Rezension zu „Das verborgene Zimmer von Thornhill Hall“ von Christian Handel
Meine Bewertung:

Details:
Titel: Das verborgene Zimmer von Thornhill Hall
Autor: Christian Handel
Verlag: Ueberreuter Verlag
Seiten: 384
Kauflink: Amazon
Preis: 20,00 € (D) Gebunden; 7,99 € (D) E-Book
Klappentext:
Obwohl sie ihn als Kind bei seinem Vater zurückgelassen hat, muss der 16-jährige Colin diesen Sommer mit seiner Mutter und ihrer neuen Familie in ihrem abgelegenen, alten Herrenhaus verbringen. Kaum in Thornhill Hall angekommen, scheint ihm jemand Böses zu wollen und stößt ihn kurzerhand die Treppe hinab. Als Geist wiedererwacht, muss Colin nun mit Hilfe anderer Geister und dem ebenso arrogant wie interessant wirkenden Theodore das verborgene Zimmer finden – Colins einziger Weg zurück in sein altes Leben …

Meine Meinung:
Ende des 19. Jahrhunderts muss der 16-Jährige Collin den Sommer bei seiner Mutter und ihrer neuen Familie in dem abgelegenen Herrenhaus Thornhill Hall verbringen. Noch bevor er sich mit seiner Mutter aussöhnen kann, weil sie ihn damals verlassen hat, stößt ihn jemand die Treppe hinunter. Colin erwacht als Geist und trifft die anderen Bewohner des Hauses, welche in verschiedenen Jahrzehnten dort verstorben sind. Diese erzählen ihm von einer Chance, zurück in sein altes Leben zu kommen. Nur die Geister und der arrogant wirkende Theodore, der ihn sehen kann, können ihm helfen… und die Zeit, die er dafür hat, wird knapp.
Dieses Buch wurde im Vorfeld öfter als „Downtown Abbey mit Geistern“ beschrieben. Mich hat vor allem interessiert, wie eine queere Geistergeschichte im 19. Jahrhundert aussehen würde. Generell muss ich dabei auch sagen, dass mich die Atmosphäre des Herrenhauses überzeugen konnte, aber vom 19. Jahrhundert sah man eigentlich nichts. Insbesondere in Hinblick auf die Queerness war ich hier etwas verwirrt – alle wichtigen Charaktere waren in dieser Hinsicht völlig aufgeschlossen, auch in Bezug auf die Öffentlichkeit und ihr eigenes Image. Und auch wenn ich dies generell in Ordnung fand – immerhin kann es ja auch ein alternatives 19. Jahrhundert sein – hätte ich mir dennoch gewünscht, dass die gewählte Zeit irgendeine Rolle gespielt hätte. Sogar die Sprache war hier richtig modern.
Ich mochte die beiden Protagonisten sehr gerne. Diese waren gut dargestellt und sympathisch geschrieben. Auch viele der Nebencharaktere konnten mich für sich gewinnen. Leider muss ich aber auch sagen, dass es einfach zu viele Charaktere für dieses Buch gab. Viele davon hatten nicht genug Zeit, überhaupt einen Eindruck zu machen, wodurch ich diese schnell wieder vergessen habe. Als dann irgendwann Dinge über diese aufgedeckt wurden, blieb bei mir jegliche Reaktion aus, weil ich einfach nicht mal mehr wusste, um wen es gehen sollte.
Die Liebesgeschichte ging mir einfach viel zu schnell. Beide Charaktere finden auf einen Schlag heraus, dass die Gefühle füreinander auf Gegenseitigkeit beruhen und daraufhin gibt es einfach einen riesigen Sprung in der Beziehung. Dies fühlte sich nicht natürlich an, auch wenn ich es irgendwie verstehen konnte, aufgrund der Situation, in der die beiden sich befanden. Trotz dieser Kritik muss ich dennoch sagen, dass die Dynamik der beiden später dann sehr angenehm war.
Insgesamt fühlte sich das Buch für mich leider nicht ganz kohärent an. Ich habe beim Lesen den Eindruck bekommen, dass hier eigentlich mehrere Geschichten erzählt werden sollten und diese dann in einem dafür zu kurzen Buch vereint wurden, was einfach nicht gut funktioniert hat. Dadurch gab es dann einige Nebenhandlungen, die irgendwann einfach ins Leere gingen. Ich kann mir vorstellen, dass diese die Lesenden (und Colin) auf eine falsche Fährte führen sollten, allerdings wurde das meiner Meinung nach auf eher unbefriedigende Weise getan.
Mein größter Kritikpunkt an dem Buch war allerdings leider das Ende. Hier gab es eine Enthüllung, die mit einer sehr bekannten Kinderbuchgeschichte zu tun hat. Leider gab es darauf zuvor keine guten Hinweise, wodurch dies einfach nicht zum restlichen Buch passte. Ich frage mich sowieso, was spezifisch dieses Kinderbuch mit dieser Geschichte zu tun haben sollte.

Fazit:
„Das verborgene Zimmer von Thornhill Hall“ konnte mich leider nicht ganz überzeugen. Trotz einer schönen Atmosphäre und sympathischen Protagonisten, hat die Vielzahl an Nebencharakteren und Nebenhandlungen dafür gesorgt, dass ich schnell den Überblick verloren habe. Besonders störend war allerdings das Ende, welches so gar nicht zum Rest der Geschichte passen wollte.

