Rezension zu „Das Geheimnis der Talente“ von Mira Valentin
Meine Bewertung:

Details:
Titel: Das Geheimnis der Talente
Reihe: Talente-Reihe Band 1
Autorin: Mira Valentin
Seiten: 462
Kauflink: Amazon
Preis: 24,90 € (D) Hardcover; 14,99 € (D) Taschenbuch; 4,99 € (D) E-Book
Klappentext:
Kennst du sie, diese besonderen Menschen, deren Sog dich schonungslos mitreißt? Pass gut auf, denn jeder von ihnen könnte ein Dschinn sein! Stell dir vor, du entwickelst eine seltsame Gabe: Auf einmal triffst du mit jedem Ball in den Korb, mit jedem Pfeil ins Ziel. Genau so ergeht es Melek – doch lange kann sie sich nicht darüber freuen. Denn Jakob, der Anführer einer geheimen Gruppierung, offenbart ihr, dass ihr »Talent« erwacht sei und sie fortan gegen mystische Gestaltwandler kämpfen soll. Diese verführerischen »Dschinn« rauben ihren Opfern durch einen Kuss alle Gefühle und lassen mitleidlose, kaltherzige Menschen zurück, deren Taten seit jeher die Welt aus dem Gleichgewicht bringen. Nur die Talente sind in der Lage, das zu verhindern. Melek muss sich entscheiden – zwischen ihrem alten und dem neuen Leben, zwischen Sicherheit und höchster Gefahr. Und irgendwie auch zwischen den Talenten und den Dschinn. Denn einer ihrer Feinde scheint gar nicht so böse zu sein, wie ihr erzählt wurde.

Zitat:
„Während ich mich auf das Ziel konzentriere, werde ich eins mit ihm. Der Ring und die Flugbahn des Balls verbinden sich wie durch ein unsichtbares Band mit meiner Wurfhand. Wenn ich loslasse, habe ich das Gefühl, als würde ich den Ball ganz sachte direkt ins Ziel hineinlegen.“
Meine Meinung:
Während des Basketballtrainings fällt Melek auf, dass sie plötzlich nicht mehr danebentreffen kann. Jeder Wurf findet sein Ziel. Als sie von dem geheimnisvollen Jakob rekrutiert wird, erfährt sie auch den Grund dafür: In ihr ist ein Talent erwacht und sie soll nun mit anderen Talenten gegen die Dschinn kämpfen – Monster, die ihren Opfern mit einem Kuss die Gefühle aussaugen. In der Schule geächtet, von den eigenen Eltern nicht verstanden, findet Melek hier ihren Platz. Doch ihr neues Leben ist voller Gefahr und dann ist da auch noch ein Dschinn, der scheinbar nicht wie die anderen ist.
Dieses Buch gehört zu denen, die ich echt gern mögen wollte, aber es einfach nicht konnte. Aber fangen wir mit dem positiven an. Der Schreibstil ist sehr angenehm flüssig zu lesen und zeigt Potential. Das Buch ist ein frühes Werk der Autorin, das neu aufgelegt wurde, daher bin ich mir sicher, dass heutige Romane aus ihrer Feder noch besser geschrieben sind.
Auch der grundlegende Aufbau des Buches war sehr gut. Von dem Zeitpunkt, an dem Melek von der geheimen Welt der Talente erfährt, bis zum spannenden Finale ist alles perfekt ausbalanciert, mit Plotttwists an den richtigen Stellen. Jede Thematik und jedes Element in Meleks Leben erhält genau die Aufmerksamkeit, die nötig ist. Mir war nie langweilig und ich hatte nicht das Gefühl, dass Szenen oder Entwicklungen gehetzt wurden.
Leider gab es wirklich vieles, was mir in diesem Buch so gar nicht gefallen hat. Spezifisch die Darstellung von Frauen war meiner Meinung nach grenzwertig. Es fängt damit an, dass Melek natürlich nicht wie andere Frauen ist. Das alleine wäre schon nervig genug für mich, denn den Trope kann ich einfach nicht mehr sehen, aber es betrifft auch beinahe alle anderen Frauen. Jede einzelne wird extrem negativ dargestellt. Die meisten werden als zickig nur fokussiert auf Männer dargestellt. Typisch weibliche Attribute werden durchgehend als negativ dargestellt. Ein Charakter wird sogar ganz offiziell in der Charakterauflistung als „Schultussi“ aufgeführt. Die einzigen Frauen, die dies nicht betrifft, sind die, die keine direkte Konkurrenz für Melek sind. Also etwa die 13-Jährige, die sich eher benimmt, wie ein Kind.
Es wird auch immer und immer wieder darauf herumgeritten, dass Frauen weniger geeignet wären für den Militärdienst als Männer. Wenn sich dies nur darauf beziehen würde, dass sie Männern in der Regel körperlich unterlegen sind dann wäre dies eine Sache, aber es wird darauf Bezug genommen, dass sie zu emotional seien. Spezifisch geht es darum, dass sie sich in den Anführer verlieben würden. Mal abgesehen davon, dass sich auch Männer in Männer verlieben können, fand ich es schon bezeichnend, dass hier ständig so schlecht von Frauen gesprochen wurde.
Das Liebesdreieck (wobei es eigentlich schon mehr als ein Dreieck war) des Buches hat mich auch nicht wirklich überzeugen können. Auch diesen Trope mag ich nicht besonders. Aber auch abgesehen davon hatte ich nicht das Gefühl, dass zwischen den Charakteren Chemie herrschte. Es fühlte sich eher wie ein seltsames, überladenes hin und her an.

Die Art, wie Informationen über die Talente gegeben wurde, war nicht immer optimal gelöst. So gibt Melek dem Lesenden viele Informationen als völlig selbstverständlich, die sie entweder noch gar nicht wissen kann, oder die sie selbst gerade erst erfahren hat. Es wirkt, als sei sie bereits seit Jahren dabei und nicht erst seit wenigen Tagen.
Zuletzt war die große Menge an Charakteren nicht optimal für das Buch. Die meisten blieben relativ zweidimensional und hatten nur eine oder zwei Eigenschaften. Die anderen blieben völlig Eigenschaftslos, so dass ich mich zwischendurch nicht mehr erinnern konnte, wer sie eigentlich waren. Dadurch funktionierten für mich auch einige eigentlich emotionale Momente gegen Ende des Buches nicht.
Ich möchte wirklich gerne nochmal ein anderes Buch der Autorin lesen, da ich einige sehr positive Aspekte an der Art und Weise sehe, wie sie ihre Geschichte aufgebaut und erzählt hat. Dennoch werde ich diese spezifische Reihe nicht fortsetzen.
Fazit:
Leider konnte ich mit diesem Buch nicht wirklich etwas anfangen. Mir wurden zu viele Klischees bedient und spezifisch die Darstellung von Frauen fand ich grenzwertig. Dennoch hat mir der Schreibstil der Autorin gut gefallen und ich glaube, ein später geschriebenes Buch von ihr könnte mir mehr zusagen.

