Cover "Die Birkenbraut und ihr Ungeheuer"
Dark Fantasy Fantasy Romance Romantasy

Die Birkenbraut und ihr Ungeheuer

Rezension zu „Die Birkenbraut und ihr Ungeheuer“ von Arianne L. Silbers

Meine Bewertung:
2 Sterne von 5

Details:
Titel: Die Birkenbraut und ihr Ungeheuer
Autorin: Arianne L. Silbers
Verlag: Kampenwand Verlag
Seiten: 442
Kauflink: Amazon
Preis: 18,00 € (D) Taschenbuch; 4,99 € (D) E-Book

Klappentext:

„Onora liebt Bücher und gute Geschichten – zwei Dinge, für die ihr kriegslustiger Clan nichts übrighat. Und so schließt sie sich eines Tages den weisen Drunen an, die tief im Wald das Wissen der gesamten Welt versteckt halten.
Als Onora allerdings anfängt, von einer mysteriösen Tür aus Birkenholz zu träumen, wird ihr klar, dass die Drunen neben all ihren Chroniken auch Geheimnisse horten. Zusammen mit dem düsteren Hecser, der gegen seinen Willen zu ihrem Beschützer ernannt wird, schleicht sie sich schließlich in den Irrgarten der Gelehrten, um die Tür aus ihren Träumen zu finden.
Doch je tiefer Onora sich in dem von Monstern bewachten Labyrinth verläuft, desto mehr weicht ihre Furcht vor dem mitleidlosen Krieger einem ganz anderen Gefühl, das sie ins Verderben stürzen könnte, sollte sie die Birkenholztür wirklich erreichen. Denn auch Hecser verbindet etwas mit der rätselhaften weißen Tür – ein Zauber, zu alt und finster, um einen Namen zu haben. Und nicht jeder Fluch lässt sich brechen …“

Klappentext "Die Birkenbraut und ihr Ungeheuer"
Zitat:

„Onora sah durch die Dunkelheit hindurch auf den feinen Schlitz in ihrem Unterarm und das schwach funkelnde Baumblut … An einem Tag hatte er sie verletzt, von sich gestoßen, gerettet, getröstet und für sich beansprucht – er war ein gefährlicher und launischer Mann.“

Meine Meinung:

Als die schüchterne Onora vor ihrem Clan flieht und sich den weisen Drunen anschließt, hofft sie, endlich einen Ort zu finden, an den sie gehört. Doch als ihr auch dort nur Misstrauen entgegenschlägt und sie plötzlich von einer Birkenholztür träumt, beginnt sie, den Mysterien des Ortes auf den Grund zu gehen. Mit dabei ist der düstere Hecser, der zu ihrem Beschützer ernannt wurde. Und auch wenn er gefährlich ist, entwickelt Onora bald Gefühle für ihn.

Als ich begonnen habe, dieses Buch zu lesen, hat es mir anfangs wirklich gut gefallen. Man fühlt sich, als sei man in ein Märchen voller wunderschöner Ideen gefallen. Die Welt, in die uns die Autorin entführt, ist keltisch inspiriert, was mir persönlich sehr gut gefallen hat und was mich auch dazu gebracht hat, dieses Buch zu lesen.

Der Schreibstil ist bildgewaltig, altertümlich anmutend und poetisch. An manchen Stellen wirkte er zwar noch etwas unpoliert, allerdings darf man nicht vergessen, dass es sich hier um ein Debüt handelt. Ich habe den Schreibstil jedenfalls als sehr vielversprechend empfunden.

Die Autorin spielt in ihrem Buch mit vielen Tropes und Klischees und leider liegt hier auch mein größter Kritikpunkt, denn ganz vieles ist dabei enorm problematisch und nicht gut aufgearbeitet. Dass es im Buch einen wirklichen Bad Boy geben würde, war mir bewusst und ich war auch bereit, hier meine persönliche Abneigung dagegen beiseitezuschieben. Fairerweise muss man sagen, dass die Autorin diesem Trope auch definitiv gerecht geworden ist. Hecser ist ein gefährlicher Mann, der nicht nur so tut als sei er es. Natürlich gibt es hier auch wie so oft eine traurige Hintergrundgeschichte, aber hinter seinem Verhalten steckt tatsächlich noch mehr als das. Leider muss ich gestehen, dass ich absolut kein Knistern zwischen ihm und Onora spüren konnte. Die Liebesgeschichte fühlte sich an, als sei sie irgendwie angetackert worden.

Onora selbst erfüllt leider das Klischee, dass sie „nicht wie andere (Frauen)“ ist. Fairerweise bezieht sich dies in ihrem Fall nicht nur auf Frauen, sondern auf alles und jeden um sie herum. Zu Beginn des Buches wird für meinen Geschmack etwas zu oft darauf aufmerksam gemacht, dass sie etwas Besonderes und anders ist. Das bezieht sich sowohl auf ihr Aussehen, einige ihrer Eigenschaften, als auch auf ihre gesamte Art. Mich hat dies irgendwann leider ziemlich genervt.

Charakterkarte von Onora und Hecser

Grundsätzlich sind die Charaktere moralisch sehr grau, was ich normalerweise sehr in Geschichten schätze, allerdings fühlen sich viele der entsprechenden Konflikte sehr gewollt und konstruiert an. In einigen Situationen etwa könnten die Protagonisten vergleichsweise einfach die „richtige“ Handlung ausführen, entscheiden sich aber dagegen, was für mich sowieso schon nicht mehr ins graue Spektrum fällt, in anderen Situationen kommt ein Konflikt auf, der nichts für die Geschichte tut, außer die Charaktere in eine konstruierte Situation zu bringen, in der eine spezifische, normalerweise moralisch schlechte Handlung plötzlich in Ordnung ist.

Bis zu einem gewissen Punkt haben mich diese Kritikpunkte zwar etwas genervt, allerdings haben die schöne Geschichte und die interessant gestaltete Welt für mich vieles wettgemacht. Bis zu dem Punkt, an dem es eine Vergewaltigung gab, an deren Ende die Frau zu dem Schluss kam, dass sie ihren Vergewaltiger liebt. Die Handlung selbst wird als nicht wirklich schlimm, sogar teilweise richtig abgetan und es gibt ein sehr kurzes späteres Gespräch dazu in deren Verlauf er keine Schuld einsieht und sie danach kein Problem mehr damit hat. Ich werde unter dieser Rezension in einer Spoilersektion genauer erläutern, was dort passiert, da ich diese Szene so nicht unkommentiert stehen lassen kann.

Das Ende fühlte sich dann im Vergleich zum Rest des Buches eher schnell abgehandelt an und es passierte ziemlich vieles off-screen, was einem später nur nebenbei erzählt wurde. Für mich war dies etwas befremdlich und hat auch dazu geführt, dass mein Spaß am Lesen für den Rest des Buches nicht wieder geweckt wurde.

Fazit:

Auch wenn dieses Buch einen starken Anfang und eine märchenhaft anmutende Geschichte hat, gab es zu viele problematische Aspekte, die mir leider den Spaß verdorben haben. Spezifisch, dass hier eine Vergewaltigung zumindest teilweise als etwas Gutes dargestellt wird, ist für mich einfach nicht in Ordnung.

Hardcover ohne Schutzumschlag

Achtung Spoiler:

Onora wird scheinbar von einem Geist befallen, welcher nur jungfräuliche Frauen befällt und sie tötet. Die Tatsache, dass es sich hierbei nur um Jungfrauen handelt, ist für die Geschichte ziemlich irrelevant. Ohne darüber nachzudenken, ob es noch andere Möglichkeiten gibt, oder ob es wirklich eben dieser Geist ist, der für ihren Zustand verantwortlich ist, vergewaltigt Hecser sie. Dies rettet sie zwar, hinterlässt aber einen ziemlich unschönen Beigeschmack. Zumal Onora in der gleichen Szene im Anschluss klar wird, dass sie ihn liebt und Hecser in einer späteren Unterhaltung sogar möchte, dass sie sich dafür bei ihm bedankt.

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