Cover "The Vampyre": Ein schwarzes Cover mit weißen Kerzen darauf, deren Rauch den Titel umhüllt
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Der Vampyr

Eule und Klassiker: Über „Der Vampyr“ von John William Polidori

Details:
Titel: Der Vampyr
Originaltitel: The Vamypre
Autor: John William Polidori
Erscheinungsjahr: 1819

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Die Handlung:

Achtung: Dieser Abschnitt enthält Spoiler für das gesamte Buch.

Der junge und naive Engländer Aubrey begegnet dem mysteriösen Lord Ruthven, der als perfekter Gentleman erscheint. Aubrey ist fasziniert von ihm und beschließt, ihn auf eine Reise nach Rom zu begleiten. Dort bemerkt er jedoch, wie Lord Ruthven vorhat, eine junge Frau zu entehren und erhält einen Brief seines Vormundes, der ihm erzählt, dass der Charakter des Mannes sehr zweifelhaft sei. Nachdem er glaubt, Lord Ruthvens Plan mit der jungen Frau vereitelt zu haben, reist er alleine weiter nach Griechenland.

Dort lernt er die junge Ianthe kennen und verliebt sich in diese. Sie erzählt ihm von Vampiren, doch er glaubt ihr nicht. Kurze Zeit später wird sie das Opfer von Vampiren und Aubrey erkrankt aus Schuldgefühlen schwer. Während er im Fieberwahn ist, kommt Lord Ruthven in der Gegend an. Er leistet Aubrey Gesellschaft und als dieser wieder gesund ist, ignoriert er alles, was zuvor zwischen ihnen vorgefallen war.

Auf ihrer weiteren gemeinsamen Reise werden sie von Banditen angegriffen. Lord Ruthven wird tödlich verwundet. Er lässt Aubrey schwören, für ein Jahr lang nichts über seinen Tod zu verraten. Die Banditen bringen Lord Ruthvens Leichnam auf dessen Geheiß hin in den Wald ins Mondlicht, wo er am nächsten Morgen verschwunden ist. Aubrey reist zurück und erfährt, dass die junge Frau in Rom kurz nach seiner Abreise verschwand.

Als Aubrey nach Hause zurückkehrt, trifft er in der Londoner Gesellschaft erneut auf Lord Ruthven, welcher ihn an seinen Schwur erinnert. Aubrey verfällt in einen langen Schock und verlässt sein Zimmer nicht mehr. Als er erfährt, dass seine Schwester Lord Ruthven heiraten wird, schreibt er einen Brief an seine Schwester, in welcher er ihr die Wahrheit erzählt, allerdings erhält sie ihn nicht mehr rechtzeitig. Aubrey erzählt die Geschichte seinen Vormündern und stirbt daraufhin. Diese versuchen noch, seine Schwester zu retten, doch sie ist bereits tot und Lord Ruthven verschwunden.

Klappentext "The Vampyre"
Entstehungsgeschichte:

Der Vampir als Gestalt in Mythen existiert bereits seit Jahrhunderten in verschiedenen Kulturen über die Erde verteilt. Beschrieben wurden sie zumeist als animalische Monster, welche nur ihren Trieben folgen und Blut trinken. Die Gestalt wurde oftmals als aufgedunsen beschrieben und nicht selten hatte die Haut unnatürliche Färbungen. Das Vampirbild, welches wir heute im Kopf haben, stammt ursprünglich aus der Geschichte „Der Vampyr“ von John William Polidori.

Der 1795 geborene Autor war der älteste Sohn eines italienischen Wissenschaftlers und einer englischen Gouvernante. Er besuchte das Ampleforth College und später die University of Edinburgh und erwarb dort 1915 seinen Doktortitel. Ein Jahr später begann er als Leibarzt für den bekannten Schriftsteller Lord Byron zu arbeiten.

Die beiden bereisten gemeinsam Europa. In der Villa Diodate am Genfersee trafen sie sich mit Percy Bysshe Shelley, seiner Verlobten Mary Godwin und ihrer Stiefschwester Claire Clairmont. Schlechtes Wetter zwang die Gemeinschaft, im Haus zu bleiben und die Abende, an denen gemeinsam mit Laudanum versetzter Wein getrunken und Geistergeschichten gelesen wurden, brachte sie dazu, selbst Gruselgeschichten zu schreiben.

Aus dieser Zeit gingen zwei Geschichten hervor, welche neue Genre begründen sollten. Während Mary Godwin die Geschichte schrieb, welche später als „Frankenstein“ das erste Science-Fiction Werk sein sollte, begann Lord Byron einen Text, welcher von einem Mann handelte, der starb. Er verwarf diesen jedoch wieder. Auf seinen späteren Reisen nahm Polidori dieses Fragment als Inspiration und schrieb seine eigene Geschichte – den ersten Vampirroman. Dabei erschuf er die Figur des „Gentleman-Vampirs“, welche sich seitdem in verschiedenen Ausprägungen in den Medien finden lässt.

„The Vampyre“ wurde 1819 ohne Polidoris Einverständnis abgedruckt und fälschlicherweise Lord Byron zugeschrieben – sehr wahrscheinlich um die Verkäufe zu fördern.

Wirkung:

Vermutlich aufgrund der Falschzuschreibung, aber auch, weil das Buch als typische Gothic novel genau den Zeitgeschmack traf, wurde es sehr bekannt und von Kritikern und Lesern allgemein sehr positiv aufgenommen.

Auch wenn zuvor bereits ein paar Geschichten über Vampire herausgekommen waren, so bedienten sich diese am typischen Volksglauben, oder die Vampire traten nur geisterhaft in Erscheinung. Die Geschichte entfachte durch die Verwendung eines Vampirs, der sich im Adel versteckte, großes Interesse an diesen Wesen und in den nächsten Jahrzehnten entstanden viele weitere Werke, die davon stark inspiriert waren, darunter etwa „Camilla“ (1872) von Joseph Sheridan Le Fanu und „Dracula“ (1897) von Bram Stoker.

Bis heute ist das vorwiegende Bild des Vampirs in den Medien das, welches durch Polidoris „Der Vampyr“ geprägt wurde.

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3 Kommentare

  1. […] inspiriert, andererseits jedoch von dem Roman „Camilla“, welcher seinerseits stark von „The Vampyre“ von Polidori inspiriert […]

  2. […] fundamental. Auch wenn sie auf den Archetyp des „Gentleman-Vampirs“ zurückgriff, welcher in John William Polidoris „The Vampyre“ etabliert wurde, setzte Rice ihn nicht als Gegenspieler für einen Menschen ein, sondern als […]

  3. […] Hier geht es zum Beitrag. […]

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