Rezension zu „Aristoteles und Dante entdecken die Geheimnisse des Universums“ von Benjamin Alire Sáenz
Meine Bewertung:

Details:
Titel: Aristoteles und Dante entdecken die Geheimnisse des Universums
Originaltitel: Aristotl and Dante Discover the Secrets oft he Universe
Autor: Benjamin Alire Sáenz
Übersetzung: Brigitte Jakobeit
Verlag: dtv
Seiten: 384
Kauflink: Amazon
Preis: 16,99 € (D) Hardcover; 9,95 € (D) Taschenbuch; 14,99 € (D) E-Book
Worum geht es?
„Dante kann schwimmen. Ari nicht. Dante kann sich ausdrücken. Ari fallen Worte schwer. Es scheint so, als wäre Dante die letzte Person, die es schaffen könnte, die Mauern einzureißen, die Ari um sich gebaut hat. Doch trotz ihrer Verschiedenheit werden sie Freunde. Sie teilen Bücher, Gedanken, Träume. Sie beginnen, die Welt des jeweils anderen neu zu definieren. Und entdecken, dass das Universum ein großer und komplizierter Ort ist, an dem man manchmal auch erhebliche Hindernisse überwinden muss, um glücklich zu werden!“

Zitat:
„An jenem Nachmittag lernte ich zwei neue Wörter. ‚Unergründlich.‘ Und ‚Freund‘. Worte sind anders, wenn man sie verinnerlicht.“
Meine Meinung:
Aristoteles, genannt Ari, lernt Dante beim Schwimmen kennen. Die beiden kommen über ihre ungewöhnlichen Vornamen ins Gespräch und entwickeln sich schnell zu ungleichen Freunden. Während Dante Ari beibringt, richtig zu schwimmen, ist Ari ein geduldiger Freund für Ari. Die beiden erleben das Erwachsen werden gemeinsam, jeder mit seinen eigenen Schwierigkeiten.
Ari und Dante sind zu Beginn des Buches 15 und gehen am Ende auf die 18 zu. Geschrieben ist das Buch aus Aris Perspektive und leider fiel mir von Anfang an auf, dass dieser in seiner Erzählung deutlich jünger klingt. Wenn das Alter nicht immer wieder erwähnt worden wäre, hätte ich ihn auf etwa 10 geschätzt. Es kam etwas so rüber, als ob der Autor geschrieben hat, wie er glaubt, dass 15-Jährige sprechen.
Aber zunächst das positive: Ari und Dante sind beide mexikanisch-amerikanisch und haben sehr unterschiedliche Zugänge zu ihrer Herkunft. Dies war ein wichtiges, immer wieder aufgegriffenes Thema des Buches und ich fand es gut, über diese Art von Diversität zu lesen. Auch die Tatsache, dass es sich hier um eine homosexuelle Beziehung zwischen zwei doch sehr speziellen Charakteren handelt fand ich gut. Die allgemeine coming-of-age Geschichte war schön erzählt und abgesehen vom Schreibstil kam auch rüber, dass es sich hier um Teenager mit Stimmungsschwankungen handelte, ohne dass das Buch in typisches Teenie-Drama abdriftet, weshalb ich es trotzdem angenehm zu lesen fand.
Nachdem ich das Buch durchgelesen hatte, wollte ich ihm eigentlich eine deutlich bessere Bewertung geben. Allerdings sind mir beim darüber nachdenken so viele Dinge ins Auge gesprungen, die ich entweder unglaubwürdig oder sogar problematisch fand. Das meiste davon ist leider erst spät im Buch, weshalb ich etwas wage sein werde. Ich werde jedoch für eine Sache unter diesen Post eine Spoilerwarnung mit einer kurzen Erklärung stellen, da mich dies doch ziemlich aufgeregt hat.
Ari hadert das gesamte Buch hinweg mit seinen Gefühlen seinem Vater und Bruder gegenüber. Niemand spricht mit ihm darüber, dass sein Vater ein großes Trauma im Krieg erlitten hat und sein Bruder im Gefängnis ist und Ari sieht sich allein gelassen in dem Versuch, selbst damit fertig zu werden. Im späteren Verlauf geschehen jedoch einige Dinge recht plötzlich und daraufhin scheint es, dass sich diese Problematik einfach in Luft auflösen würde. Ebenso sagen seine Eltern Ari einiges über seine eigene Gefühlswelt. Es handelt sich hier um etwas größeres, bei dem man mit 17 Jahren eher nicht möchte, dass die Eltern sich da einmischen. Ari jedoch ist dadurch in der Lage, diese Gefühle anzunehmen und zu akzeptieren, was definitiv unglaubwürdig war.
Die Namensgebung der Protagonisten und damit des Titels ist etwas irreführend. Ich persönlich hatte zumindest ein wenig Philosophie im Buch erwartet. Stattdessen ist dies ein reiner coming-of-age Roman. Vermutlich hätte der Titel „Georg und Max entdecken die Geheimnisse des Universums“ einfach nicht interessant geklungen. Andererseits handelt es sich bei beiden Namen durchaus um (seltene) mexikanische Namen, insofern ist diese Kritik vielleicht auch eher eine typisch weiße, die hier fehl am Platz ist.
Fazit:
Auch wenn das Buch durchaus einen gewissen Charme hat und durch seine Diversität etwas Besonderes ist, gab es einfach zu viel Unglaubwürdiges oder sogar Problematisches. Ich verstehe durchaus, warum viele Menschen dieses Buch sehr mögen, für mich war es jedoch leider nichts.

Spoiler:
Nachdem Aris schwuler bester Freund brutal zusammengeschlagen wurde, erfährt Ari, dass sein Bruder im Gefängnis ist, weil er eine Transfrau zusammengeschlagen und dabei getötet hat. Statt diese beiden Ereignisse zu verknüpfen und aufzuhören, seinen Bruder auf ein Podest zu stellen, schlägt Ari vor, dass er ihm doch in Zukunft mal Briefe ins Gefängnis schreiben könnte. Dies machte auf mich einen extrem unreflektierten Eindruck seitens des Autors.

