Eule und Klassiker: Über „Das Bildnis des Dorian Gray“ von Oscar Wilde
Details:
Titel: Das Bildnis des Dorian Gray
Originaltitel: The Picture of Dorian Gray
Autor: Oscar Wilde
Erscheinungsjahr: 1890/1891
Verlag: wbg (nicht mehr erhältlich)
Kauflink: Amazon
Die Handlung:
Der Dandy, Lord Henry Wotton lernt durch den erfolgreichen Maler Basil Hallward den jugen Dorian Gray kennen. Dieser ist neu in der Stadt und gewinnt durch sein jugendliches Aussehen jeden für sich. Lord Henry macht Dorian darauf aufmerksam, dass sein gutes Aussehen mit dem Alter verschwinden wird und als dieser nun sein fertiges Bild betrachtet ruft er aus, das Bild möge an seiner statt altern.
Lord Henry ist von Dorian fasziniert und beginnt damit, mehr über dessen Vergangenheit herauszufinden. Zudem bringt er Dorian dazu, hedonistisch und ohne Moral zu leben.
Dorian verliebt sich in die Theaterschauspielerin Sibyl Vane und macht ihr nach nur wenigen Tagen einen Antrag. Sibyl selbst erzählt ihrer Familie von ihrem Verlobten, den sie nur „Märchenprinz“ nennt. Der Bruder ist kurz davor, nach Australien aufzubrechen, verspricht jedoch, dass er diesem Verlobten etwas antun wird, wenn er seine Schwester nicht gut behandeln sollte.
Als Dorian Basil von seiner Verlobung berichtet, ist dieser entrüstet, dass sein guter Freund ihm nicht früher etwas gesagt hat. Dennoch geht er, wie auch Lord Henry, zu einer Theateraufführung mit Sibyl in der Hauptrolle. Sie spielt jedoch so schlecht, dass beide vorzeitig die Aufführung verlassen. Dorian stellt sie zur Rede und sie sagt, sie habe das Theater für die Wirklichkeit gehalten, doch er habe ihr gezeigt, was die Wirklichkeit sei. Dorian weist sie daraufhin zurück.
Zurück in seinem Haus betrachtet Dorian sein Portrait und sieht, dass dieses plötzlich grausame Gesichtszüge hat. Erschrocken beschließt er, am nächsten Tag das richtige zu tun und Sibyl dennoch zu heiraten. Doch dann erfährt er, dass sie sich vergiftet hat. Kurz ist er bestürzt, dann beginnt er, angestachelt von Lord Henry, das Ganze mit einer griechischen Tragödie zu vergleichen. Noch am gleichen Abend geht er wieder in die Oper.
In den nächsten Jahren lebt Dorian ohne jegliche Moral und von Hedonismus getrieben. Sein Bildnis betrachtet er regelmäßig und beobachtet fasziniert den Verfall.
Schließlich besucht ihn Basil. Dieser will nach Paris abreisen und Dorian ein letztes Mal sehen. In einem Streit um dessen lasterhaftes Leben, zeigt Dorian ihm das Portrait, welches sich mittlerweile in das Abbild eines Satyrs verwandelt hat. Als Basil erkennt, was dies bedeutet, bringt Dorian ihn um. Am nächsten Tag erpresst er einen Chemiker dazu, die Leiche mit Salpetersäure zu entsorgen.
Dieses Ereignis sorgt dafür, dass Dorian wahnsinnig wird. Er flüchtet sich in eine Opiumhöhle, wo er einige Menschen trifft, die er ruiniert hat. Eine davon spricht ihn mit seinem alten Spitznamen „Märchenprinz“ an. Sibyl Vanes Bruder, der sich ebenfalls dort befindet, hört dies und versucht, Dorian zu ermorden. Dieser weist jedoch darauf hin, dass Sibyl sich vor 18 Jahren umgebracht hat. Da er selbst noch immer jung aussieht, könne er nicht ihr damaliger Verlobter gewesen sein.
Dorian wird immer paranoider und sieht Sibyls Bruder nun überall. Auf einer Jagdgesellschaft wird dieser jedoch versehentlich erschossen, wodurch sich Dorian nun endlich frei wähnt. Er versucht, sein Leben zu ändern, stellt jedoch schnell fest, dass dies zu spät ist. Er beschließt daher, das Portrait zu zerstören, um jegliche Spuren seines inneren Verfalls zu beseitigen. Er sticht mit dem Messer in das Bild. Später wird seine Leiche gefunden. Das Bild ist unversehrt und zeigt ihn in jungen Jahren, während er selbst zur Unkenntlichkeit verstellt ist.

Entstehungsgeschichte:
Es gibt verschiedene Versionen, wie Oscar Wilde auf die Idee zum Roman gekommen ist. In einigen wurde er selbst portraitiert und rief aus, das Bild möge doch an seiner statt altern, in anderen war er anwesend, wie ein Bekannter gemalt wurde und der Maler rief eben dieses aus. So oder so hat Wilde in diesem Buch einiges verarbeitet, was er selbst erlebte.
Besonders hervor sticht die Kritik an der englischen Oberschicht seiner Zeit. Die Darstellung von verschiedenen klischeehaften Typen von Personen, die oftmals lasterhaft und hedonistisch lebten, ist leicht zu erkennen.
Auch Motive der Homosexualität finden sich, etwa in Basils und Lord Henrys Bewunderung von Dorians Schönheit. Wilde selbst hatte mehrere Verhältnisse mit Männern. Als dies öffentlich wurde, wurde er zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt. Im Prozess wurden Passagen aus „Das Bildnis des Dorian Gray“ als Beweismittel vorgebracht.
Wirkung:
„Das Bildnis des Dorian Gray“ wurde zunächst in einer Zeitschrift abgedruckt. Die zeitgenössischen Kritiker reagierten nicht besonders wohlwollend auf das Buch. Der Schreibstil sei zu ausschweifend und vor allem sei der Text äußerst unmoralisch. Eine überarbeitete Fassung erschien ein Jahr später in Buchform. Diese Version wurde deutlich besser aufgenommen.
Über die Zeit hinweg trat die Frage, ob das Buch selbst unmoralisch sei in den Hintergrund und es wurde mehr auf die kunsttheoretischen Implikationen geachtet. Auch wenn bis heute oft stilistische Mängel kritisiert werden, ist „Das Bildnis des Dorian Gray“ doch Teil der Weltliteratur.
Und wie hat es mir gefallen?
Ich habe etwas länger gebraucht, um ins Buch hineinzufinden. Die Kritik, dass der Schreibstil ausschweifend sei, kann ich absolut nachvollziehen. Die ersten Kapitel über musste ich oft genug Abschnitte zweimal lesen, weil die Erzählung so weitschweifig wurde, dass ich völlig den Fokus verloren habe.
Aber es hat sich doch gelohnt, durchzuhalten! Als ich mich an Wildes Stil gewöhnt habe, wurde ich mit einem Buch voller intelligenter Unterhaltungen, kluger Gedanken und einer Geschichte zum Nachdenken belohnt. Auch wenn ich einigen der moralischen Implikationen des Textes nicht zustimme, so hat dieser Text sich nicht belehrend angefühlt, wodurch ich es dennoch als angenehm empfunden habe, über die vertretenen Standpunkte nachzudenken.
An einigen Stellen fehlte mir leider das zeitgeschichtliche Wissen, um gewisse Passagen ausreichend würdigen zu können. Gerade in Szenen, in denen Vertreter der Oberschicht zusammensitzen und gewitzte Konversationen entstehen, habe ich zwar gemerkt, dass hier etwas karikiert werden sollte, konnte jedoch den Zusammenhang nicht immer verstehen.
„Das Bildnis des Dorian Gray“ ist definitiv ein Klassiker, den ich jedem, der Interesse am viktorianischen Zeitalter hat, wärmstens empfehlen kann!


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