Rezension zu „Das neunte Haus“ von Leigh Bardugo
Meine Bewertung:

Details:
Titel: Das neunte Haus
Originaltitel: Ninth House
Reihe: Alex Stern Band 1
Autorin: Leigh Bardugo
Übersetzung: Michelle Gyo
Verlag: Knaur
Seiten: 528
Kauflink: Amazon
Preis: 18,00 € (D) Taschenbuch; 9,99 € (D) E-Book
Klappentext:
„Acht mächtige Studenten-Verbindungen beherrschen nicht nur den Campus der Elite-Universität Yale, sondern nehmen seit Generationen Einfluss auf Politik, Wirtschaft und Gesellschaft der USA – das neunte Haus jedoch überwacht die Einhaltung der Regeln. Denn die Macht der Verbindungen beruht auf uralter, dunkler Magie: So können die Mitglieder der »Skull & Bones« die Börsenkurse aus den Eingeweiden lebender Opfer vorhersagen, während Haus Aurelian durch Blutmagie Einfluss auf das geschriebene Wort nehmen kann – ebenso hilfreich für Juristen wie für Bestseller-Autoren …
Als auf dem Campus von Yale eine Studentin brutal ermordet wird, sind die Fähigkeiten der Außenseiterin Alex Stern gefragt, die eben erst vom neunten Haus rekrutiert wurde: Nur Alex ist es auch ohne den Einsatz gefährlicher Magie möglich, die Geister der Toten zu sehen. Um eine Verschwörung aufzudecken, die weit über 100 Jahre zurückreicht, muss Alex ihre Fähigkeiten bis aufs Äußerste ausreizen.“

Zitat:
„Belbalm hatte Alex einmal gefragt, was sie wollte. Sicherheit. Eine Chance auf ein normales Leben. Das war ihr damals zuerst in den Sinn gekommen – die Stille von Belbalms Büro, die blühenden Kräuter in den Fensterkästen, ein passendes Set Teetassen, statt verlorene Jobs und Werbegeschenken.“
Meine Meinung:
Eigentlich hätte Alex Stern keine Chance am Elite-College Yale angenommen zu werden, doch sie hat die Gabe, Geister zu sehen, weshalb die Geheimorganisation Lethe sie rekrutiert. Lethe ist dafür zuständig die acht mächtigen Studenten-Verbindungen von Yale zu überwachen. Als ein brutaler Mord geschieht, sieht Alex Zeichen, die darauf hindeuten, dass diese damit in Verbindung stehen, doch keiner will ihr glauben.
„Das neunte Haus“ ist eines dieser Bücher, die mich in Bezug auf meine Meinung sehr spalten. Einerseits baut das Buch eine unglaublich gute, gruselige Atmosphäre auf. Man fühlt sich beim Lesen wirklich, als sei man im Herbst und Winter auf dem Campus dieser alten Universität, umgeben von alten Büchern, Geistern, Geheimorganisationen und vielem mehr. Der Schreibstil der Autorin ist unbeschreiblich gut und auch wenn die Übersetzung zeitweise nicht ganz überzeugen konnte, kann man es auch in der deutschen Version erahnen.
Andererseits hatte ich viel zu oft das Gefühl, dass nicht wirklich etwas passiert. Eigentlich verfolgt man als Leser zwischenzeitlich vier verschiedene Mysterien, die wieder und wieder aufgebaut und erwähnt werden. Und dennoch zog sich die Handlung zeitweise wie Kaugummi. Besonders die ersten knapp 150 Seiten fielen mir beim Lesen wirklich schwer. In dieser Zeit wird zwar immer wieder erwähnt, dass es ein Geheimnis gibt, aber statt irgendetwas darüber preiszugeben passiert einfach nicht so wirklich etwas.
Genauso lange hat es für mich auch gedauert, um mit Alex als Charakter warm zu werden. Und selbst danach hatte ich oft das Gefühl, dass ich ihre Motive nicht wirklich verstehe. Ich hätte sie eigentlich wirklich gerne gemocht, aber bis zum Ende bekam man immer nur stückchenweise zu sehen, wer sie ist und für mich widersprachen sich diese Stücke ab und zu. Das hat es mir eher schwer gemacht.
Ein Charakter, der dafür sehr geglänzt hat, war ihr Mentor, Darlington. Von diesem hätte ich gern mehr gesehen, aber selbst in der kurzen Zeit, die er da war, hat er es geschafft zu meinem Favoriten zu werden.

Im Buch wird mehrfach thematisiert, wie Macht funktioniert und ausgenutzt werden kann. Wie privilegierte, weiße Jungen das Gefühl haben, zu allem berechtigt zu sein und sich alles nehmen zu dürfen, was sie wollen. Ebenfalls wird thematisiert, welche Auswirkungen diese Dynamik für die Opfer haben kann. Die Autorin geht hier ins Detail und scheut sich nicht davor, klar zu zeigen, welche Problematik sie hier sieht. Dies ist geschickt in die Geschichte eingewoben und gibt ihr noch mehr Tiefe. Allerdings wären Triggerwarnungen für das Buch mehr als angebracht gewesen.
Fazit:
„Das neunte Haus“ überzeugt zwar mit einer dichten, gruseligen Atmosphäre und einer komplexen Geschichte, leider geht dies jedoch zu Lasten des Tempos. Auch die Protagonistin Alex hätte ein wenig besser ausgestaltet werden können.


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