Cover "Babel" Das Cover ist in Grautönen gehalten, mit Türmen im Hintergrund und dem Schriftzug Babel von oben nach unten geschrieben
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Babel

Rezension zu „Babel“ von R.F. Kuang

Dieses Buch ist derzeit nur in der englischen Version erhältlich und mir ist nicht bekannt, dass es übersetzt wird. Alle Angaben in dieser Rezension beziehen sich somit auf die englische Version. Sollte eine deutsche Version erscheinen, werde ich diese hier entsprechend anpassen.

Meine Bewertung:
4 Sterne von 5

Details:
Titel: Babel, Or the Necessity of Violence – An Arcane History oft he Oxford Translator’s Revolution
Autorin: R.F. Kuang
Verlag: Harper Voyager
Seiten: 560
Kauflink: Amazon
Preis: 16,99 € (D) Hardcover; 11,99 € (D) E-Book
Die auf den Fotos gezeigten Ausgaben sind Spezialausgaben der Illumicrate und Fairyloot Boxen und so nicht mehr im Handel erhältlich.

Klappentext:

1828. Robin Swift, orphaned by cholera in Canton, is brought to London by the mysterious Professor Lovell. There, he trains for years in Latin, Ancient Greek, and Chinese, all in preparation for the day he’ll enroll in Oxford University’s prestigious Royal Institute of Translation—also known as Babel.

Babel is the world’s center for translation and, more importantly, magic. Silver working—the art of manifesting the meaning lost in translation using enchanted silver bars—has made the British unparalleled in power, as its knowledge serves the Empire’s quest for colonization.

For Robin, Oxford is a utopia dedicated to the pursuit of knowledge. But knowledge obeys power, and as a Chinese boy raised in Britain, Robin realizes serving Babel means betraying his motherland. As his studies progress, Robin finds himself caught between Babel and the shadowy Hermes Society, an organization dedicated to stopping imperial expansion. When Britain pursues an unjust war with China over silver and opium, Robin must decide…

Can powerful institutions be changed from within, or does revolution always require violence? 

Klappentext "Babel"
Meine Meinung:

Robin Swift wurde als junges Waisenkind vom mysteriösen Professor Lovell nach London gebracht, wo er eine strenge Erziehung erhielt und schließlich nach Oxford ans Institut für Übersetzung kam. Hier befindet sich das Zentrum für Sprachen und Übersetzungen, aber auch für die Arbeit mit Silber – eine geheime Art, Magie zu wirken, durch die Macht, die bei Übersetzungen frei wird. Während Robin sein Glück zunächst kaum fassen kann, wird ihm schnell vor Augen geführt, dass er als halber Chinese niemals wirklich dazu gehören wird. Robin und die anderen Übersetzer müssen sich entscheiden, ob sie Großbritannien trotzdem weiter unterstützen, oder alles verlieren wollen.

Cover "Babel" Der Fairyloot und Illumicrate Ausgaben: Die Illumicrate Ausgabe ist eher in schwarztönen gehalten mit einem großen Turm in der Mitte und ohne Titel auf dem Cover

„Babel“ gehörte zu den Büchern, auf die ich mich in diesem Jahr am meisten gefreut habe. Nachdem ich von der Autorin bereits die „Im Zeichen der Mohnblume“-Trilogie gelesen und mehr als geliebt habe, konnte ein Buch von ihr, welches im Dark Academie Genre spielt, nur gut werden. Und ja, dieses Buch ist gut und äußerst intelligent geschrieben, aber leider gab es auch einiges, was meiner Meinung nach eher suboptimal gelöst war.

Die besten Teile von „Babel“ sind die ersten und die letzten ca. 100 Seiten. Der Beginn der Geschichte ist unglaublich interessant und das Ende sehr spannend. Leider schwächelt das Tempo im Bereich dazwischen etwas. Ich glaube, dass es ein Fehler war, aus dieser Geschichte einen Einzelband zu machen. Hier geschehen die Handlung und Charakterentwicklung mehrerer Jahre innerhalb von wenigen hundert Seiten und das ist einfach zu viel. Lange Strecken sind einfach nur Zusammenfassungen dessen, was in den Jahren passiert und welche Veränderungen geschehen. So wird einem fast alles einfach nur gesagt, statt wirklich gezeigt und ich habe dadurch irgendwann einfach die Verbindung zu den Charakteren verloren.

Zu sehen sind Charakterillustrationen, welche auf den Vorsatzpapieren der Fairyloot edition gedruckt sind.

Besonders traurig fand ich dies in Bezug auf Robin selbst, dessen Charakterentwicklung ich gegen Ende einfach nicht mehr nachvollziehen konnte. Zwar konnte ich seine Handlungen generell verstehen, aber ich hatte doch öfter das Gefühl nicht zu verstehen, warum er als Charakter so handeln würde.
Aber auch einige der Nebencharaktere hätte ich einfach gerne mehr kennengelernt. So wie die Geschichte geschrieben war, fühlten sich diese irgendwann eher wie Mittel zum Zweck an.

Und trotz dieser Kritik kann ich das Buch nur ausdrücklich empfehlen! Dies liegt unter anderem an dem großartigen und innovativen Magiesystem. Dieses ist anders als alles, was ich jemals gesehen habe, und funktionierte für diese Geschichte perfekt. Es basiert auf Übersetzungen und man merkt, dass die Autorin sich in diesem Bereich wirklich sehr gut auskennt. An vielen Stellen erhalten Lesende Eindrücke davon, wie verschiedene Sprachen funktionieren und miteinander verknüpft sind. Wer selbst Interesse an Linguistik hat, kann sich hier auf eine interessante und lehrreiche Zeit freuen.

Zu sehen ist Babel unscharf im Vordergrund, vor einem Spiegel in welchem die Farbschnitte beider Editionen sichtbar werden.

Ebenfalls sehr gut gefallen hat mir die Darstellung von Rassismus und wie Kolonialismus funktioniert. Dabei steht eine nicht-weiße Person im Vordergrund, die selbst von diesen Mechanismen profitiert und dennoch nie vollständig dabei sein kann. Der innere Kampf in Bezug auf diese Problematik war sehr gut dargestellt. An manchen Stellen hätte die ganze Thematik sicher subtiler eingebaut werden können, aber gerade bei so etwas Wichtigem ist es mir so lieber, als wenn etwas im Subtext verloren geht.

Zu sehen sind die Farbschnitte der Illumicrate (oben) und der Fairyloot. Der Buchschnitt der Illumicrate ist schwarz mit silberner Schrift: "An Act of Translation is Always an Act of Betrayal". Der Buchschnitt der Fairyloot zeigt den Turm
Fazit:

„Babel“ ist ein unglaublich intelligentes Buch, welches ich besonders allen ans Herz legen kann, die sich für Linguistik interessieren. Seine größte Schwäche ist wohl, dass es einfach zu viel für ein einzelnes Buch versucht.

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1 Kommentar

  1. […] Hier geht es zu meiner Rezension. […]

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