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Dystopie Love

Wir Verlorenen

Rezension zu „Wir Verlorenen“ von Jana Taysen

Meine Bewertung:

4 Sterne

Details:
Titel: Wir Verlorenen
Autorin: Jana Taysen
Verlag: Kirschbuch Verlag
Seiten: 407
Kauflink: Amazon, Kirschbuch Verlag
Preis: 12,00 € (D) Taschenbuch; 6,99 € (D) E-Book

Worum geht es?

„Die Welt, wie wir sie kannten, existiert seit einer verheerenden Pandemie nicht mehr. Die junge Smilla weiß, dass es keinen Platz für Liebe und Glück geben kann. Bis sie ihren einstigen Nachbarn Falk wiedertrifft… 

Doch dann überschlagen sich die Ereignisse und Smilla befindet sich mitten in einer Spirale aus Verrat und Lügen. Wem kann sie noch trauen? Und welche zwielichtige Rolle spielt Falk bei alledem?“

Zitat:

„Um sich selbst zu erhalten, tut jeder das, was er tun muss. Und wer das am besten macht, hat das Recht zu überleben. Wie im Tierreich, zu dem wir ja im Grunde gehören.“ – Falk

Meine Meinung:

„Wir Verlorenen“ wurde mir freundlicherweise als Rezensionsexemplar vom Kirschbuch Verlag und NetGalley bereitgestellt. Auf meine Meinung zum Buch hat dies jedoch keinen Einfluss.

Die Geschichte:

Die Welt wurde durch eine unbekannte Pandemie zerstört. Smilla und ihre Schwester gehören zu den wenigen Überlebenden und haben sich einer kleinen Gruppe in der Eifel angeschlossen. Sie verstecken sich in einem alten Bunker und überleben gerade so, indem sie Vorräte sammeln und kleine Tiere jagen.

Als Smilla jedoch ihren alten Nachbarn Falk wiedertrifft, überschlagen sich die Ereignisse und sie bringt nicht nur sich, sondern ihre gesamte Gruppe in Gefahr. Falk weckt in ihr Gefühle, die sie eigentlich in einer postapokalyptischen Welt nicht haben dürfte. Sie hält die Treffen mit ihm geheim, bis schließlich Dinge geschehen, durch die Smilla an Falks wahren Motiven zweifelt.

Die Geschichte packt direkt von Anfang an. Das erste Kapitel führt perfekt in die Welt ein und zeigt alles Wichtige. Ich war sofort überzeugt! Allerdings muss ich gestehen, dass mich im weiteren Verlauf viele Interaktionen mit Falk nicht überzeugt haben. Bei ihrem ersten Treffen lässt Falk seinen Hund auf Smilla los. Dieser zerfleischt ihre Schulter, bis Falk ihn zurückruft. Trotz dieser großen, schmerzhaften Wunde redet Smilla völlig normal mit ihm, fast als wäre es ein nettes Widersehen der beiden. Sie bemerkt dabei sogar – typisch YA – wie Falk riecht. Auch zu späteren Zeitpunkten vergibt sie ihm für diverse moralisch fragwürdige Handlungen ziemlich schnell. Ich persönlich fand dies leider etwas unbefriedigend und hätte mir da etwas mehr Konflikt gewünscht.

Abgesehen davon ist die Geschichte sehr lebendig und glaubwürdig erzählt. Die Welt ist interessant geschrieben und man kann sich gut hinein versetzen. Es gibt einige sehr spannende Situationen und mir hat es auch gut gefallen, dass sich ein Jugendbuch mit philosophischen Fragen, wie der Natur des Menschen, auseinandersetzt. Für meinen Geschmack hätten jedoch die Diskussionen darüber etwas ausgebaut werden, oder Einfluss auf die Handlung haben können, aber ich kann mir auch vorstellen, dass ein Großteil des Zielpublikums daran kein Interesse hat.

Die Charaktere:

Grundsätzlich war ich ziemlich glücklich mit den Charakteren in „Wir Verlorenen“. Es gab viel sehr moralisch graues Verhalten, was mich persönlich sehr angesprochen hat. Die Charaktere sind gut beschrieben und handeln auch größtenteils konsistent. Beschrieben wird das Buch aus Smillas Sicht, wodurch man die Charaktere mit denen sie viel zu tun hat deutlich besser kennen lernt, als die anderen. Personen, wie etwa Sarah, eine der anderen Überlebenden, bleiben somit sehr blass und man erfährt beinahe nichts über sie. Das war im Kontext des Buches jedoch sogar passend.

Smilla selbst ist jedoch zeitweise inkonsistent. Sie selbst hat sehr strikte moralische Vorstellungen, welche man direkt von Anfang an kennen lernt. Sie ist nicht bereit, anderen Menschen Leid zuzufügen, oder nicht zu helfen, wenn sie es kann. Als sie jedoch einiges über Falks Vergangenheit in der Plage erfährt, entschuldigt sie sein teils sehr fragwürdiges Verhalten einfach und sieht ihn nicht anders als vorher. Ich muss gestehen, dass ich mich hier etwas geärgert habe, da hier eine großartige Chance vertan wurde darüber zu reflektieren, was in einer solchen Situation in Ordnung ist und was nicht.

Fazit:

„Wir Verlorenen“ behandelt ein hochaktuelles Thema auf spannende Weise. Das Buch ist gut geschrieben und hat interessante Charaktere. Zudem werden philosophische Ideen auf für Jugendliche interessante Art erkundet. Ich finde jedoch, dass diese noch weiter hätten ausgelotet werden können.

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