Rezension zu „Becks letzter Sommer“ von Benedict Wells
Meine Bewertung:

Details:
Titel: Becks letzter Sommer
Autor: Benedict Wells
Verlag: Diogenes
Seiten: 464
Kauflink: Amazon
Preis: 13,00 € (D) Taschenbuch; 10,99 € (D) E-Book
Klappentext:
„Beck ist nicht zu beneiden. Mit der Musikerkarriere wurde es nichts, sein sicherer Job als Lehrer ödet ihn an, und sein Liebesleben ist ein Desaster. Da entdeckt er in seiner Klasse ein unglaubliches Musiktalent: Rauli Kantas aus Litauen. Als Manager des rätselhaften Jungen will er es noch mal wissen, doch er ahnt nicht, worauf er sich da einlässt … Ein tragikomischer Roman über verpasste Chancen und alte Träume, über die Liebe, Bob Dylan und einen Road Trip nach Istanbul. Ein magischer Sommer, in dem noch einmal alles möglich scheint.“

Zitat:
„Man altert einfach zu schnell, dachte Beck. Einmal kurz weggeschaut, schon war man nicht länger ein junger Leadsänger in einer Band, sondern ein siebenunddreißigjähriger Lehrer an einem Münchener Gymnasium. Nicht gerade der erhoffte Lebenslauf.“
Meine Meinung:
Beck ist von seinem Leben als Lehrer gefrustet. Er sieht seine Jugend als seine beste Zeit an und kommt nicht damit zurecht, dass er alt wird. Als er entdeckt, dass sein Schüler Rauli ein großes musikalisches Talent besitzt, beschließt er, alles auf eine Karte zu setzen und dessen Werdegang zu fördern.
Selten habe ich an einem Buch so wenig Spaß gehabt, wie an diesem. „Becks letzter Sommer“ leidet vor allem unter den unangenehmsten Charakteren, von denen ich je in einem Buch lesen durfte. Das Zitat auf dem Buchrücken, dass „Jede Figur bezaubert […]“ kann ich nicht nachvollziehen. Beck selbst ist zwar bereits über dreißig, er hat jedoch mehr mit einem Teenager gemeinsam als mit Gleichaltrigen. Er befriedigt sich selbst beim Gedanken an seine minderjährige Schülerin und träumt von einer Beziehung mit dieser, obwohl er selbst eine Freundin hat. Seine Freunde sind ihm egal, solange sie ihm nichts bringen, er lügt für den eigenen Vorteil und und und… Nun könnte das eine gute Geschichte darüber sein, wie er seinen moralischen Kompass findet aber so wirklich tut er das eigentlich nicht. Auch die anderen Charaktere sind entweder unangenehme Menschen oder Pappaufsteller ohne Persönlichkeit. Besonders Frauen sind von zweiterem stark betroffen.
Die Geschichte hat es nicht geschafft, dass ich mich für sie interessiere. Das lag zu einem großen Teil daran, dass ich überhaupt nicht in den Charakter Beck investiert war. Sein ach so tragisches Leben war mir schlicht egal. Aber auch abgesehen davon war die Handlung eine Aneinanderreihung von unwahrscheinlichen Ereignissen und unnötigen Problemen, die hätten vermieden werden können.
Das Tempo der Geschichte war desaströs. Die erste Hälfte des Buches zog sich wie Kaugummi. Jede Kleinigkeit wurde hier erzählt, um die Seiten zu füllen. Dann gab es ein viel zu plötzliches Ereignis, wodurch Beck auf einen Roadtrip geht. Dieser ist dann in einem viel schnelleren Tempo erzählt, wird aber wieder sehr plötzlich beendet. Danach gibt es ein Ende, das sich erneut grundlos zieht.
Neben all diesen erzählerischen Schwächen gibt es noch den ständigen Sexismus, der zwischen den Zeilen versteckt ist. Frauen haben meist so viele charakterlichen Eigenschaften, wie ein Brett und werden gerade zum Ende hin mit Eigenschaften und Objekten, die man besitzen kann, verglichen. Diese Einstellung hat mich enorm gestört.
Positiv kann man zwar den Schreibstil hervorheben, der durchaus angenehm zu lesen war, aber auch hier gab es Dinge, die meiner Meinung nach unnötig waren. So durchbricht der Autor ein paar Mal die vierte Wand, wendet sich also direkt an die Lesenden. Dieser Kunstgriff zahlt sich meiner Meinung nach aber nicht aus und wirkt eher deplatziert.
Fazit:
Wie „Becks letzter Sommer“ Preise gewinnen konnte, ist mir unbegreiflich. Dieses Buch überschreitet Grenzen und das nicht auf positive Weise. Hinzu kommen generelle Schwächen der Erzählweise. Alles in allem kein Buch, das ich weiterempfehlen würde.


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