Rezension zu „Cinderella ist tot“ von Kalynn Bayron
Meine Bewertung:

Details:
Titel: Cinderella ist tot
Originaltitel: Cinderella is dead
Autorin: Kalynn Bayron
Übersetzung: Antonia Zauner
Verlag: Heyne
Seiten: 386
Kauflink: Amazon
Preis: 18,00 € (D) Hardcover; 13,99 € (D) E-Book
Die hier abgebildete Ausgabe ist eine Sonderedition der Bücherbüchse und so nicht mehr erhältlich.
Klappentext:
Sophia lebt in Cinderellas Königreich, zweihundert Jahre nach jener Ballnacht, in der Cinderella ihren Traumprinzen fand. Doch Cinderellas Geschichte dient inzwischen nur noch dazu, die Frauen zu unterdrücken und sie möglichst schnell bei einem großen Festakt im Schloss unter die Haube zu bringen. Wer sich diesem Ritual verweigert, wird getötet, und wer am Ende der Ballnacht noch keinen Mann hat, wird ausgestoßen und verfolgt. Doch Sophia will keinen Mann. Sie flüchtet in den verwunschenen Wald – und trifft dort Constance, die ihr zeigt, dass sie die Kraft hat, ihr Schicksal und ihre Welt für immer zu verändern …

Meine Meinung:
Die junge Sophia muss sich auf ihren ersten königlichen Ball vorbereiten, welcher abgehalten wird, seit Cinderella vor 200 Jahren ihren Traumprinzen auf einem fand. Doch Frauen werden hier als Ware gesehen und die Geschichte nur genutzt, um sie gefügig zu machen. Sophia will allerdings nicht heiraten, schon gar keinen Mann und überlegt, wie sie mit ihrer großen Liebe Erin zusammen sein kann. Doch dann widersetzt sie sich auf dem Ball offen dem König und muss fliehen.
„Cinderella ist tot“ gehörte zu den Büchern des Jahres auf deren Erscheinen ich mich am meisten gefreut habe. Erwartet hatte ich eine feministische Geschichte mit queeren PoC-Charakteren, von der ich schon so viel Gutes gehört hatte. Bekommen habe ich zwar theoretisch all dies, allerdings ließ die Ausarbeitung doch einiges zu wünschen übrig. Tatsächlich ging es eher darum, wie zwei junge Mädchen das Patriarchat mit einem Dolch besiegen, weil alle Männer zu dumm sind, um irgendetwas zu tun.
Das Problem fing bereits beim Worldbuilding an. In der Theorie fand ich die Idee, Cinderellas Geschichte zu nutzen, um patriarchale Strukturen zu verstärken, richtig gut und kreativ. In Märchen sind die Prinzessinnen oft stumm und verlieben sich brav in den richtigen Mann. Zu sehen, was hinter solchen Geschichten stecken könnte, fand ich eigentlich spannend. Tatsächlich war das Worldbuilding aber einfach nicht ausgearbeitet. Dargestellte soziale Strukturen würden so gar nicht funktionieren und so richtig wollte die Cinderella-Geschichte zunächst auf nicht reinpassen. Auch wenn dies im Verlauf der Geschichte besser wurde, stellte sich bei mir einfach nie ein rundes Gefühl ein.
Die Charaktere waren extrem einfach gezeichnet. Besonders Männer waren entweder grausam und dumm oder aber sie waren freundlich aber komplett passiv. Dadurch wirkte es so, als ob einzelne, extrem grausame Männer den Rest des Königreichs komplett unterdrücken würden, während alle anderen in Angst leben würden. Dass auch die „freundlichen“ Männer ihren Teil zum System beitragen, wurde völlig ignoriert.

Das Tempo der Geschichte war desaströs. Es war oft kaum möglich zu erkennen, wie viel Zeit zwischen Szenen verging. Teilweise wirkte es, als ob nur wenige Stunden oder vielleicht Tage vergangen wären, doch aus dem Kontext konnte man vermuten, dass es eher Wochen waren. Wichtige Szenen wurden viel zu schnell und nebenbei erzählt, wodurch einfach nie das Gefühl aufkam, dass irgendetwas relevant wäre. Besonders störend war hierbei auch das Fehlen von wirklichen Konsequenzen. Sophia und ihre Mitstreiterin konnten scheinbar alles falsch machen, ohne sich Sorgen machen zu müssen, denn zusammen mit ihren Dolchen konnten sie sich aus jeder noch so bedrohlichen Situation befreien.
Gut gefallen hat mir allerdings, neben den bereits angesprochenen Ansätzen, was die Autorin mit der guten Fee gemacht hat. Auch wenn ich mir hier am Ende vielleicht eine etwas klarere Auflösung gewünscht hätte, war ich doch sehr überrascht.
Fazit:
Leider kann ich „Cinderella ist tot“ nicht wirklich weiterempfehlen. Trotz einiger guter Ansätze lässt die Ausarbeitung des Buches einfach zu wünschen übrig.


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