Cover "Ferryman - Der Seelenfahrer"
Fantasy Jugendbuch Love

Ferryman – Der Seelenfahrer

Rezension zu „Ferryman – Der Seelenfahrer“ von Claire McFall

Meine Bewertung:

2 Sterne

Details:
Titel: Ferryman – Der Seelenfahrer
Reihe: Ferryman Band 1
Autorin: Claire McFall
Verlag: Arctis
Seiten: 336
Kauflink: Amazon
Preis: 19,00 € (D) Hardcover; 14,99 € (D) E-Book

Worum geht es?

„Dylan hat ein schreckliches Zugunglück unverletzt überstanden. Das zumindest glaubt sie. Doch die trostlose Landschaft um sie herum sind nicht die schottischen Highlands. Es ist ein Niemandsland, das von Geistern heimgesucht wird, die nach menschlichen Seelen verlangen. Und der Fremde, der sie dort erwartet, ist kein gewöhnlicher Junge. Tristan ist ein Ferryman, dessen Aufgabe es ist, die Seelen der Verstorbenen sicher ins Jenseits zu überführen. Sie begeben sich auf eine Reise, die er eigentlich schon tausendmal gemacht hat. Doch diesmal wird alles anders und Dylan begreift, dass sie weder bei Tristan bleiben noch ihn verlassen kann…“

Klappentext des Buches Ferryman

Zitat:

„Er verspürte das seltsame Verlangen, sie zu berühren, über ihre glatte Wange zu fahren und ihr die Haare aus den Augen zu streichen, aber er rührte sich nicht vom Fleck. Es musste an ihrer Jugend und Verletzlichkeit liegen, dass solche Empfindungen in ihm aufstiegen. Er war ihr Ferryman, ihr vorübergehender Beschützer. Nichts weiter.“

Meine Meinung:

Etwas, das ich ganz unabhängig vom Rest sagen möchte, ist, dass das Buch meiner Meinung nach eher als Buch für ältere Leser vermarktet wird. Tatsächlich handelt es sich hier jedoch um ein Jugendbuch. Als mir klar wurde, dass die Charaktere (außer natürlich dem Ferryman selbst) Jugendliche sind, in dem Alter, in dem es unglaublich witzig ist, einen BH zu sehen, war ich doch ziemlich enttäuscht.

Die Geschichte:

Dylan ist auf dem Weg zu ihrem Vater, den sie seit ihrer Kindheit nicht mehr gesehen hat. Ihr Zug hat jedoch einen Unfall und sie verliert zeitweise das Bewusstsein. Als sie kurze Zeit später aus dem Tunnel taumelt, denkt sie, sie sei die einzige Überlebende. Schnell wird ihr allerdings klar, dass sie in Wirklichkeit die Einzige ist, die nicht überlebt hat. Im Niemandsland, das aussieht, wie die schottischen Highlands, trifft sie auf Tristan, ihren Ferryman. Dieser begleitet sie auf ihrer Reise, die sie auf die andere Seite führen wird. Doch auf dem Weg verliebt sich Dylan in ihn.

Direkt zu Beginn des Buches gab es leider direkt mehrere misogyne Aussagen und hier liegt auch meine größte Kritik, denn dies ist etwas, was ich in Büchern nicht ausstehen kann. Es gibt etwa eine Szene, in der Dylan darüber nachdenkt, dass die Teenagerjungen und -mädchen nach der Schule eben typische Teenagerdinge machen. Beide findet sie nervig, aber die Frauen sind natürlich viel schlimmer. Warum? Weil sie Make-up tragen und ihre Stimmen „bitchig“ sind. Später ist Dylans Seele auch noch besonders, weil sie eine Jungfrau ist. Dies wird kontrastiert damit, dass nicht jungfräuliche Seelen als „verbittert“ dargestellt werden. Ich finde die unterliegenden Aussagen sehr bedenklich.

Auf dem Weg durch das Niemandsland folgt das Buch einer immer gleich bleibenden Struktur: Die beiden laufen den Tag über, wenn es dunkel wird, greifen Dämonen an und sie müssen sich daher beeilen, um die nächste Schutzhütte zu erreichen. Dort verbringen sie die Nacht und das ganze beginnt von vorne. So wirklich Spannung kommt dabei nicht auf, allerdings war die Beschreibung der schottischen Landschaft wunderschön. Ich hatte oft richtig vor Augen, wie die Umgebung des Buches aussah!

Nach nur wenigen Tagen, die die beiden so zusammen verbringen, ist sich Dylan dann sicher, dass sie eher sterben würde, als Tristan zu verlieren. Natürlich handelt es sich hier um einen hormonellen Teenager, aber ich muss sagen, dass ich dies doch etwas übertrieben fand. Im Allgemeinen hat mir die Liebesgeschichte absolut nicht gefallen, da sie viel zu schnell und überzogen dargestellt war.

Der Schreibstil:

Ein großer Teil des Buches umfasst Beschreibungen der Umgebung. Wie bereits gesagt, sind diese wirklich wunderschön und sorgen dafür, dass man sich alles sehr gut vorstellen kann.

Geschrieben ist das Buch in der 3. Person. Dabei erfährt man trotzdem immer, was in den Köpfen der Protagonisten vor sich geht, und zwar bei beiden. Dies ist oft verwirrend, da die Perspektive ständig wechselt, ohne Absatz, oder andere Erkennungsmerkmale. Dieses zwischen den Köpfen hin und her Gehüpfe ist leider eher anstrengend zu lesen.

Die Charaktere:

Außer den Protagonisten gibt es zwar andere Charaktere im Buch, diese tauchen jedoch nur ganz am Anfang und am Ende auf und sind für die Geschichte eher unwichtig. Der gesamte Fokus liegt somit auf Dylan und Tristan.

Dylan ist 15 Jahre alt, verhält sich aber meistens eher wie 12. Lustigerweise wird ihr Verhalten durchweg als besonders erwachsen beschrieben, was ich schnell nicht mehr ernst nehmen konnte.

Von Tristan erfährt man, dass er schon lange keine Seele mehr an sich herangelassen hat. Zumeist holt er sie ab und redet nur das allernötigste, bis er sie an der Pforte zum Jenseits abliefern kann. Der Grund dafür ist allerdings ziemlich egoistisch: Die meisten Seelen reagieren ziemlich emotional, wenn sie erfahren, dass sie tot sind. Dann denken sie die ganze Reise nur an ihr eigenes Leid und nicht daran, dass es ihm vielleicht auch nicht gut geht. Nun, ich finde die Reaktion der Seelen ziemlich verständlich, denn immerhin erfahren sie gerade keine Kleinigkeit, sondern dass sie gestorben sind. Tristan wird auf Dylan aufmerksam, weil sie zuerst an ihn denkt und nicht an sich selbst. Die Frau muss sich hier um die Gefühle des Mannes kümmern und ihre eigenen hinten anstellen… auch hier finde ich die Aussage des Buches sehr bedenklich.

Die Beziehung der beiden entwickelt sich, wie gesagt, ziemlich schnell, allerdings erfährt man zwischendurch auch immer die Gedankengänge der beiden, weshalb es sich immerhin beim Lesen nicht ganz so schnell angefühlt hat, wie es in der Geschichte wirklich ist.

Innenlayout von "Ferryman - Der Seelenfahrer"

Fazit:

Das einzig wirklich positive, was ich an diesem Buch finden konnte, sind die großartigen Landschaftsbeschreibungen und, dass die Grundidee des Buches sehr interessant ist. Ansonsten sind die Charaktere nervig und egoistisch (wobei sie darin immerhin konsistent sind) und der Schreibstil ist anstrengend. Am schlimmsten jedoch fand ich die immer wiederkehrenden misogynen Aussagen des Buches. Leider kann ich es absolut nicht weiterempfehlen.

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