Rezension zu „Das Gold der Krähen“ von Leigh Bardugo
„Das Gold der Krähen“ ist der zweite Teil einer Dilogie. Meine Rezension enthält Spoiler zum vorherigen Buch. Die Rezension zu Teil 1 gibt es hier.
Meine Bewertung:

Details:
Titel: Das Gold der Krähen
Originaltitel: Crooked Kingdom
Reihe: Glory or Grave Band 2
Autorin: Leigh Bardugo
Übersetzung: Michelle Gyo
Verlag: Knaur
Seiten: 592
Kauflink: Amazon
Preis: 16,99 € (D) Taschenbuch; 14,99 € (D) E-Book
Klappentext:
„Kaz Brekker und seinen Krähen ist ein derart spektakulärer Coup gelungen, dass sie selbst nicht auf ihr Überleben gewettet hätten. Statt der versprochenen fürstlichen Belohnung erwartet sie jedoch bitterer Verrat, als sie nach Ketterdam zurückkehren. Haarscharf kommen die Krähen mit dem Leben davon, Kaz’ Geliebte Inej gerät in Gefangenschaft. Doch Kaz trägt seinen Spitznamen »Dirtyhands« nicht ohne Grund – von jetzt an ist ihm kein Deal zu schmutzig und kein Risiko zu groß, um Inej zu befreien und seinen betrügerischen Erzfeind Pekka Rollins zu vernichten.“

Zitat:
„Ich pflege keinen Groll. Ich drücke ihn zärtlich an mich. Ich verhätschle ihn. Ich füttere ihn mit den besten Stücken und schicke ihn auf die besten Schulen.“
Meine Meinung:
Nachdem den sechs Krähen ein spektakulärer Einbruch ins Eistribunal gelungen ist, erwartete sie in der Heimat nicht der versprochene Lohn, sondern nur Verrat. Doch Kaz ist nicht gewillt, einfach aufzugeben und als Inej entführt wird, sinnt er auf Rache. Das Team schmiedet neue Pläne, um sich zu holen, was ihnen gehört.
Wie auch beim Lesen des ersten Teils kam mir das Alter der Protagonisten eher unrealistisch vor. Es war in diesem Buch jedoch leichter zu ignorieren – oder ich habe einfach langsam Übung darin, mir diese älter vorzustellen als sie sind.
Abgesehen davon sind die Charaktere in diesem Buch jedoch noch besser geschrieben als zuvor sowieso schon. Jeder Blickwinkel lässt einen in den Kopf des jeweiligen Charakters sehen und das so gut, dass man selbst bei den schwierigeren Charakteren versteht, wieso diese so handeln. Die Autorin beweist großes Geschick darin, Traumata sensibel so darzustellen, dass man diese als Leser nachvollziehen kann. Auch wenn die Darstellung von Suchterkrankungen im Gegensatz dazu wirklich sehr einfach ausfällt, finde ich es insgesamt gut gelungen die Protagonisten von allen Seiten zu zeigen, auch ihren dunklen.

Leider muss ich gestehen, dass mich die Geschichte diesmal weit weniger packen konnte als im ersten Band. Während ich beim letzten Mal zwar einige Wendungen kritisiert habe, weil sie die Spannung etwas verringert haben, war ich insgesamt doch gefesselt. In diesem Buch dagegen gab es längere Strecken, in denen ich mich sogar ein wenig gelangweilt habe.
Dafür verantwortlich waren hauptsächlich zwei Dinge. Zum einen hatte ich wieder das Gefühl, dass die meisten Missgeschicke, die den Krähen geschehen, nur Teil des Plans waren, weshalb ich viele spannende Situationen nicht mehr wirklich ernst nehmen konnte. Zum anderen war dieses Buch aber auch viel weniger strukturiert als das letzte. Statt einem klaren Plan, den das Team verfolgt, gibt es sehr viele, die sich zwischenzeitlich ändern. An einem Punkt im Buch verfolgen die Krähen drei Pläne gleichzeitig, von denen zwei im Endeffekt nur sehr wenig Relevanz haben. Insgesamt hatte ich hier zu oft das Gefühl, dass das übergeordnete Ziel etwas in Vergessenheit geraten ist.
Aber obwohl sich das Buch für mich streckenweise zog, konnte mich das Finale doch wieder packen. Dieses ist spannend, voller Wendungen und hat durchaus auch emotionale Szenen. Für mich hat dies wieder einige Längen im Mittelteil wettgemacht!
Ich möchte aber auch nicht unerwähnt lassen, dass sich im Buch mehrere Spoiler für die originale Grisha-Trilogie finden. Mir wurde zuvor gesagt, dass es kein Problem sei die Krähen-Dilogie zuerst zu lesen und auf Band 1 bezogen stimmt das auch. Hier jedoch wurde für meinen Geschmack doch einiges zu viel verraten! Natürlich hat dies keine Auswirkungen auf meine Bewertung, jedoch möchte ich das für weitere Interessenten der Buchreihen nicht auslassen.

Fazit:
Auch wenn „Das Gold der Krähen“ zwischenzeitlich einige Längen hat, so sind das spannende Finale und die sehr gut geschriebenen Charaktere es doch wert, diesem Buch eine Chance zu geben!

