur positives sagen. Am Anfang der Geschichte ist sie eine naive 26-Jährige, die sich allerdings eher verhält, wie ein Kind. Alice wuchs behütet und von einem Teil der Welt abgeschottet in einer reichen Familie auf. Mit 16 erlitt sie ein Trauma, an welches sie sich kaum erinnern kann und saß danach 10 Jahre lang in einer Einzelzelle in der Irrenanstalt, wo sie täglich unter Drogen gesetzt wurde. Es ist meiner Meinung nach gut nachvollziehbar, dass Alice keine Ahnung von der Welt hat, sehr naiv und ängstlich ist und teilweise auch dumme Entscheidungen trifft. Diese dummen Entscheidungen kommen allerdings immer durch ihren Charakter zustande und nicht, weil es für den Plot relevant war. Im Laufe der Geschichte macht Alice eine beachtliche Entwicklung durch. Während ihr am Anfang alles einfach passiert und sie mitläuft, trifft sie nach und nach eigene Entscheidungen, setzt sich für die Dinge ein, die ihr wichtig sind und wehrt sich. War sie am Ende des Buches eine „normale“ 26-Jährige? Nein, davon war sie meiner Meinung nach immer noch weit entfernt. Sie wirkte noch immer kindlicher und hatte zum Beispiel eine deutlich verminderte Gefühlspalette. Aber das ist auch kein Wunder, nach allem, was sie durchmachen musste.
Viele andere Charaktere kommen ebenfalls aus der originalen Alice Geschichte, sind jedoch oftmals verändert. So sind zum Beispiel die Grinsekatze (Grinser im Buch) und die Raupe keine Tiere, sondern Gangsterbosse, die diese Namen tragen. Ihr Verhalten ist jedoch lose an das ihrer Counterparts angelehnt.
Der Schreibstil:
Der gesamte Schreibstil des Buches spiegelt Alice‘ geistigen Zustand wider. Man spürt die Verwirrung, die Überforderung und die Naivität schon beim Lesen. Ich kann mir vorstellen, dass der Schreibstil nicht jedem zusagt, für mich persönlich hat er jedoch einen großen Reiz des Buches ausgemacht. Ich hatte so mehr das Gefühl, mich in Alice hineinversetzen zu können.

Fazit
Der erste Teil der Chroniken von Alice eröffnet die Serie wirklich mit einem Knall. Ich hatte das Gefühl, das Buch nicht aus der Hand legen zu können und war gefangen von der Welt. Die Charaktere sind glaubhaft und authentisch und der Schreibstil verstärkt dieses Gefühl noch.
Ich kann dieses Buch allen empfehlen, die keine Probleme mit graphischen Darstellungen von diversen Arten von Gewalt haben. Besonders Fans von „Alice im Wunderland“ werden ihre Freude mit dieser Geschichte haben.


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