Rezension zu „Das Jahr der Hexen“ von Alexis Henderson
Meine Bewertung:

Details:
Titel: Das Jahr der Hexen
Originaltitel: The Year of the Witching
Reihe: Bethel Band 1
Autorin: Alexis Henderson
Übersetzung: Susanne Picard
Verlag: Festa
Seiten: 530
Kauflink: Amazon
Preis: 19,99 € (D) Taschenbuch; 5,99 € (D) E-Book
Klappentext:
„In Bethel ist das Wort des Propheten Gesetz. Allein Immanuelles bloße Existenz durch die Liebe ihrer Mutter zu einem Fremden ist Gotteslästerung.
So wie alle anderen Frauen in der Siedlung führt Immanuelle ein Leben der Unterwerfung und absoluten Hingabe.
Doch dann betritt sie die verbotenen Dunklen Wälder, die Bethel umgeben. Sie werden von den Geistern von vier Hexen heimgesucht. Diese machen Immanuelle ein außergewöhnliches Geschenk: Das Tagebuch ihrer verstorbenen Mutter …
Fasziniert von den geheimnisvollen Aufzeichnungen, fällt es Immanuelle schwer zu verstehen, weshalb sich ihre Mutter mit den mächtigen Hexen verbündete. Bis sie die grausame Wahrheit über den Heiligen Krieg des ersten Propheten erfährt, bei dem unzählige Frauen und Mädchen missbraucht, gefoltert und verbrannt wurden.“

Zitat:
„Was Mädchen wie Immanuelle anging, die aus den Vororten stammten, einen dunklen Teint hatten, rabenschwarze Locken und Wangenknochen, die vorsprangen, als wären sie aus Stein gemeißelt … Nun solche Mädchen erwähnten die Schriften nicht. Niemals.“
Meine Meinung:
Immanuelle lebt ihn Bethel, einem Ort, in dem eine puritanische Religion herrscht. Da ihre Eltern nicht verheiratet waren und ihr Vater zudem noch Schwarz, ist ihre Stellung in der Gesellschaft vorbelastet. Dennoch unterwirft sie sich den strengen Regeln und stellt sie nicht in Frage, bis sie eines Tages die dunklen Wälder betritt und dort auf die Hexen trifft. Diese geben ihr das alte Tagebuch ihrer Mutter und was Immanuelle darin findet, lässt sie plötzlich vieles in Frage stellen.
Es fiel mir schwer, in dieses Buch hineinzufinden. Zu einem großen Teil lag das am Schreibstil, der mir einfach nicht zugesagt hat. Nun muss man dazu natürlich sagen, dass dies vielleicht auch an der Übersetzung liegen kann. Hierfür habe ich keinen Vergleich mit der originalen Version.
Es lag aber auch an den Charakteren. Diese waren nicht besonders gut ausgearbeitet und teils auch widersprüchlich. Selbst jetzt, nachdem ich das gesamte Buch gelesen habe, könnte ich nicht wirklich benennen, was die Protagonisten eigentlich ausmacht. Ein ähnliches Problem hatte ich mit den Orten. Immer wieder hieß es, die Charaktere seien gerade irgendwo, etwa dem Vorort oder dem Wald, aber es gab selten Bezüge zueinander oder Beschreibungen. Ich habe mich beim Lesen dadurch oft verloren gefühlt.
Besonders zu Beginn zog sich die Geschichte zudem. Ich kann nicht genau benennen woran es lag, aber es vor allem auf den ersten hundert Seiten habe ich mehrfach mit dem Gedanken gespielt, das Buch doch abzubrechen.

Zur Mitte hin kam etwas Fahrt auf und ich hatte trotz meiner Probleme doch Spaß an der Geschichte. Dennoch kann ich dem Buch keine besonders hohe Wertung geben. Dafür gab es einfach zu viele weitere Kritikpunkte. Das meiste waren Kleinigkeiten, wie etwa, dass das Magiesystem nie wirklich erklärt wird, Immanuelle dennoch immer im richtigen Moment weiß was sie tut. Oder dass die Lösungen für einige Probleme widersprüchlich sind.
Aber mein größtes Problem liegt darin, dass es sich hier angeblich um eine feministische Geschichte handeln sollte. Und davon hat man, außer ein paar plakativen Phrasen, nicht viel gemerkt. Im Endeffekt ist es doch wieder ein Mann, der alle Plotpunkte möglich macht und ohne den Immanuelle vollkommen aufgeschmissen wäre. Eben dieser Mann, der zufällig der zweitmächtigste Mann des Ortes ist, ist es, der Immanuelle, einer Frau multi-ethnischer Abstammung, erklärt, was Unterdrückung ist. Zudem wird das Patriachat im Buch wieder mal nur durch einen grausamen Mann symbolisiert, während alle anderen Männer eigentlich zu den Guten gehören und Frauen nicht benachteiligen. Man kann hier zwar argumentieren, dass auch deren Schweigen die allgemeine Behandlung der Frauen möglich macht, aber davon kommt meiner Meinung nach im Buch nicht viel rüber. Ich könnte leider noch viel mehr Punkte aufzählen, die dafür sorgen, dass der feministische Anspruch ins Absurde geführt wird, allerdings müsste ich hierfür größere Teile des Buches spoilern.
Fazit:
Leider konnte mich „Das Jahr der Hexen“ nicht überzeugen. Auch wenn die Geschichte ab der Mitte durchaus spannend war, waren die Charaktere flach, der Schreibstil nicht angenehm zu lesen und von der versprochenen feministischen Geschichte war nichts zu sehen.

